RetailWatch - Aktuell

Update 2 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-06-27 Fusionsgespräche Kaufhof-Karstadt

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

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Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Künstliche Intelligenz hört mit - Alexa allein zu Haus und der Einzelhandel

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Frankfurt am Main, 5.8.2018 - Anfangs, im Juni 2015, hielten viele US-Konsumenten sie für einen netten Gag: Alexa, die künstliche Stimme und Intelligenz, die ihnen aus den Amazon-Lautsprechern Echo bzw. Echo Dot entgegengurrte und auf fast jeden Wunsch eine Antwort wusste. Knapp zwei Jahre später enterte Alexa auch die deutschen Haushalte. 

Einer jüngeren Studie des Beratungsunternehmens capgemini zufolge sind die Nutzer begeistert. Mehr als 64 Prozent von ihnen haben bereits mit Alexa, mit Siri von Apple oder Google Home geplaudert und sich durchs Leben begleiten lassen. 

Technikkritiker bemängeln eine Infantilisierung der Kommunikation, besonderes Interesse zeigen jedoch Datenschützer an den Sprachassistenten mit der künstlichen Intelligenz: Natürlich sollen diese erst auf ein Startwort hin aktiv werden und sich mit ihren Servern in den USA verbinden - aber nicht immer scheint das so zu funktionieren. 

Irrtümlich ausgeführte Online-Bestellungen oder ad hoc-Parties, die Alexa mit sich selbst (und unfreiwillig die Nachbarn mit ihr) feiern, lassen an der Vertraulichkeit der Mensch-Machine-Kommunikation zweifeln. 

Aber noch eine ganz andere Klientel sollte vor Alexa und Co. viel Respekt haben: traditionelle  Einzelhändler. 

In den nächsten drei Jahren prophezeien die Experten von capgemini rasante Umsatzsteigerungen von sprachassistenz-induzierten Umsätzen an den gesamten Konsumausgaben von 600 Prozent. Durch die insgesamt rasch wachsenden Umsätze allein des deutschen Online-Handels bleiben in den kommenden Jahren mutmasslich mehr als zehn Prozent der jetzt noch aktiven Händler auf der Strecke. 

Aber auch die Freunde von Alexa & Co. entmündigen sich freiwillig: denn in der Regel sind die Angebote, die Alexa ihren Besitzern macht, zwar von dieser Welt, aber eben aus jener von Jeff Bezos. Und die Suche nach alternativen oder günstigeren Angeboten ist dann wieder vergleichsweise unbequem. 

85 Prozent der Konsumenten folgen denn auch den Vorschlägen Alexas, wie die Online-Quelle BÖRSE am Sonntag vom 4.8.2018 auf die Unternehmensberatung OC&C verweisend berichtet. 

Amazon ist einer der weltweit emsigsten Treiber von Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI); auch Deutschland profitiert von diesen Investitionen - künftig zusammen mit dem Tübinger Max-Planck-Institut. 

Doch zurück zum Einzelhandel und dessen Zukunft (BÖRSE am Sonntag, 4.8.2018 - „Einzelhandel. Die grosse Angst vor Alexa“):

„Auch Capgemini­-Experte Achim Himmelreich sieht die Sprachassistenten zu einer existentiellen Bedrohung für den Händler werden. Wer in diesem Feld nicht präsent sei, finde in der Branche bald nicht mehr statt, warnt er. ‚Sprachassistenten entscheiden, welches Produkt von welchem Händler bestellt werden soll.‘, sagt HDE­-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Damit wird also zwischen den Käufer und den Verkäufer eine dritte Instanz geschaltet, die zu ihrem eigenen Vorteil auswählt, wo der Käufer kaufen soll. ‚Langfristig werden also die Selektions-­ und Marketingprozesse von Sprachassistenten einen wichtigen Faktor für den Erfolg und Misserfolg von Produkten und Händlern darstellen‘, so Tromp weiter. 

Für den Einzelhandel stellt sich damit die Frage: Wie verkauft man in Zukunft Produkte ohne Zugang zum Kunden? Die Antwort ist so einfach wie entmutigend: Mit sehr viel Geld, dass man an Amazon, Google und Co. zahlt, damit die am Ende genau dieses Produkt ihren Kunden vorschlagen. So könnten einmal mehr die ganz großen Konzerne gewinnen, kleine Mittelständler dagegen verlieren. Die globale Einkaufswelt darüber hinaus wieder ein Stück einheitlicher werden. Und damit auch wir selbst.“

Schöne neue Einkaufswelt.

Neuer Ausbildungsgang im Handel: Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce

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Frankfurt am Main, 1.8.2018 - Seit heute gibt es im Handel einen spannenden neuen dualen Ausbildungsgang: den Kaufmann / die Kauffrau im E-Commerce. Vor allem grosse Handelsunternehmen wie die Hamburger OTTO Group drangen auf die Realisierung des neuen Berufsbildes. So berichtet die Fachzeitschrift „möbelkultur“ in ihrer heutigen Online-Ausgabe, dass Auszubildende im Konzern selbst den Anstoss gaben sowie Inhalte und Strukturierung des neuen Ausbildungsberufs entwarfen: 

Angestoßen und vorangetrieben wurde die Idee einer neuen E-Commerce-Ausbildung bereits vor mehreren Jahren im südlichen Oberfranken bei Baur in Burgkunstadt. ‚Interessant dabei: Es waren Auszubildende selbst, die im Rahmen einer Projektarbeit mögliche Ausbildungsinhalte zusammengetragen und strukturiert hatten‘, erklärt Max-Josef Weismeier, Ausbildungsleiter bei Baur. Durch die Unterstützung aus dem Konzern wie zum Beispiel von Otto oder der Witt-Gruppe konnten die entscheidenden Verbände und Institutionen von der Dringlichkeit eines neuen Ausbildungsberufes überzeugt werden.“

Kein Wunder, dass heute allein bei der OTTO Group 20 Auszubildende im neuen Ausbildungsgang starten.

Detaillierte Infos zum neuen dualen Ausbildungsgang Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Apple Pay - nun bald auch in Deutschland

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Cupertino, 31.7.2018 - Apple-CEO Tim Cook kündigte anlässlich einer Analystenkonferenz den Start des hauseigenen Bezahldienstes Apple Pay auch in Deutschland an - per Ende 2018.

Nach Angaben u.a. des Handelsblatts wird die Deutsche Bank zum Start von Apple Pay mit dabei sein, ebenfalls die Netzbank N26 sowie die Münchner Hypovereinsbank. Auch Comdirect zeigt sich offen für das neue Bezahlsystem.

Aktuell können bereits Kunden des Zahlungsdienstleisters Wirecard mit der Prepaid-Kreditkarte Boon Apple Pay nutzen - über eine Änderung des Ländercodes. 

Das verweist auch auf die Grundstruktur des neuen Bezahldienstes. Apple Pay ist regelmässig an den Besitz einer Kreditkarte einer der am System teilnehmenden Kreditinstitute gebunden. Das iPhone-Modell muss einen speziellen NFC-Chip besitzen - ab den Modellen SE bzw. iPhone 6 ist dies der Fall. 

„Live“ im Handel wird dann mit dem iPhone bzw. der Apple Watch bezahlt - man hält das Gerät einfach an das Bezahlterminal des Händlers - in max. 4 cm Abstand und gleichzeitig einen Finger auf die Touch ID, also den Fingerabdrucksensor des Apple-Gerätes. Weitere Legitimationen wie beispielsweise PIN sind dann nicht mehr notwendig. 

Aktuell unterstützen nach Angaben des Handelsblatts in Deutschland rund 475.000 Bezahlterminals das neue Zahlverfahren. In-App-Zahlungen und solche im Apple-Browser Safari werden zudem auch mit dem iPad möglich sein. 

Bleibt die Frage, warum das Bezahlen per Apple Pay erst so spät in Deutschland eingeführt werden soll. Naja, Apple wäre nicht Apple, wenn nicht ein hübscher Anteil des Händler-Disagios auch dort verbleiben sollte - und dieser Anteil war den verhandelnden deutschen Kreditinstituten wohl bislang zu gross. 

Trotzdem: bei einem iPhone-Marktanteil von um die zwanzig Prozent in Deutschland und der bekannten Technikoffenheit und günstigen Einkommensverhältnisse der Apple-Kunden dürften für Banken und Apple erkleckliche Provisionen zusammenkommen.


ergänzend dazu CHIP-TV

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