RetailWatch - Aktuell

Hudson’s Bay Company plant Grosses für Kaufhof

Carsch-Haus in Düsseldorf - Quelle: Galeria-Kaufhof

Köln, 30.6.2016 - Seit geraumer Zeit rätseln Interessierte, was die kanadische Kaufhof-Muttergesellschaft HBC mit den Filialen der zweitgrössten deutschen Warenhauskette vorhat. Jetzt werden die ersten Schleier gelüftet. 

„Geiz ist geil“, dieser bis zum Erbrechen zitierte Saturn-Werbespruch, der das Einkaufsverhalten bundesrepublikanischer Kunden charakterisiert wie kein zweiter, soll nun auch in die Welt des Kaufhof einziehen: ab Sommer 2017 plant HBC-Chef Jerry Storch in Deutschland 40 schicke neue Outlet-Läden, darunter in den Sportarena-Häusern Bonn, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Heidelberg, Stuttgart, Wiesbaden und Wuppertal.

Das Sportarena-Konzept steht deshalb für HBC vor dem Aus - es werden diesem in Deutschland keine Wachstumsmöglichkeiten mehr eingeräumt. 

Hudson’s-Bay-Company (HBC) hat das Nobel-Outlet-Konzept bereits sehr erfolgreich mit ihrer Tochter „Saks off 5th“ in den USA umgesetzt. Top-Marken werden hier zu wirklich günstigen Preisen angeboten; wie bei Outlet-Centern üblich mit Ware aus der Vorsaison, Retouren oder aus Überproduktion. 

HBC nutzt hierzu aber nicht die üblich-verschämten Lagen am Rande von Gewerbeparks oder auf der grünen Wiese, sondern in 1a-Innenstadtlagen. Und hier soll an hochwertigen (Bau-)Materialien nicht gespart werden. Im Mittelpunkt stehen die 13 Kaufhof-Sportarena-Häuser mit Verkaufsflächen zwischen 2.000 und 4.000 Quadratmetern - diese sollen nach sämtlichen Regeln der Verkaufspsychologie modernisiert werden. 

Geplant ist für die komplette bauliche Neugestaltung der bestehenden Kaufhof-Filialen bis 2021 ein Budget von einer Milliarde Euro. Hört sich nach viel an - aber grosse Zahlen haben wir in der Vergangenheit auch im Zusammenhang mit Upgrades der Karstadt-Häuser gehört, und zwar von Nicolas Berggruen. Das Kapitel ist längst abgeschlossen.

Leuchtturm-Haus soll nach den Planungen von HBC das Düsseldorfer Carsch-Haus werden; die Leitung des HBC-Europageschäfts verbleibt demnach in Köln.

So berichtet der Kölner Stadtanzeiger in diesem Zusammenhang:

„ Das Düsseldorfer Carsch-Haus wird  fast komplett umgebaut: Im Untergeschoss bleibt der Gastro- und Lebensmittelbereich. Auch die Heimtextilien-Abteilung von Kaufhof wird dort untergebracht. Alle anderen Etagen sind 'Saks Off 5th‘ vorbehalten.

Und wo nach Planung kein komplettes Kaufhof-Haus zur Verfügung steht, plant HBC mit „Saks off 5th“ als Untermieter einzuziehen. Für die klassischen Kaufhof-Filialen entsteht so im DOB- und HK-Bereich ein mächtiger interner Wettbewerber - mit 800 Designermarken und Saks-Eigenlabels. Die Auswirkungen auf die Stamm-Bekleidungsabteilungen dürften mehr als deutlich spürbar sein. Ähnliches spielte sich vor Jahren bei Abercrombie & Fitch bzw. bei Hollister ab - hier allerdings als Hipster-Phänomen.  

HBC beeilt sich denn auch, den Kaufhof- und Sportarena-Angestellten zu versichern, dass diese eine Arbeitsplatz-Garantie bekommen und in vergleichbarer Position weiterbeschäftigt würden - das wünschen wir den Kolleginnen und Kollegen ebenfalls.

Auch die Mode-Insider-Plattform „Fashion United“ beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema.

Bad Vilbel und Segmüller - Einzelhandel ohne Konzept ?

Quelle: www.bad-vilbel-online.de


Bad Vilbel, 28.6.2016 - Im Rhein-Main-Gebiet etablierten die zuständigen Politiker bereits vor acht Jahren ein regionales Einzelhandelskonzept. Absicht dahinter: bereits vor der Ansiedlung grosser Einkaufsmärkte oder Discounter sollte künftig geprüft werden, wie der lokale innenstädtische Einzelhandel möglichst wenig negativ tangiert werden kann. 

Und seit nunmehr sechs Jahren taucht in diesem Zusammenhang immer wieder der Name „Segmüller“ auf. 

Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) möchte nämlich genau diesem Möbelfilialisten eine Fläche im Baugebiet Quellenpark andienen - vergleichbar der räumlichen Situation Weiterstadts bei Darmstadt an der A5. Damit liegt er aber sowohl mit der Haltung der Regionalversammlung Südhessen als auch mit dem hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel und einem hier massgeblichem Urteil über Kreuz. 

Für die Innenstadtlagen und die dortigen Einzelhändler ist regelmässig das ausufernde „Randsortiment“ der grossen Möbelhäuser ein Problem. Da sich Möbelkunden häufig nicht beim ersten Besuch des Möbelhauses zum Kauf einer hochwertigen Möbelgarnitur, eines Schlafzimmers oder einer Terrassenbestuhlung entscheiden können, lassen sie sich entsprechend intensiv beraten und kehren nicht selten mehrmals ins selbe Möbelhaus zurück, um ihre Kaufabsicht „abzusichern“. 

Wie gut, wenn dann das sog. zentrenrelevante Sortiment eine breite Auswahl an Haushaltswaren, Leuchten, Stoffen u.ä. bereit hält - gerade so, wie die Händler in der Innenstadt. Der Kunde hat sich dann vielleicht noch nicht zur avisierten „grossen“ Entscheidung durchgerungen, aber bei jeder „Etappe“ mehr oder weniger viele Teile des Randsortiments erstanden - auch, um nicht jedesmal mit leeren Händen aus dem Möbelhaus zu kommen; in Reinkultur zelebriert IKEA diesen Ansatz.

Dem aktuellen Einzelhandelskonzept zufolge dürfte Segmüller im Falle seiner Ansiedlung maximal 800 Quadratmeter für die Präsentation dieses Sortiments zur Verfügung stellen - schöner wären 3.900 Quadratmeter - oder als Vergleichsvorschlag des Verwaltungsgerichts Giesen 3.000 Quadratmeter. 

Dieser Vergleich kam bei der Regionalversammlung nicht gut an; der angerufene Verwaltungsgerichtshof Kassel entschied daraufhin, dass die Stadt Bad Vilbel eine Änderung des regionalen Flächennutzungsplans beantragen müsse, um den Wünschen Segmüllers entgegenzukommen. 

So denkt Thomas Stöhr aktuell darüber nach, ebendiesen Antrag auf Genehmigung eines Randflächensortiments von maximal 3.000 Quadratmetern zu stellen. 3.000 zu 800 verhält sich wie 1 : 3,75. Keine wirklich gute Nachricht für die Vilbeler Innenstadt.

Weitere politische Akteure wie Landrat oder Regionalversammlung sehen denn auch das Projekt „Segmüller-Ansiedlung in Bad-Vilbel“ bereits als gescheitert an. 

Gutachter, die im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt das regionale Einzelhandelskonzept kürzlich evaluiert haben, empfehlen eine Beibehaltung der Randsortimentsgrösse. 

Allerdings vermissen sie eine stärkere inhaltliche Fundierung der Auswahl des Standorts neuer Ansiedlungen. So solle hier für die Grösse eines Marktes entscheidend sein, wieviele Personen er versorgen könne. Aber bis diese Vorschläge in ein revidiertes Einzelhandelskonzept einfliessen können, muss noch viel Wasser die Nidda hinunterlaufen. 

Literaturtip: Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral


Köln, 27.6.2016 - Das Radiomagazin Andruck im Deutschlandfunk rezensierte das aktuelle Buch Evi Hartmanns, BWL-Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Supply Chain Management an der Universität Erlangen. In „Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral“, erschienen im Campus-Verlag, beschäftigt sich die Autorin en détail und sehr kenntnisreich mit den Fallstricken internationaler Arbeitsteilung und beleuchtet die Verstrickungen jedes Einzelnen von uns in den Verästelungen der Globalisierung. Nicht mit dem Zeigefinger - dafür sehr erhellend und zum Nachdenken anregend.




Manuskript der Rezension 

Rezension zum Nachhören

Retter des Einzelhandels?


Quelle: Gründerszene.de - „Shoppen“-Entwickler Timo König und Max Zähringer (von links)


Köln, 27.6.2016 - Wir berichten ja fast täglich vom zermürbenden Kampf etablierter Einzelhändler gegen die Online-Riesen Amazon, Zalando - und wie sie alle heissen mögen. Auf den ersten Blick eine Frage der Zeit, bis sich durch steigende Mieten, sinkende Kundenfrequenz und damit auch schrumpfende Umsätze und Gewinne der letzte stationäre Laden nicht mehr rentieren wird. 

Aber deshalb gleich aufgeben?

Gründerszene.de stellt zwei junge Kollegen vor, Timo König und Max Zähringer, die dem Ladensterben etwas entgegensetzen möchten. 

Sie haben das Hauptproblem vieler Händler erkannt, nämlich deren mangelnde Affinität zu Online-Themen. Die meisten dieser Händler wüssten zwar, dass sie ihre Produkte neben dem Geschäft auch online anbieten müssen, um überleben zu können, haben aber keinen Schimmer, wie, kein Geld, keine Zeit oder eben Angst vor dem Thema Online. 

Mit ihrer App „Shoppen“ sollen auch kleine und mittlere Einzelhändler ihre Produkte einfach im Internet verkaufen können. Idee dahinter: 

„Über ein Management-Tool können Händler ihre Waren online einstellen und verwalten, vertrieben werden die Produkte dann über die „Shoppen“-App oder über den Browser. Soweit der Plan. Im August geht’s los.“

Das Tool soll sich ohne technisches Know-how bedienen lassen - auch Oma Zähringer musste deshalb als Crashtest Dummy ran. 

Nach der Bestellung über die App soll die Ware innerhalb von 90 Minuten zum Preis von Euro 7,20 ausgeliefert werden. Hier mache sich die Zusammenarbeit mit einem externen Kurierdienst bezahlt, der auf Sofort-Lieferungen spezialisiert sei - und auch die kompletten Versandkosten einstreicht. 

Knaller: Falls der Kunde die Ware an- oder ausprobieren möchte, ist eine Gratis-Wartezeit nach der Anlieferung von zehn Minuten im Lieferpreis enthalten - jede weitere Minute kostet dann 50 Cent. Geschickt genutzt, geht die Retoure gleich zurück - und spart den Kunden so den beliebten Gang auf’s Postamt bzw. die Annahmestelle des Paketdienstes. 

Klar, finanziell muss sich das Ganze auch für die Newcomer rechnen: 

„Finanzieren will sich das Startup über eine Provision, die pro Verkauf eines Artikels von den kooperierenden Händlern gezahlt wird. Hinzu kommt ein Abo-Modell: Nach dem ersten, kostenfreien Jahr würden pro Monat zwischen 25 und 45 Euro für die Händler anfallen. Bisher haben die beiden Gründer nach eigenen Angaben etwa 40 Händler akquiriert.“

Neben der reinen Online-Shop-Funktion für die teilnehmenden Händler hat „Shoppen“ aber noch einige Schmankerl parat: Der Nutzer kann sehen, welche Geschäfte in der Nähe sind und welches Sortiment diese anbieten. So lässt sich ein aktives Routing der Kunden auf deren Shopping-Tour realisieren. Auch sollen die Kunden via Push-Nachrichten von Händlern informiert werden können - z.B. über aktuelle Angebote oder Highlights. 

Seit 2013 basteln die beiden Gründer nun an der Lösung - im August 2016 soll das Ganze in Köln starten. 

Im Vergleich zu bereits bestehenden Angeboten (z.B. Hierbeidir im von Kölnern so beliebten Düsseldorf), sehen die Kölner ihre Lösung aber als umfassendes Tool für Händler und Kunden an. 

Falls „Shoppen“ in Köln einschlägt, ist eine Expansion in die 20 grössten deutschen Städte denkbar.

“Bis dahin kann auch Zähringers Oma das Tool weiter nutzen. Die schickt dem Gründer über ihren Test-Account Pushnachrichten auf sein Handy. Unter den fiktiven Rabatt-Angeboten steht dann zum Beispiel, Zähringer solle sie doch mal anrufen.“

Deutscher Präsenz-Schuhhandel bröckelt

20160627 Kaufhof Schuhe Screenshot 940 Uhr

Keine Anzeige - Quelle: Screenshot https://www.galeria-kaufhof.de/schuhe/ - 27.6.2016 9:40 Uhr


Frankfurt am Main, 26.6.2016 - Eigentlich dachten wir bislang naiv, dass es für Frauen kaum schönere Shopping-Erlebnisse geben könne, als allein, wahlweise mit Mutter / Tochter oder mit Freundinnen durch die Stadt zu streifen und sich dabei das eine oder andere Pärchen Pumps, Sneakers oder Ballerinas einpacken zu lassen - und darauf dann ein Gläschen Prosecco! 

Aus der Traum für den klassischen Schuhhandel. Dabei knabbern nicht nur die üblichen Verdächtigen unter den Online-Anbietern wie Zalando, Amazon, Otto usw. an den Umsätzen der stationären Kollegen, sondern zunehmend auch Warenhäuser und Modefilialisten wie H&M, Primark oder Zara. 

Was ist passiert? Natürlich ist es bequem und unterhaltend, sich siebzehn Paar Schuhe in drei verschiedenen Grössen und fünf verschiedenen Farben schicken zu lassen, um nach dem Anprobieren (gerne wieder als Event mit Mutter/Tochter oder Freundinnen) entweder sechzehn Paar davon oder gleich die komplette Sendung zurückzusenden - die Schlangen an der Paketannahme kennen wir ja inzwischen. 

Der Marktanteil der Online-Händler mit Schuhen stieg so innerhalb weniger Jahre von nahezu 0 auf jetzt um die 15 Prozent. 

n-tv.de ist dem Phänomen auf den Grund gegangen und befragte Brancheninsider: 

„ ‚ Unsere Branche steuert durch einen Sturm. Es kommen dramatische Veränderungen‘, warnt(.) so der Chef des zweitgrößten deutschen Schuhfilialisten Hamm Reno, Matthias Händler, im Gespräch mit dem Branchen-Fachblatt ‚Textilwirtschaft‘. „

Nach Angaben des BDSE, des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, schlossen zwischen 2010 und 2014 rd. 500 Schuhhändler zum letzten Mal ihr Geschäft zu; aktuell stellen sich noch weniger als 4.500 Händler dem Wettbewerb. 

Dabei ist davon auszugehen, dass sich dieser Schrumpfungsprozess sogar noch beschleunigen wird. Klar - und die jüngeren Kunden (und hier ausdrücklich Kundinnen) kommen erst gar nicht mehr ins klassische Schuhgeschäft, sondern bleiben gleich bei ihren Lieblingsfilialisten hängen, wo es neben den neuesten Fummeln für 2 Euro auch noch schnell ein Paar Schühchen für kleines Geld gibt - über Qualität wollen wir auch hier lieber nicht sprechen. 

„ Der Bekleidungshandel ist einfach ein stückweit modischer als der traditionelle Schuhfachhandel. Da ist es kein Wunder, dass sich mancher Kunde beim Schuhkauf dort bedient“, 

so BDSE-Geschäftsführer Siegfried Jacobs. Gleichzeitig betont er ausdrücklich nochmals die „hohe Internet-Affinität der nachwachsenden Kundengeneration“. Und beide Trends zusammengenommen erlegen den klassischen Schuhhandel. So weit, so schlecht. 

Warenhäuser wie Kaufhof, Modehäuser wie Breuninger oder Konen wollen von dieser Entwicklung profitieren: sie bauen seit geraumer Zeit ihre Schuhabteilungen aus - und bieten ihren Kunden diese Auswahl eben auch online in chic gestalteten Warenwelten an. 

Aber zurück zu Convenience und Preis - hier sieht sich Deichmann als grösste Schuhhandelskette Deutschlands gut aufgestellt. Allein im vergangenen Jahr eröffneten deutschlandweit 62 neue Filialen - aktuell sind es 1391. So expandierte der Essener Schuhgigant nicht nur ordentlich, sondern steigerte auch seine Umsätze nochmals nachhaltig. Den deutschen Schuhkäufern soll es Recht sein - deren „Ausgaben (…) für Schuhe stagnieren seit drei bis vier Jahren“, so Jacobs, „(d)as verschärft den Verdrängungswettbewerb.“

Hanau - Neues Ladenzentrum auf Möbel-Erbe-Gelände geplant


Modell Aussenansicht - 

Quelle: Schoofs Immobilien GmbH


Hanau, 25.6.2016 - Auf dem ehemaligen Grundstück des Möbelhaus’ Erbe in Hanau-Steinheim entsteht ein neues Ladenzentrum mit zwölf Geschäften des täglichen Bedarfs auf rd. 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche - angeordnet um einen künstlichen See und mit 330 Parkplätzen angebunden. Ankermieter wird ein REWE-Center sein. 

Das teilte der Immobilienentwickler und Bauherr, die Schoofs Immobilien GmbH mit. „Rondo Steinheim“, so der Name*, soll im Frühjahr 2017 am Ortseingang, der Otto-Hahn-Strasse, entstehen und damit den jahrelangen Leerstand und anschliessende Brache wieder füllen. Möglich wird der schnelle Bauvollzug durch überwiegende Verwendung von vorgefertigten Teilen. 

Seit nunmehr rund zehn Jahren musste sich die Hanauer Stadtpolitik mit dem Gezerre rund um die Möbel Erbe-Immobilie beschäftigen. Die Eigentümerfamilie in vierter Generation gab den Geschäftsbetrieb auf und verkaufte das Haus vor nunmehr elf Jahren. Daraufhin übernahm der Branchenriese Höffner das Grundstück für zehn Mio. Euro und baute es in der Folge nochmals für die gleiche Summe um. 

Möbel Höffner-Chef Kurt Krieger war jedoch nicht in der Lage, sich mit den Verantwortlichen der Stadt Hanau auf ein Nutzungskonzept bzw. eine Sortimentspalette für das Möbelhaus zu einigen, welche den sowieso nur noch spärlichen innerstädtischen Einzelhandel nicht noch weiter bedroht hätte. 

Daraufhin verzichtete Möbel Höffner auf die Eröffnung und baute kurz darauf ein bereits bestehendes Möbelhaus in Gründau-Lieblos aus. 

Im Sommer 2015 (nach dem Erwerb durch den neuen Bauherrn) begann dann endlich der Abriss der leerstehenden Steinheimer Immobilie - und gab die 37.520 Quadratmeter für die künftige Nutzung frei.  


* Bei der Namensfindung setzte der Investor auf breite Mitwirkung interessierter Hanauer und -Steinheimer Bürger: eine Jury aus Vertretern des Investors, der Stadt Hanau, des Ortsbeirates Steinheim und des Architektenbüros Rathke wählte vier Namensvorschläge aus; Rondo Steinheim ging als Sieger aus der anschliessenden Abstimmung hervor.

Gelnhausen bekommt ein Outlet-Center

Innenatmosphäre des geplanten Barbarossa City Outlets - CAD-Studie: Blocher Blocher Partners, Stuttgart


Gelnhausen, 24.6.2016 - Lange zogen sich die Verhandlungen zwischen der Stadt und verschiedenen Investoren über ein innerstädtisches Outlet-Center in Gelnhausen hin. 

Nun ist klar: im früheren Kaufhaus Joh sowie einem angrenzenden Gebäude entsteht ein Outlet-Center mit 50-60 Geschäften - jedes davon wird für eine einzelne Marke stehen.

Wie bei solchen Outlets üblich, werden dort ab Frühjahr 2018 Ware der letzten Saison, B-Ware oder Rückläufer angeboten. 

Die Freude bei den Händlern der Innenstadt über die geplante Neuansiedlung hält sich verständlicherweise in überschaubaren Grenzen; wenn ein solches innenstadtnahes Outlet-Center auch ein Novum im hessischen Einzelhandel darstellt. 

So hoffen denn sowohl Bürgermeister Thorsten Stolz (SPD) als auch der Wilhelmshavener Investor Jan D. Leuze, dass das in fussläufiger Entfernung von der Innenstadt geplante „Barbarossa City Outlet“ vom regen Kunden- und Passantenaustausch mit der Innenstadt profitieren wird - und umgekehrt. 

Wie bei solchen Projekten üblich, wird die Zukunft aller Beteiligter in den rosigsten Farben geschildert; Vorteile und win-win-Situationen, wohin man blickt. 

Die Realität sieht häufig anders aus. Outlet-Center sprechen schon aufgrund ihres Konzepts überwiegend Schnäppchenjäger an, die z.T. auch gerne mit Reisebussen zum Shoppen angekarrt werden. Ob dann nach der Power-Shopping-Tour im Outlet-Center diese Kunden noch Lust, Musse und Geld für einen Abstecher in die Innenstadt haben, ist fraglich. 

Bürgermeister Stolz berichtet davon, dass bis zu seiner Schliessung im September 2013 das damalige Kaufhaus Joh bis zu 20.000 Besucher am Tag angezogen habe. Diese fehlten der Innenstadt in der Folge. So entschloss man sich an der Stadtspitze, in der Zwangsversteigerung des alten Kaufhaus-Gebäudes mitzubieten und erhielt im vergangenen Jahr auch für rd. 2,15 Mio. Euro den Zuschlag - und verkaufte an den Investor aus Norddeutschland weiter.

Der gibt sich hingegen pragmatisch. Auf der grünen Wiese würden keine neuen Ladenzentren mehr genehmigt - also verfolge er den Plan eines innerstädtischen Outlet-Centers. Als Einzugsgebiet sehe er den Umkreis von einer Stunde Fahrzeit - also von Fulda bis in den Osten Frankfurts. Bei der Ausstattung des Barbarossa-Centers will sich Leuze an modernen Einkaufszentren orientieren: Parkplätze, Restaurants und Imbisse - zur Kinzig hin ausgerichtet, einladende Einkaufsatmosphäre und Spielflächen für die Kleinen. Das kennen wir bereits von anderen innenstadtnahen Einkaufszentren - der Austausch mit dem historischen Zentrum Gelnhausens dürfte deshalb deutlich unter den optimistischen Erwartungen bleiben - aber das kann Leuze letztendlich für den Erfolg seines Projekts auch egal sein.

Publikums-Designmesse Blickfang in Hamburg ab sofort im September

Blickfang Hamburg 2015 - 

Quelle: blickfang GmbH, Stuttgart





Stuttgart, 23.6.2016 - Wie die Stuttgarter blickfang GmbH in einer Pressemitteilung berichtet, findet die Hamburger Version der Publikumsmesse Blickfang ab diesem Herbst bereits zwei Monate früher statt. 

Vom 9.-11. September können sich die Hamburger Liebhaber guten Designs also bereits zum fünften Mal von den rd. 150 Ausstellern und deren Angebot inspirieren lassen und ihre Lieblingsstücke auch gleich vor Ort erwerben. Nicht immer die angenehmste Vorstellung für die örtlichen Einzelhändler - für die Besucher öffnet sich jedoch ein branchenübergreifender Kosmos von Mode, Interieur / Wohndesign über Haushaltswaren bis hin zu Schmuck - puristisch, klar, tolle Materialien - und: in herausragendem Design.

Die Messe ist kuratiert - so wird „Wildwuchs“ unter den Ausstellern vorgebeugt und die Ausstellung bleibt auch über Jahre hinweg spannend. 

„Design bedeutet ein versiertes Auge, hohes Qualitätsverständnis und nicht zuletzt der Wille, der Welt eine neue Form zu geben. Darauf achtet die Jury, die die blickfang-Aussteller auswählt“,

erklärt blickfang-Geschäftsführerin Jennifer Reaves. 

So kamen im Jahr 2015 rd. 11.200 Besucher in die Messehallen am Hamburger Deichtor - und das an einem Wochenende.

Auch 2015 wurde im Einzelhandel wieder mehr geklaut

Köln, 22.6.2016 - Die deutschen Einzelhändler mussten auch im vergangenen Jahr 2015 erhebliche Einbussen durch kundenbedingte Ladendiebstähle hinnehmen. 

Das Kölner Handelsinstitut EHI sieht eine Zunahme im Vergleich zu 2014 um 100 Mio. Euro auf über 2 Mrd. Euro. Nicht zuletzt seien organisierte Bandendiebstähle für diese Entwicklung zuständig (deren prozentualer Anteil von rd. 25% belief sich auf ca. 250 Mio. Euro Warenwert). Die Inventurdifferenzen insgesamt summierten sich auf rd. 4 Mrd. Euro. Hierunter fallen die erwähnten Ladendiebstähle (ca. 55 Prozent), Mitarbeiterdiebstähle (rd. 810 Mio. Euro), Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte; 640 Mio. Euro seien organisatorischen Mängeln geschuldet. 


Durchschnittlich beläuft sich die Inventurdifferenz auf 1 Prozent vom Umsatz; bei den im Einzelhandel üblichen Margen kein Pappenstiel. Dazu kommen Gegenmassnahmen des Handels durch Investitionen in präventive Massnahmen - Personal wie Technik (1,3 Mrd. Euro - Kameraüberwachung ist der Renner)- in Summe also 5,3 Mrd. Euro. 


400.000 Fälle wurden in 2015 bei der Polizei aktenkundig; eine Steigerung von 7 Prozent gegenüber 2014. Allerdings muss die hohe Dunkelziffer von rd. 98 Prozent bei Ladendiebstählen berücksichtigt werden. Experten schätzen deshalb die Zahl der Ladendiebstähle auf rd. 26 Mio im durchschnittlichen Wert von immerhin 86 Euro.


Besonders beliebt bei den Dieben waren:

Lebensmittelhandel

  • Parfums
  • Kosmetika
  • Rasierklingen
  • Tabakwaren
  • Spirituosen
  • Wein und Sekt
  • Zeitschriften
  • Kaffee
  • Babynahrung

Bekleidungshandel

  • Gürtel und Tücher
  • hochwertige DOB
  • Funktionskleidung

Elektronik

  • Tonträger
  • Smartphones und Zubehör
  • Speicherkarten
  • Druckerpatronen
  • Elektrokleingeräte

Baumärkte

  • Akku-Schrauber
  • Werkzeuge
  • LED-Leuchtmittel

Commerzbank wird digital - Schwarmkredite und Fintechs als neues Geschäftsmodell?

Frankfurt am Main, 21.6.2016 - Die seit der Finanzkrise immer noch teilverstaatlichte Commerzbank AG sourct ab nächster Woche einen Teil der Kredite ihrer Mittelstandskunden aus. 

So berichtet die FAZ v. 22.6.2016, dass Kreditanfragen zwischen 200.000 und 10 Mio Euro, denen die Comba nicht selbst entsprechen wolle, an alternative professionelle Investoren weitergeleitet würden. Die FAZ spricht in diesem Zusammenhang von Schwarmkrediten. 

Vermittelt werden diese Kredite online über das Commerzbank-Firmenkundenportal; dazu wird die Crowdfundingplattform „Main Funders“ aufgeschaltet. Entwickelt wurde das Portal durch das indische Finanz-Startup Accelere, begleitet und verbessert durch Fintechs des Main Incubator, einer Comba-Tochter, die sich an Fintechs beteiligt und diesen räumliche und personelle Ressourcen zur Verfügung stellt.

Der Kunde hat hier sein gewünschtes Kreditvolumen und den Verwendungszweck genau zu umreissen. Die Prüfung des Antrags findet durch die Commerzbank statt; sie nimmt die Projekt- und Bonitätsprüfung vor, erstellt die Kreditkonditionen und stellt das Projekt dann auf „Main Funders“, wo die beteiligten Investoren das Projekt einschätzen und sich an dessen Finanzierung beteiligen können. 

Das Projekt, das am Dienstag durch die Commerzbank-Managerin und Direktorin von Main Incubator, Birgit Storz, der Fachöffentlichkeit vorgestellt wurde, mag auf den ersten Blick an vergleichbare Plattformen wie Funding Circle, Lending Club oder Auxmoney erinnern. „Main Funders“ sähe jedoch im Gegensatz zu diesen nur institutionelle Investoren wie Versicherungsunternehmen und Pensionskassen vor. Gedacht sei die neue Plattform denn auch ausschliesslich für bereits bestehende Firmenkundenverbindungen der Commerzbank. 

Anstösse zur Implementierung des geplanten Outsourcings über „Main Funders“ sind  u.a. 

  • die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken zur Besicherung von Krediten
  • die Abkopplung des Comba-Mittelstandsgeschäfts vom Zinsniveau (feste Provision statt Zinsen durch Kreditnehmer und Investoren)
  • der Wunsch vieler Unternehmen, sich nicht mehr nur von einem Kreditgeber abhängig zu machen
  • die Suche institutioneller Investoren nach neuen Kapitalanlage-Alternativen

Für die Commerzbank ist dieser Neustart in die digitale Ära des Bankings mehr als spannend. Sie zeigt sich gegenüber ihren Wettbewerbern als innovativ und kreativ und schafft sich mit Main Incubator eine Innovationsschmiede, wie man sie ansonsten vielleicht nur im Silicon Valley vermuten würde. Respekt vor dieser Entwicklung - bereits aktuell hält die Bank Minderheitsbeteiligungen an sechs Fintechs - wir dürfen auf künftige Neuigkeiten aus dem Foster-Hochhaus gespannt sein.

BEVH: Aus- und Fortbildung im Digitalen Handel muss im Mittelpunkt stehen

Berlin, 22.6.2016 - Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) veranstaltete am 16. Juni seinen ersten Fachkräftetag. In dessen Zentrum standen Diskussionen um die Gewinnung neuer Mitarbeiter im Digitalen Handel und um deren Aus-, Fort- und Weiterbildung. Gemeinsam mit dem BEVH diskutierten sowohl Experten auf dem Feld der „Neuen Arbeit“ wie auch Personalverantwortliche.  

BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer:

„Der Online- und Versandhandel ist eine zunehmend attraktive Branche für Beschäftigte. Die weitere Richtung ist klar: ‚Neue Arbeit’ trifft bei uns auf neugierige und sich ständig verändernde Unternehmen, in denen Kompetenzen wichtiger als Formalismen und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten die Alternative zu starren Hierarchien sind. In Hinblick auf die bisher stark unterentwickelten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für den E-Commerce bleibt aber noch viel zu tun“.

So ist der BEVH sicherlich seit nunmehr vier Jahren der wichtigste Motivator des geplanten Ausbildungsberufs „Kaufleute im E-Commerce“, der 2018 mit den ersten Auszubildenden starten soll. Auf dem Fachkräftetag wurde jedoch auch deutlich, dass die Bundesrepublik nicht nur bei den praktisch orientierten Aus-, Fort- und Weiterbildungen im E-Commerce international den Anschluss zu verlieren droht. So böten denn auch leider nur knapp 12 Prozent der deutschen Universitäten und Hochschulen Schwerpunkte im Bereich Digitalisierung an.

„E-Commerce ist mehr als Einzelhandel im Internet. Es ist neuer Handel, der die Wertschöpfungsstufen von der Fertigung über den Groß- bis zum Einzelhandel umfasst und neu gestaltet. Der Fachkräftetag hat daher gezeigt, dass eine Ausbildung für E-Commerce-Kaufleute nur der Anfang ist. Denn wer das neue Berufsbild und die Kompetenzen beschreibt, stößt sofort auf die Veränderungen in der Arbeitsorganisation: Wir brauchen Fachkräfte für Wandel und müssen den Mut haben, auch in den Unternehmen neue Wege zu gehen“

 betonte Martin Groß-Albenhausen, stellv. BEVH-Hauptgeschäftsführer. 

One-Day-Delivery für den Handel aus Frankfurt


Frankfurt am Main, 21.6.2016 - Bestellungen im Online-Shop - natürlich sehr bequem; von der Couch aus mal schnell eine neue Handtasche oder die schnelle Festplatte für den Computer geordert; so weit - so gut. Aber vielfach warten Sie jetzt 1,2,3 oder mehr Tage auf Ihre Lieferung. 

Für viele Händler und Konsumenten ein unbefriedigender Zustand. Gut, Experimente mit Drohnen wie bei Amazon oder verschiedenen Paketdiensten weisen auf eine gut gefüllte „Portokasse“ dieser Unternehmen hin; es geht aber auch ein paar Nummern kleiner. 

Osiander, der familiengeführte schwäbische Buchhändler mit aktuell 36 Filialen in Süddeutschland, bietet in sechs Städten Auslieferungen per Fahrradkurier an - schnell, günstig, umweltschonend. 

Ein ähnlich umweltschonendes, jedoch (Online)-händlerunabhängiges Modell baut gerade das Frankfurter Startup „Liefery“ auf: „Same Day Delivery“ heisst der Anspruch der Liefer Factory GmbH mit zentral gelegenem Firmensitz im Frankfurter Bahnhofsviertel. 

Seit drei Jahren arbeiten Nils Fischer und Jan Onnenberg, die beiden Geschäftsführer schon an ihrer Mission. Und mittlerweile werden sie dabei von rd. 100 Beschäftigten unterstützt - Tendenz steigend. Im laufenden Jahr 2016 will das Unternehmen weitere 300 Arbeitsplätze schaffen, in vielen deutschen Grossstädten von Hamburg, Berlin, Hannover, Essen über Frankfurt bis nach München. 

„Same Day Delivery“, also die Lieferung von online oder bei stationären Händlern gekauften Waren am gleichen Tag (oder zum Wunschtermin des Kunden) wird die Handelswelt nochmals stark aufmischen. Vorteil: auch rein stationäre oder Hybrid-Händler können von dieser Entwicklung profitieren. 

Liefery konnte in der kurzen Unternehmensgeschichte schon namhafte Kunden gewinnen. Amazon und Zalando zählen genauso hierzu wie zahlreiche andere Online-Händler, Filialisten (Sport Scheck, Media Markt, Jacques’ Weindepot) oder gar Wettbewerber. Der Schraubenhersteller Würth lässt Material und Ersatzteile zum Teil direkt auf Baustellen liefern. 

Bequemlichkeit geht dabei vor Schnelligkeit, schätzt Nils Fischer in einem Unternehmensportrait der FAZ (Menschen & Wirtschaft. Das Lächeln gehört zum Geschäft, 20.6.2016, Nr. 141, S. 26) die Motivation seiner Kundschaft ein. Es ginge um ein positives und persönliches Zustellverhältnis - im Gegensatz zur gängigen Praxis der klassischen Paketdienste, die ja bekanntlich häufig den Klingelknopf des Empfängers nicht finden und dann gerne Sendungen bei Nachbarn oder gleich im Abholzentrum deponieren. 

Liefery hingegen verpflichtet sich, die Ware nach Bestellung in spätestens 90 Minuten beim Empfänger abzuliefern, bzw. zu dessen Wunschtermin, z.B. abends zwischen 19-21 Uhr. 

10 Prozent der Fahrer sind direkt bei Liefery beschäftigt, darüber hinaus werden Kurierdienste oder selbständige Kuriere beauftragt. Das so geknüpfte Netz umfasst rd. 2.500 Auslieferer in 70 Städten bundesweit. 

Das Geschäftsmodell hat gegenüber klassischen Kurier- oder Logistikunternehmen jedoch noch einen ganz anderen Vorteil: es ist sehr flexibel. Liefery stellt Händlern wie Fahrern nämlich eine Internet-Plattform, ergänzt durch Apps, zur Verfügung, über die beide wie auf einem Marktplatz ins Geschäft kommen. 

Dabei spielt Liefery keinesfalls den Preisbrecher am Markt - die Dienstleistung will bezahlt sein. Der FAZ-Autor Martin Gropp führt als Preisbeispiel eine Fahrt vom Frankfurter Osten in den Westen der Stadt auf - Euro 8,85 werden hierfür von Liefery abgerechnet. Aber vielleicht lässt sich auf diese Weise ein guter Kunde halten und zufriedenstellen? 

Im Februar 2016 wurden denn auch erstmals mehr als 100.000 Sendungen transportiert (zum Vergleich - 2015 lieferte die Deutsche Post mehr als 1,1 Mrd. Päckchen und Pakete in Deutschland aus). Trotzdem, die Liefery-Gründer und deren Investoren (darunter Hermes) sind zufrieden und sponsern das stark wachsende, aber noch defizitäre Unternehmen mit weiterhin sehr positiven Erwartungen.

Bundeskartellamt-Chef warnt vor weiterer Konzentration im Lebensmittelhandel


Andreas Mundt - 

Quelle: Bundeskartellamt


Berlin, 19.6.2016 - Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, warnte vor einer weiteren Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel. Hintergrund sei die geplante Übernahme der Supermarktkette Coop durch Rewe, den Kölner Branchenzweiten. Mundt dazu in einem längeren Interview im Berliner Tagesspiegel am vergangenen Wochenende, der Markt sei bereits „hoch konzentriert“.




„Vier große Ketten (Edeka, Rewe, Aldi, Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) - MB) teilen sich mittlerweile über 85 Prozent des gesamten deutschen Beschaffungsmarktes und sind auch auf den regionalen Absatzmärkten sehr stark. Zudem haben wir schon den nächsten Fall auf dem Tisch. Rewe möchte die Mehrheit an der Coop übernehmen. Wir werden uns wie bei Edeka/Kaiser’s Tengelmann auch hier die betroffenen regionalen Märkte ansehen“.

Das komplette Interview mit Andreas Mundt können Sie hier nachlesen.

Ver.di - Amazon wird wieder bestreikt

Streikende vor dem Amazon-Versandzentrum Bad Hersfeld (Quelle: Osthessen-News)


Bad Hersfeld/Rheinberg/Werne, 20.6.2016 - Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat die Mitarbeiter in den Amazon-Versandhandelszentren Rheinberg und Werne erneut zum Streik aufgerufen. 

Der Ausstand begann mit der montäglichen Frühschicht und soll bis zum Ende des Spätdienstes am Dienstag dauern, so ver.di in einer Pressemitteilung.

Tim Schmidt, ver.di-Sprecher, verlangte, dass Amazon sich endlich mit der Gewerkschaft an einen Tisch setzen solle. 

Zuletzt folgten dem Aufruf in Werne rd. 500 Amazon-Mitarbeiter. Ein Unternehmenssprecher von Amazon konnte zur aktuellen Beteiligung an den Streiks noch keine Zahlen nennen - auch vom Ausstand in Rheinberg wisse man noch nichts.

Erfahrungsgemäss seien es jedoch nur sehr wenige Beschäftigte, die dem Streikaufruf ver.dis folgten; Lieferzeiten seien nicht gefährdet. 

Seit Jahren geht es in dem immer wieder aufflammenden Konflikt zwischen ver.di und dem Online-Händler um die Einstufung der Amazon-Beschäftigten in den Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Hier würden dann den Mitarbeitern bspw. 30 bezahlte Urlaubstage gewährt sowie ein Urlaubsgeld von zur Zeit 1.212 Euro.

Die Webseite Osthessen-News zitiert in diesem Zusammenhang die für Bad Hersfeld zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke:

„Jeder Tag mehr an Erholungsurlaub ist bei der körperlich sehr belastenden Arbeit wichtig und dient der Gesundheit. Amazon Beschäftigte wollen sich in ihrem Urlaub auch etwas leisten können und habe ein Urlaubsgeld verdient. Ein 'Tapetenwechsel' in Form einer Urlaubsreise sollte drin sein. Bei dem monatlichen Verdienst, der für die langjährig beschäftigten Versandmitarbeiter in Bad Hersfeld bei 2.000 Euro Brutto liegt, ist es kaum möglich, für eine Urlaubsreise etwas zurückzulegen“.

Bislang lehnt Amazon dieses Verhandlungen mit ver.di ab und entlohnt seine Leute nach den für diese ungünstigeren Bedingungen der Logistikbranche. Dennoch lägen die Löhne laut Amazon am oberen Ende der branchenüblichen Skala.

Handelsblatt-Studie - Deutschlands beste Händler

Düsseldorf, 19.6.2016 - Das Marktforschungsunternehmen Servicevalue führte im Auftrag des Handelsblatts eine repräsentative Umfrage unter aktiven Kunden durch. Ergebnis: im stationären Bereich macht die Drogeriekette dm das Rennen; online hat Amazon die Nase vorn. Jeder Händler wurde 1.000 Kunden vorgelegt.

Konkret bekamen die Befragten folgendes Item zur Beantwortung: 

„Wenn Sie alle Ihre Erwartungen und Erfahrungen aus den letzten 12 Monaten zusammenfassen, wie bewerten Sie insgesamt folgende (Online-)Händler in Bezug auf die anderen (Online-)Händler der gleichen Branche? 

Um die Umfrage so nah wie möglich an der Praxiserfahrung zu halten, gingen nur die Aussagen von Kunden ein, die in den vergangenen zwölf Monaten auch tatsächlich bei dem Händler gekauft hatten."

Aus diesen Kundenbefragungen wurden rd. 1,1 Mio. Einzelurteile in mehr als 60 verschiedenen Handelskategorien gewonnen - und jeweils der stationäre und Online-Champion gekürt.

Das ausführliche Ranking finden Sie im Handelsblatt.

Tchibo - Ende eines Erfolgsmodells?

Hamburg, 16.6.2016 - Manchmal muss man sich doch die Augen reiben: das Erfolgsmodell Tchibo, also Unterwäsche, Bohrmaschinen und dazu etwas Kaffee unter einem Filialdach, schwächelt. 2015 gab es einen - wenn auch leichten - Umsatzrückgang von 3,38 auf 3,36 Mrd. Euro. Grund hierfür seien das schwächere Geschäft bei Gebrauchsartikeln sowie eine geringere Kundenfrequenz in den Filialen. 

Dramatischer lesen sich jedoch die Zahlen beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit): er schmolz von 191 Mio. Euro im Jahr 2014 auf jetzt 34 Mio. Euro. Alles halb so schlimm, so die Erläuterungen zu dieser Entwicklung. Investitionen in Innovationen sowie einmalige Aufwendungen für Restrukturierungen seien die Ursache des eingebrochenen Gewinns.

Parallel gab es laut der Holding Maxingvest (in ihr sind die Beteiligungen eines Teils der Hamburger Herz-Familie zusammengefasst - 100% an Tchibo, mehr als 50% an Beiersdorf) eine steigende Nachfrage nach dem Kernprodukt Kaffee und beim Online-Geschäft.

Und auch das laufende erste Halbjahr 2016 verspricht wieder einen stabilen Umsatz und wachsende Gewinne - also: auf zu Tchibo, den neuen Mobilfunkvertrag abschliessen.

Alibaba-Chef Jack Ma: Plagiate sind oft besser als Originale

Hangzhou, 15.6.2016 - Jack Ma wird seinem Ruf als Provokateur mal wieder voll und ganz gerecht: anlässlich des an seinem Firmensitz stattfindenden „Investor Day“ lobt er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg chinesische Produktfälscher. Deren Plagiate seien häufig besser als die teuren Originale der bekannten internationalen Marken. 

Allerdings bestätigt der Chef des grössten chinesischen Online-Händlers - dessen Internet-Plattform „Taobao“ nach Schätzungen der chinesischen Aufsichtsbehörde selbst mehr als 50% Plagiate enthält - nur Befürchtungen, die westliche Produzenten schon lange hegen. 

So werden häufig auf den gleichen Produktionslinien sowohl Originale wie Fälschungen hergestellt, i.d.R. unter anderem Namen (“Copycat“) - aber in vergleichbarer oder sogar besserer Qualität. 

Allerdings wagen sich die dreistesten Fälscher auch an 1:1-Kopien heran - so sei es denn ein Leichtes, diese deutlich günstiger als die Vorbilder zu verkaufen, auch über Alibaba. Gleichzeitig werde der Kampf gegen dieses Produktpiraten aber auch immer schwieriger, wenngleich Alibaba nach wie vor die Online-Plattform sei, die am heftigsten gegen Produktpiraterie kämpfe - allein in seinem Unternehmen seien 2.000 Mitarbeiter mit diesem Problem befasst. Nur publicityträchtige Krokodilstränen Mas?

Ma legt mit seinen Äusserungen aber auch ein Grundübel der aktuellen internationalen Arbeitsteilung offen: durch die Verlagerung ihrer Kernproduktion nach China und in andere Billiglohnländer verlieren die westlichen Markenhersteller die Kontrolle über ihre Logistikkette. 

Läuft es gut, lassen sich durch diese stark ungleichgewichtigen Terms of Trade die uns allen bekannten, teils gigantischen Margen erzielen. Nur - weder die Produzenten in Fernost noch die Einzelhändler im Westen profitieren von diesem Zustand - der „Surplus“ verschwindet zum grössten Teil in den Kassen der Markenhersteller - und taucht für alle sichtbar in Form der innerstädtischen Mono-Brand-Stores wieder auf.

Also vielleicht doch ein Weckruf für internationale Markenhersteller, ihr gängiges Geschäftsmodell zu überdenken?

Auch das Wall Street Journal befasst sich umfassend mit diesem Thema...

"Fashion Future" - Studie über die Zukunft des deutschen Modehandels

Köln, 15.6.2016 - In einer kürzlich vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in Zusammenarbeit mit der BBE Handelsberatung und der Unternehmensberatung Elaboratum veröffentlichten Studie wird die Zukunft des deutschen Bekleidungshandels in düsteren Farben ausgemalt. 

Zwei Trends stehen im Mittelpunkt: Digitalisierung und Vertikalisierung. 

Die Online-Umsätze im Modehandel nehmen kontinuierlich zu; v.a. Anbieter wie Amazon, Otto oder Zalando profitieren hiervon. 

Vertikalisierte Unternehmen hingegen, also solche, die vom Design der Mode über deren Herstellung, Vermarktung und schliesslich den Vertrieb in eigenen Läden die komplette Wertschöpfungskette in einer Hand halten, stehen für das Erscheinungsbild der innerstädtischen Fussgängerzonen und Einkaufszentren - H & M, Zara oder Primark als bedeutende Spieler. 

Dazu kommen Monomarken-Stores grosser Hersteller - eine vertrackte Gemengelage für den traditionellen Mode-Fachhandel. Hatte dieser im Jahr 2000 noch einen Marktanteil von 56 Prozent, sind es heute lediglich noch 37 Prozent. Im  Vergleichszeitraum steigerte sich der Anteil der Online-Umsätze von 0,2 auf jetzt 20 Prozent. Ebenfalls im gleichen Zeitraum konnten die „Vertikalisten“ ihren Marktanteil von 16 auf 23 Prozent ausbauen. 

In Hersteller-Outlets wie jenen von Esprit oder Marc O’Polo kaufen die Kunden rd. 9 Prozent der Bekleidung, im Basisjahr 2000 rd. 1 Prozent. 

Das Internet leistet jedoch auch im Vorfeld des späteren Einkaufs im Laden wichtige Unterstützung: ein Viertel der später gemachten Umsätze werden hier vorbereitet. 

Für die Studie wurden im November 2015 2.125 repräsentativ ausgewählte deutsche Fashion-Einkäufer

„zu ihrer Wahrnehmung und Bewertung von 20 besonders relevanten Anbietern sowie zu potenziell zukunftsweisenden Trends befragt. Ihre Antworten geben tiefe Einblicke in die Stärken der verschiedenen Vertriebsformen und das Spannungsfeld, in dem der traditionelle Modehandel derzeit agiert“. 

Als „Top-Ergebnisse“ der Studie listen die Autoren u.a. auf: Jede Betriebsform habe ihre eigenen Stärken und Daseinsberechtigung. So profitierten die Markenhersteller mit eigenen Showrooms von guten Noten hinsichtlich der Attraktivität ihrer Mode und böten Kunden ein grosses Orientierungs- und Identifizierungspotential. Das erreichten sie durch die Inszenierung von Markenwelten und deren Aufladen mit Werten. Allerdings dürften diese die Digitalisierungstrends nicht vernachlässigen, wiederum eine deutliche Stärke der Onlinehändler. 

Hier schätzten die Kunden v.a. die hohe Verfügbarkeit der Waren und die persönliche Ansprache und Interaktion (via Newsletter oder Social Media) - eigentlich eine der Kernkompetenzen des klassischen Fachhandels. Diese Aspekte der Wertschätzung für die Online-Händler dürften sich künftig durch schnellere Auslieferungen an die Kunden noch manifestieren - nicht nur Amazon plant in absehbarer Zeit „One-Day-Delivery“.

Vertikalisten wiederum trumpften mit einem "als hervorragend wahrgenommene(n) Preis-Leistungs-Verhältnis“ auf - und sprächen so auch viele Jugendliche „Fashion Addicts“ an, die aus gemeinsamen Shopping-Touren kleine Events kreieren. 

Traditionelle Händler wie Peek & Cloppenburg oder Galeria Kaufhof werden in der Studie als positive Beispiele für deren Adaption an die hohen Standards im Online-Handel identifiziert. Schnelle Lieferzeiten, Kulanz bei Retouren und das Nutzen von Cross-Channel-Optionen - auch über deren Filialnetz - stünden im Vordergrund. 

Und was kann nun der klassische Handel aus der Studie lernen? 

Traditionelle Geschäftsmodelle im Handel seien im Hinblick auf die Trends Vertikalisierung und Digitalisierung zu schärfen sowie eigene Profilierungsmöglichkeiten zu suchen ("Kundenbindung, Digitalisierung des Point of Sale, individuelle Beratung sowie Eigenmarkenstrategie, (…) Aufbau von Cross-Channel-Systemen …“). Markenorientierte Kunde spielten dem Fachhandel hierbei in die Karten: 

"Diese haben eine hohe Markenaffinität und ein geringes Preisbewusstsein, sind dafür aber auch besonders anspruchsvoll. Deutlich wichtiger als preisorientierten Shoppern sind ihnen gute Beratung im Ladengeschäft, Aktualität der Mode und Markeninszenierung“.

Karstadt schaut positiver auf 2016

Essen, 14.6.2016 - Überraschend hebt der Handelskonzern Karstadt seine Umsatzprognose für 2016 um einen zweistelligen Millionenbetrag an - wie das Handelsblatt aus einer der dpa vorliegenden Karstadt-Mitarbeiterinformation berichtet. Parallel dazu die Nachricht, dass Sanierungsprogramm „Fokus" im Konzern sei zu 99% umgesetzt - so der Konzern-Vertriebschef Thomas Wanke. Das Umsatzwachstum wird dem überdurchschnittlich gut laufenden Jubiläumsgeschäft zugerechnet - Karstadt feiert sein 135-jähriges Bestehen. Die ersten 14 Aktionstage lagen demnach um mehr als 10% über den Planungen.

Amazon wieder wertvollste Handelsmarke der Welt

Berlin, 13.6.2016 - Auch im laufenden Jahr bleibt Amazon die wertvollste Handelsmarke der Welt; deren Wert wird mit 99 Mrd. US-$ beziffert; das entspricht einer Steigerung von 59% im Vergleich zum Vorjahr, wie das Handelsjournal berichtet. Basis der Einstufungen sind Zahlen des internationalen Marktforschungsunternehmens Millward Brown. Auf Platz 2 folgt mit rd. der Hälfte des Wertes Alibaba aus China (-26% zum Vorjahr). IKEA nimmt Rang 5 ein und kommt auf ca. 18 Mrd. US-$ Markenwert (+6%). ALDI ist deutscher Top-Ranker auf Platz 8 - rd. 12 Mrd. US-$ (+4%); dessen Wettbewerber Lidl rangiert auf Platz 19 mit ca. 6,8 Mrd (+14% im Jahresvergleich).

Neuaufstellung der Frankfurter TENDENCE ab 2017

Frankfurt, 13.6.2016 - Bis vor nicht allzu langer Zeit galt die Frankfurter Herbstmesse, die TENDENCE, analog zur AMBIENTE im Frühjahr, als internationale Leitmesse im Segment Konsumgüter. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Einige Eckdaten: Um die Jahrtausendwende präsentierten sich noch mehr als 5.000 nationale und internationale Aussteller, 2006 dann noch etwas mehr als 3.200 (aus 117 Ländern bei 80.000 Besuchern) und im vergangenen Jahr waren es dann noch gut 1.000 Aussteller (bei 30.000 Messebesuchern). 

Wieder einmal alles auf Neu - Frankfurter Herbstmesse TENDENCE 2017

Torhaus der Frankfurter Messe

Jetzt bestreitet wohl kaum ein Branchenbeobachter, dass sich die Rahmenbedingungen im internationalen Messegeschäft in den vergangenen Jahren drastisch verändert haben. Neben der Frankfurter Herbstmesse TENDENCE bemühen sich die Pariser Maison & Objet, die Mailänder Macef, die Autumn Fair Birmingham sowie weitere internationale Ausstellungen in Europa und Übersee in den Monaten August und September um die Gunst der Aussteller und Besucher - im Inland laufen parallel zu dieser Entwicklung v.a. die Regionalmessen in München (TrendSet) sowie die Nordstil in Hamburg (übrigens inzwischen auch unter Frankfurter Führung) zu neuer Höchstform auf.

Jetzt also endlich eine Frischzellenkur für die älteste Konsumgütermesse der Welt, die Frankfurter Herbstmesse - die TENDENCE.

Lag deren Messetermin traditionell im Zeitraum Ende August/Anfang September (2016: 27.-30.8.2016), so wird dieser ab 2017 um gut zwei Monate vorgezogen (24.6.-27.6.2017 / 30.6.-3.7.2018 / 29.6.-2.7.2019).

Somit reihten sich alle wichtigen Herbstmessen terminlich hinter den neuen TENDENCE-Auftritten ein - ein cleverer Schachzug. In der heutigen Pressemitteilung der Messe Frankfurt dazu Stephan Kurzawski, Geschäftsleitung Messe Frankfurt Exhibition: 

 „Mit neuer konzeptioneller und personeller Ausstattung sowie vorgezogenem Termin bieten wir der Branche die Chance, die Tendence für Aussteller und Besucher wieder zu einem echten Muss zu machen. Die Tendence ist eine der grossen Herausforderungen in der deutschen und europäischen Messelandschaft. Wir sind jetzt aber gut aufgestellt, um in einer Konsumgüterbranche, die seit Jahren einem gravierenden Strukturwandel - national wie international - unterzogen ist, wieder zu reüssieren.“

Das bleibt den Messeverantwortlichen wie auch Ausstellern und uns Besuchern zu wünschen; allein - da schleicht sich die ungute Erinnerung an eine frühere Vorverlegung des herbstlichen Messetermins ein - bereits 2008 und 2009 unternahm die Messe Frankfurt den Versuch, die damals COLLECTIONE genannte Messe auf einen Termin Anfang Juli zu verlegen - die klassische TENDENCE fand in diesem Zeitraum nicht statt.

Die Erfahrungen mit der COLLECTIONE waren von allen Seiten betrachtet schlecht bis verheerend - v.a. die Händler in der Grossfläche sollten damals durch den vorgezogenen Messetermin erweiterte Möglichkeiten des Übersee-Sourcings ihrer Ware für Herbst- und Weihnachtsgeschäft bzw. für Frühjahr und Sommer des Folgejahres bekommen. „Big Player“ dieses Kalibers besuchen jedoch schon lange die entsprechenden Einkaufsmessen vor Ort, also in erster Linie in China, Hongkong oder Taiwan. Für die immer noch vielen verbliebenen kleinen (Fach-)Händler kam der vorgezogene Frankfurter Messetermin jedoch deutlich zu früh - in der sommerlichen Flaute denkt es sich schlecht über’s Weihnachtsgeschäft nach und kauft sich noch viel schlechter dafür ein.

Aber zurück zur „neuen“ TENDENCE: Neben vorgezogenem Termin sollen „bestehende(.) Produktbereiche (ausgebaut sowie neue arrondiert werden).“ Ferner soll wieder an die Bedürfnisse des „grossvolumigen internationalen Handel(s)“ angeknüpft werden - Stichwort s.o.: COLLECTIONE.

Nähere Informationen zur Neukonzeption der Herbstmesse Frankfurt sind auf der diesjährigen TENDENCE zu erwarten - viel Gezerre rund um die Herbstmesse kann sich die Messe Frankfurt auf jeden Fall nicht mehr erlauben - wir sind gespannt.

Der deutsche Sportartikelhandel im Jahr von EM und Olympiade

Frankfurt am Main, 11.6.2016 - In ihrer aktuellen Ausgabe 6/2016 greift die Fachzeitschrift „Der Handel“ ein Thema auf, dass nicht nur im Segment des Sportartikelhandels für Verstimmung bei der etablierten Händlerschaft sorgt: mit Outlets, Monomarken-, Flagship- oder Hersteller-Stores konkurrenzieren Hersteller ihre Fachhändler und untergraben somit deren Überlebenschancen. Selbstredend gilt dies analog für Markenshops im Internet. 

So wird der Intersport-Chef Kim Roether im Artikel „Mehr als nur Bewegung“ anlässlich der Internationalen Sportartikelmessse 2015 in München mit den Worten zitiert: „Es kann nicht sein, dass grosse Lieferanten durch Outlets und eigene Onlineaktivitäten ihren Kunden die Butter vom Brot nehmen und dann noch erwarten, dass applaudiert wird“ - auch die Händlerinnen und Händler aus dem GPK-Bereich könnten hier ein Liedchen von singen. 

Bleiben wir aber beim Sport: ganz klar verändern die Lieferanten ihre Einkaufsbedingungen zuungunsten der Händlerschaft. So werden bspw. Skonti reduziert und Vororder-Konditionen zurückgefahren. Traditionell gewährte Vergünstigungen werden einkassiert, ein eher angelsächsisch orientierter Verhandlungsstil hält Einzug.

Dabei bedient sich natürlich nicht nur der fränkische Ausrüster Adidas dieser den Handel verschnupfenden Massnahmen - dieser dafür aber sehr nachhaltig: das Ziel, in absehbarer Zeit Nike als Weltmarktführer abzulösen, ist auch vom neuen Vorstandschef Kasper Rorstedt gesetzt. Und vertrieblich legt Adidas noch ein, zwei Schippen drauf: zum einen werden zwar die bundesweit zwölf eigenen neo-Stores geschlossen; super-hippe Lifestyle-Outlets, die voll und ganz auf die Generation „Sneaker“ setzen - zum anderen wird die Strategie des direkten Vertriebs an die Endkunden aber im Onlinebereich gefestigt: Adidas ist seit November 2015 Mitglied im rd. 150 Hersteller umfassenden Partnerprogramm von Zalando - direkte Schnittstelle zur Zalando-Warenwirtschaft und -logistik inklusive. 

Für die wenigen verbliebenen selbständigen Sportartikel-Einzelhändler wird es immer enger - vorübergehende Entspannung mag da noch die Mitgliedschaft in einer grossen Verbundgruppe wie Intersport (internationaler Marktführer im Mittelstand) oder Sport 2000 bringen, die in der Lage sind, ihre Mitglieder u.a. bei aktuellen Lösungen in den Bereichen Warenwirtschaft, Business Intelligence, Ladenbau und -präsentation zu unterstützen und so die hochgesteckten organisatorischen Erwartungen der Hersteller an die Händler zu erfüllen. 

Trotzdem sehen gerade ausländische Händler noch viel Luft im deutschen Sportartikelhandel: Decathlon, die führende französische Kette, betreibt ihre Grossflächen-Märkte inzwischen an rd. 30 Standorten in Deutschland - sechs weitere sind für 2016 in Planung -Eigenmarkenanteil rd. 70%. 

Fashion ist das grosse Thema - und damit auch Frauen als Zielgruppe. Lifestyle, hipp und angesagt - das Image der Branche wird gerade heftig aufpoliert.

Da wollen die üblichen Verdächtigen vertikalen Modehändler wie Mango oder H&M nicht zurückstehen - auch sie bieten längst eigene Sportkollektionen an. Ob diese Accessoires einem ernsthaften sportlichen Einsatz gewachsen sind, muss die Erfahrung zeigen… Ansonsten führt der Weg ganz schnell wieder zurück zum Sporthändler ihrer Wahl, meine Damen!

TENDENCE 2016 erstmals mit Sonderfläche „Village"

Frankfurt, 10.6.2016 - Nachdem die Messe Frankfurt bei ihrer Hamburger Messetochter NORDSTIL bereits positive Erfahrungen mit dem Ausstellungsformat „Village“ sammeln konnte, wird dieses 2016 auch erstmals in Halle 11.1 auf der Frankfurter TENDENCE gezeigt. Zehn designorientierte Aussteller / Hersteller präsentieren auf einem gemeinsamen Marktplatz mit angeschlossenem Gastro-/Aktions-Bereich und Freiflächen zum Entspannen Möglichkeiten, ihre Produkte am POS darzustellen und somit den Besuchern praktische Hinweise für ihr eigenes Geschäft an die Hand zu geben.

Zu den Ausstellern des „Village“ gehören:

  • Cedon
  • Charles + Marie
  • Design im Dorf
  • Donkey Products
  • Gift Company
  • Good Old Friends
  • Mark’s Europe
  • Paperproducts Design
  • Reisenthel
  • Werkhaus

Haben oder Sein?

Köln, 3.6.2016 - Vor 40 Jahren erschien Erich Fromms Bestseller „Haben oder Sein“, das sich vor dem Hintergrund konsumkritischer Bewegungen unserer Tage, den unterschiedlichsten Erscheinungen der „Sharing-Economy“ und Forderungen nach einer neuen Genügsamkeit beim Konsum wieder mit grossem Genuss und Erkenntnisgewinn lesen lässt.

Fromm untersucht nichts geringeres als „die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“ - so der Untertitel.

Bedürfnisse, die sich in den Augen der Menschen nur mittels materieller Mittel erfüllen lassen und über das für sie rein Lebensnotwendige hinausgehen, stuft Fromm als sehr kritisch und - um es hier zuzuspitzen - als Charakterstütze ein.

Oder - freundlicher formuliert: der aufgeklärte, autonome Mensch und Konsument entwickelt seine Bedürfnisse „von innen nach aussen“, statt sich diese umgekehrt „von aussen nach innen“ aufzwingen zu lassen.

Anlässlich des runden Geburtstages von „Haben oder Sein“ strahlte der Deutschlandfunk in seiner Reihe "Journal am Vormittag - Lebenszeit“ eine spannende Diskussion aus, die sich mit den Wirkungen des Textes auf unseren aktuellen Alltag, speziell unser Konsumverhalten beschäftigte - „Gibt es Alternativen zur Konsumgesellschaft?“.

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