RetailWatch - Aktuell

Vielen Dank für’s Mitlesen 2016 - Frohe Weihnachten und einen guten Start 2017

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DRadio Wissen - bequem per Apps lokalen Einzelhandel unterstützen


Köln, 20.12.2016 - Auch die Kollegen des DRadio Wissen, des dritten Hörfunkprogramms des Deutschlandradios aus Köln, machen sich in ihrer Sendung „Redaktionskonferenz“ vom 19.12.2016 Gedanken darüber, wie sich die Vorzüge des Online-Handels mit dem Reiz, neue Läden mit unbekannten Produkten zu entdecken, verbinden lassen.

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit scheuen immer mehr Verbraucher die Innenstädte und decken sich per Online-Bestellung bei Amazon, Zalando & Co. ein.

Sehr schade - innovative Läden bleiben so unentdeckt und haben keine schlechte Chance, bald wieder verschwunden zu sein.

Wie so häufig können wir auch hier vom geschickten Einsatz von Apps auf unserem Smartphone profitieren. Im Gespräch werden die Vorzüge zweier Einkaufs-Apps vorgestellt: Findeling und Shoppen.

Moderator Thilo Jahn unterhält sich darüber mit Anke van de Weyer, DRadio Wissen. 

Viel Spass dabei und beim Entdecken neuer Geschäfte.

Immobilienverband IVD - Gute Lagen in B- und C-Städten erfreuen sich verstärkter Nachfrage

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Entwicklung der Ladenmieten im Geschäftskern. Veränderung der Nettokaltmieten für Ladenflächen in 1A-Lage im Geschäftskern (ca. 150 m²) in Prozent gegenüber den Vorjahren, unterteilt nach Städtegrössen.
Quelle: Presse-Mitteilung des IVD vom 19.12.2016 zur Vorstellung des IVD-Gewerbe-Preisspiegels 2016/17


Berlin, 20.12.2016 - Des einen Freud’… Während der Immobilienverband IVD in der Analyse seines Gewerbe-Preisspiegels 2016/17 ein Aufholen des Preisniveaus in den sog. Mittelstädten (250.000 - 500.000 Einwohner) konstatiert, steigen die Mietpreise pro Quadratmeter in den Grossstädten nur noch leicht, stagnieren oder gehen sogar ein wenig zurück.

München bleibt hier trauriger Spitzenreiter mit einer Schwerpunktmiete von 320 Euro pro Quadratmeter; stagniert aber auch auf diesem Niveau. Das gilt analog für Köln (130 Euro) und Düsseldorf (150 Euro). In Berlin und Frankfurt am Main erhöhen sich hingegen die entsprechenden Vergleichszahlen zum Vorjahr um +4,17 Prozent auf 125 Euro bzw. +5,26% auf 200 Euro.  

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Entwicklung der Ladenmieten im Geschäftskern, Nettokaltmieten in Euro je m² ebenerdiger Ladenfläche, 1A-Lage im Geschäftskern (ca. 150 m²), Veränderung zum Vorjahr in Prozent, Quelle: ebda.


In Nebenlagen bzw. den 1B-Lagen der Geschäftszentren verzeichnen die Analysten einen bundesdurchschnittlichen Mietpreisrückgang (bei 150 Quadratmetern Fläche) um ein halbes Prozent. Den grössten Mietpreisrückgang stellen die IVD-Analysten für Ladenmieten in zentralen 1B-Lagen in Städten der Grössenklasse 50.000 bis 100.000 Einwohner fest (knapp 3 Prozent zum Vorjahr). Kein Wunder, mag man einwenden, die Attraktivität vieler Innenstädte dieser Grössenordnung hat in den vergangenen Jahren häufig schon stark gelitten - sie bzw. deren Handel ist besonders anfällig für die „Verlockungen“ der schönen neuen Online-Einkaufswelt. 

Für 1B-Lagen in Grossstädten gilt hingegen immer noch: eine Schippe ist noch drin, wenn sich hier auch die Mietpreissteigerung mit im Durchschnitt 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (damals noch +5,0 Prozent) deutlich verlangsamt hat.

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Einzelhandel: Ladenmieten im Geschäftskern - Veränderung der Nettokaltmieten für Ladenflächen in 1B-Lage im Geschäftskern (ca. 150 m²) in Prozent gegenüber den Vorjahren, unterteilt nach Städtegrössen, Quelle: ebda.


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Ladenmieten im Nebenkern - Veränderung der Nettokaltmieten für Ladenflächen in 1A-Lage im Nebenkern (ca. 150 m²) in Prozent gegenüber den Vorjahren, unterteilt nach Städtegrössen, Quelle: ebda.


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Ladenmieten im Nebenkern - Nettokaltmieten für Ladenflächen in 1A-Lage im Nebenkern (ca. 150 m²), Veränderungen in Prozent gegenüber den Vorjahren, Quelle: ebda.


Erläuterungen zu verwendeten Begriffen in der Studie bzw. in der Presseerklärung des IVD:

„Nach der Terminologie des IVD-Preisspiegels wird unterschieden zwischen: 1A- und 1B-Lagen in den Kernbereichen einer Großstadt (= Geschäftskern), sowie nach 1A- und 1B-Lagen in großstädtischen Nebenkernen (z.B. Geschäftskern im eingemeindeten Vorort). Die Begriffe 1A- und 1B-Lage entsprechen den in der Praxis gängigen Unterscheidungen. Als Beurteilungskriterien werden dazu beispielsweise die Passantenfrequenz, der Branchenbesatz, die Geschlossenheit der Schaufensterfront usw. herangezogen.

OTTO macht’s mir jetzt bequemer - mit OTTO NOW

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Quelle: Video-Still des OTTO NOW-Einführungsclips


Hamburg, 14.12.2016 - Es mag gute 30 Jahre her sein - Otto, damals noch der grosse Quelle-Konkurrent aus Hamburg - mit dem wirklich allerdicksten Versandhauskatalog - kam allen ernstes mit dem Werbeslogan rüber: „Otto macht’s mir jetzt bequemer!“ 

Sie können sich das Gegröle und Schenkelklopfen vorstellen - und das nicht nur bei den jüngeren Herrschaften in der Runde.

Aber Werbung musste damals auch noch nicht political correct sein - und das heute so beliebte Gendermarketing war noch längst nicht erfunden.

Aus dem damaligen Dickschiff Otto-Versand ist inzwischen ein weltweit tätiger Konzern namens Otto-Group geworden mit um die 120 Einzelgesellschaften.

Und Otto kann inzwischen schnell, wendig und innovativ sein: wie mit dem neuen Angebot OTTO NOW. Warum immer gleich kaufen, wenn ich etwas auch mieten, sprich: für einen überschaubaren Zeitraum nutzen kann?

OTTO NOW zielt auf die Zielgruppe der Technik-Nerds, die gerne Neues ausprobieren möchten, aber auch auf Studenten-WGs oder junge Familien.

Mieten statt kaufen - hört sich gut an.

Kein Geld für eine niegelnagelneue Waschmaschine? Kein Problem - Sie mieten auf der Website www.ottonow.de eine für mindestens drei Monate. Falls Sie danach ein eigenes Modell haben oder doch wieder in den kommunikativen Waschsalon möchten, lassen Sie das Mietmodell von OTTO NOW einfach abholen - monatliche Kündigung möglich.

Marc Opelt, Bereichsvorstand Vertrieb in der Otto-Pressemitteilung vom 12.12.2016 dazu:

„Die Idee, Produkte auf Zeit zu besitzen und lediglich zu mieten, hat in Deutschland ein neues Level erreicht. Es ist jetzt der richtige Moment, die Bereitschaft der Konsumenten für Mietangebote zu testen. Getreu dem agilen Projektvorgehen OTTOs testet das Team seine Ergebnisse in einem frühen Stadium live im Markt, sodass OTTO NOW bereits seit heute als Beta-Version zu sehen ist.“

Zum Startangebot gehören alle möglichen und unmöglichen Geräte aus den Bereichen Multimedia, Haushaltselektronik und Sport - bis hin zu Drohnen oder E-Bikes.

Die Produkte sind neuwertig, d.h. professionell gereinigt und im Tip-Top-Zustand, eben wie neu. Bei Geräten mit Nutzerdaten wie Laptops werden diese entfernt; das komplette Gerät auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt.

„Der Mietpreis deckt einen Rundum-Service ab, inklusive kostenloser Lieferung, Aufbau, Reparatur und Abholung. Die Mindestmietdauer bei allen Produkten beträgt drei Monate. Nach der Mindestmietzeit ist es möglich, monatlich zu kündigen. Eine maximale Mietlaufzeit gibt es nicht, ein Kauf von gemieteten Produkten ist nicht vorgesehen. Jedes zurückgegebene Produkt wird eingehend geprüft und aufbereitet, sodass es erneut in einem neuwertigen Zustand vermietet werden kann.

BEVH - zweistelliges Plus im Online- und Versandhandel 2016 prognostiziert

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Berlin, 13.12.2016 - Im deutschen Online- und Versandhandel geht es zu Beginn der heissen Phase des Weihnachtsgeschäftes hoch her: der zuständige Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) veröffentlichte die Ergebnisse einer Verbraucherumfrage zu den ersten neun Wochen des 4. Quartals. Demnach sind aktuell bereits mehr als 10 Prozent Umsatzplus zum Vorjahr aufgelaufen. Mit brutto 11,5 Milliarden Euro sind schon 1,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr in die Kassen des Online- und Versandhandels gerollt. Allein das E-Commerce-Segment trägt mit aktuell 10,7 Milliarden Euro zu 92,8 Prozent am Gesamtumsatz des interaktiven Handels bei - bei einer Steigerung von 11,6 Prozent im Vergleich zu 2015.

„Die heiße Phase des Weihnachtgeschäfts steht uns noch bevor und schon jetzt liegen wir über den Erwartungen. Jedes achte Geschenk unter dem Weihnachtsbaum wird aus dem Netz stammen. Und, in diesem Jahr verschenken wir auch sperriges oder vermeintlich unromantisches wie Möbel oder Haushaltsgeräte“,

so der Hauptgeschäftsführer des bevh, Christoph Wenk-Fischer.

Der Megatrend „Convenience“ greift also auch hier - Hauptsache, der Trubel in der Adventszeit in den stationären Geschäften lässt sich für viele Konsumenten vermeiden.

Unromantisch hin oder her - mit einer Steigerung von knapp 25 Prozent zum Vorjahr boomen Haushaltswaren und -geräte im Netz nachgerade. Und auch der interaktive Möbelhandel schafft es mit +21,4 Prozent auf jetzt über 800 Millionen Euro Brutto-Umsatz.

Auch die jährlich erscheinende EHI-Studie, welche die Entwicklung der 1.000 umsatzstärksten Onlineshops abbildet, sieht einen Trend zu „Grossformatigem“: IKEA liegt auf Platz 22, Home24.de auf Platz 25. Und acht weitere Onlineshops der TOP 25 wie Amazon, Otto oder Tchibo bieten ebenfalls entsprechende Produkte an.

Wenk-Fischer zusammenfassend zur Entwicklung im laufenden Jahr:

„Unserer Branche geht es sehr gut. Begleitet von einem stabilen Konsumklima und einer steigenden Anschaffungsneigung werden wir dieses Jahr mit einem zweistelligen, überdurchschnittlichen Wachstum abschließen.“

Nicht zuletzt basiert diese positive Entwicklung auf einer weiteren Konzentration des Online-Handels - sprich: die umsatzstärksten Onlineshops werden noch dominanter.

Update: Kaiser’s Tengelmann hat noch nicht fertig - aber bald - nämlich heute!

Quelle Einzellogos: Edeka  / Kaiser’s Tengelmann - Montage: MB


UPDATE - Mülheim an der Ruhr/Köln/Berlin, 8.12.2016 - Edeka und Rewe haben heute den Kaufvertrag über die nach der Fusion von Kaiser’s Tengelmann und Edeka an Rewe übergehenden Filialen von Kaiser’s Tengelmann unterschrieben, Rewe seinen Einspruch gegen die Fusion beim OLG Düsseldorf zurückgenommen und das Bundeskartellamt den Übergang der vereinbarten Zahl von - jetzt - Edeka-Filialen an Rewe zugestimmt.

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UPDATE - Mülheim an der Ruhr/Köln/Berlin, 2.12.2016 - Die Kuh bei Kaiser’s Tengelmann scheint endlich vom Eis zu sein. Wie zahlreiche Medien berichten, darunter auch Michael Kläsgen in der Süddeutschen Zeitung, haben sich Edeka und Rewe nach monatelangen Verhandlungen einschliesslich Schlichtungsbemühungen Altkanzler Schröders und Bert Rürups auf einen unterschriftsreifen Vertrag geeinigt, der nun dem Bundeswirtschaftsministerium zur Prüfung vorliegt.

Diese Formalie ist notwendig, weil die Übereinstimmung der Einigung mit der von Sigmar Gabriel erteilten Ministererlaubnis geprüft und dem Vertrag dann auch zugestimmt werden muss - gleiches gilt für das Bundeskartellamt. Die Gewerkschaften ver.di und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) haben ebenfalls ein Einsichtsrecht. 

Rewe wird in der Nikolauswoche seine Beschwerde gegen die Erteilung der Ministererlaubnis beim OLG Düsseldorf zurückziehen - und somit die Voraussetzung für deren Wirkung schaffen.

So teilen sich also Edeka und Rewe den deutschen Supermarkt-Handel praktisch unter sich auf - und schützen zugleich auch noch fünf (bei betriebsbedingten- oder Änderungskündigungen) respektive sieben Jahre lang (bei Weitergabe an selbständige Einzelhändler) die aktuell vorhandenen Arbeitsplätze, sei es in den Kaiser’s Tengelmann-Filialen oder in den zugehörigen Verwaltungs-, bzw. Produktions- und Logistikstrukturen (z.B. Fleischwerke).

Und die Filialen? Dazu Michael Kläsgen in der Süddeutschen Zeitung:

„Wer welche Filiale in welchem Bundesland erhält, darüber stritten Edeka und Rewe fast zwei Monate lang. Pro forma gehen in einem ersten Schritt alle bundesweit noch gut 400 Filialen von Kaiser's Tengelmann an Edeka. Aber in der sogenannten gleichen juristischen Sekunde des Kaufs gibt der Hamburger Konzern die zuvor mit Rewe ausgehandelten Standorte an den Konkurrenten aus Köln weiter. Dazu gehören 62 und damit etwa die Hälfte aller Supermärkte von Kaiser's Tengelmann in Berlin sowie die dortige Verwaltung, Fleischwerke (in Brandenburg) und Läger. Zudem je zwei renditestarke Filialen in Bayern und in Nordrhein-Westfalen. Da bei diesem Geschäft aber alles kompliziert ist, lautet die Zahl nicht 66 (62+2+2), sondern offiziell 67. Denn eine Filiale in Berlin wechselt den Standort und muss daher doppelt beim Kartellamt angemeldet werden.

Freilich hätten sich viele Interessierte gewünscht, dass letztinstanzlich der BGH (Bundesgerichtshof) darüber entschieden hätte, wie weit eine Ministererlaubnis im Rahmen eines Kartellfalls gehen kann. Perdu - dazu wird es jetzt nicht mehr kommen.

Im Gegenteil: juristisch gesehen handelt es sich bei der Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann in Berlin gar um eine „Aufholfusion“; der Marktführer gibt Filialen an den Marktzweiten ab. Umgekehrt erhält Edeka in Oberbayern (ausserhalb Münchens) die Filialen von Kaiser’s Tengelmann dazu.

All das muss für die Preis- und Qualitätsentwicklung im hochkonzentrierten deutschen Lebensmittelhandel (LEH) nicht unbedingt schädlich sein. Zwar teilen sich nach Angaben des Bundeskartellamts Edeka, Aldi, Lidl und Rewe nunmehr 85% des Marktes unter sich auf; gleichzeitig gilt der deutsche LEH als extrem preisaggressiv und margenarm. Das haben auch immer wieder ausländische Unternehmen erleben müssen, die auf den deutschen Markt drängten (Wal-Mart oder Marks & Spencer).

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UPDATE - Mülheim an der Ruhr/Köln/Berlin, 15.11.2016 - Rewe und Edeka haben sich am Abend über die Aufteilung der rund 400 verbliebenen Kaiser’s Tengelmann-Filialen in Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen geeinigt.

Wo es in den Verhandlungen jetzt noch klemmt? Beim Kaufpreis.

Wirtschaftsprüfer sind nun schon seit Wochen in einen Due Dilligence-Prozess vertieft, der den Wert der Kaiser’s Tengelmann-Filialen ermitteln soll.

Nach Abschluss dieser Ermittlungen wissen die Verantwortlichen sowohl bei Edeka als auch bei Rewe mehr: die konkrete Kaufsumme, die Edeka an Kaiser’s Tengelmann für die Übernahme des kompletten Filialnetzes zu überweisen hat und jener Betrag, der anschliessend wieder auf das Edeka-Konto zurückfliesst, nachdem Rewe die Wunschfilialen übernommen haben wird. Klingt kompliziert und langwierig? Ist es auch!

***

Mülheim an der Ruhr/Köln/Berlin, 2.11.2016 - Kaiser’s Tengelmann hat noch nicht fertig - oder anders ausgedrückt: es ist längst noch nicht alles gut für die rund 15.000 Beschäftigten und deren Arbeitsplätze.

So verkündete Wirtschaftsminister Gabriel an Allerheiligen zwar stolz die Einigung der Kontrahenten Kaiser’s Tengelmann und Rewe, aber es bleibt darob nicht nur ein ungutes Gefühl bei Branchenbeobachtern zurück, sondern auch bei den betroffenen Beschäftigten. 

Rewe wird der Vereinbarung zufolge als letztes der drei beschwerdeführenden Unternehmen gegen Gabriels Ministererlaubnis zur Genehmigung des Zusammenschlusses von Kaiser’s Tengelmann und Edeka seine Beschwerde beim OLG Düsseldorf bis zum 11.11. zurücknehmen. Vielleicht mag das Datum symbolischen Wert haben und der heilige Martin zerteilt seinen Mantel für dieses Mal nicht nur in zwei Teile, wie die Legende berichtet, sondern in mindestens vier. 

Denn nach dem Einlenken Rewes würde die Ministererlaubnis Gabriels wieder gelten und damit auch deren inhaltliche Regelungen. Allerdings hält sich Rewe aktuellen Meldungen zufolge auch hier noch mindestens ein Hintertürchen offen: Rewe beantragte beim OLG Düsseldorf zuerst einmal, sein Beschwerdeverfahren lediglich ruhend zu stellen, zieht seine Beschwerde also noch nicht vollständig zurück.

Wer weiss, vielleicht klappt es ja mit der Bestandserhaltung und der Arbeitsplatzgarantie für die Kaiser’s Tengelmann-Beschäftigten und die nächsten sieben Jahre?

Edeka käme dann wie im Fusionsvertrag 2014 vereinbart zum Zuge. Allerdings mit einem „klitzekleinen“ Haken: Rewe kann laut Schlichtungsergebnis einen „Interessenausgleich“ als Gegenleistung für den Rückzug seiner Beschwerde verlangen. Bislang schweigen sich die Beteiligten über Form und Inhalt dieser Gegenleistung aus. Wirtschaftsprüfer sind derzeit mit dem Feilen an Einzelheiten betraut - es wurde Stillschweigen vereinbart. 

Durchgesickert ist laut verschiedener Quellen, dass Rewe gerne einen Teil der Kaiser’s Tengelmann-Filialen in Berlin übernehmen möchte. Laut dpa-Informationen soll es dabei um Märkte mit einem Bruttoumsatz von 300 Millionen Euro gehen. Die Berliner Filialen gelten wie die Münchner Märkte überwiegend als rentabel. Wie schaut es dann aber mit dem nordrhein-westfälischen Filialnetz aus? Hier entstehen dem Unternehmen laufende Defizite. Und wie schaute es ferner mit einer neuerlichen Prüfung durch das Bundeskartellamt aus? Das müsste beim Abweichen von der ursprünglichen 2014er-Konstellation wieder aktiv werden.

Rita Lauter und Alexandra Endres von ZEIT ONLINE am 1.11.2016 dazu: 

„Es (das Bundeskartellamt, MB) prüft dann die Wettbewerbssituation auf ‚Mikroebene‘, also in den einzelnen Stadtteilen, wie es Justus Haucap , Professor an der Uni Düsseldorf, ausdrückt. Er hat im Auftrag von Tengelmann ein Gutachten über die Wettbewerbseffekte einer etwaigen Fusion mit Edeka erstellt. Da Rewe in manchen Berliner Stadtteilen wie Prenzlauer Berg und Grunewald bereits der stärkste Anbieter ist, liegt es nahe, dass das Kartellamt hier Nein sagt, erklärt Daniel Zimmer, Professor für Wirtschaftsrecht in Bonn, der aus Protest gegen Gabriels Ministererlaubnis als Chef der Monopolkommission zurückgetreten war. Die Kaiser's-Tengelmann-Märkte in Bayern dagegen sollen wohl an Edeka gehen. Was mit den Filialen in Nordrhein-Westfalen geschieht, ist noch unklar. Dort hat Kaiser's Tengelmann die meisten Supermärkte – und Edeka ist dort bereits sehr stark. Haucap sagt, wenn Edeka auch dort die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen übernimmt, könne es in einzelnen Stadtteilen durchaus zu einer marktbeherrschenden Stellung von Edeka kommen – wegen der Ministererlaubnis hat das Kartellamt hier aber nichts mehr zu melden.

Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt auch der künftige Umgang mit den nach einer Fusion zwangsläufig entstehenden Doppelstrukturen, z.B. in der Logistik und Verwaltung, oder in produzierenden Teilen des neuen Unternehmens. Auch die Zukunft der bestehenden Edeka-Filialen fällt in diesen Unschärfebereich. Zumindest Versetzungen von Personal wären nach dem Schliessen einiger Edeka-Filialen denkbar. Und die Zentrale von Kaiser’s Tengelmann in Mülheim würde sicherlich nicht mehr benötigt.

Für uns Kunden sieht der Deal auch nicht gerade rosig aus: sowohl die Marktmacht der Nummer 1 - Edeka als auch der Nummer 2 - Rewe nähme jeweils zu. Das könnte zu steigenden Preisen, längeren Wegen und eingeschränktem Angebot im Sortiment führen. 

Aber natürlich könnte es auch ganz anders kommen - wenn es denn überhaupt soweit kommt?

Recherchen und Analysen rund um das Thema „Design“ - Bericht über ein beeindruckendes Seminar des Rats für Formgebung

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Ein rundum gelungenes Seminar: Frankfurter Skyline vom 19. Stock des Messeturms aus gesehen


Frankfurt am Main, 7.12.2016 - Design und Handel - eigentlich liegt der Zusammenhang sehr nahe: (Gutes) Design zieht interessierte Blicke auf sich, klarlinige Produkte heben sich positiv aus der Masse des Marktangebots ab, lassen sich besser verkaufen und zeichnen Sie gleichzeitig als Händler und Händlerin mit dem Händchen für das gewisse Etwas aus. Soweit, so klar - jeder Besuch einer Konsumgütermesse wird Ihnen diese Einschätzungen leicht bestätigen. 

Darauf aber den Erfahrungsschatz Helge Aszmoneits verkürzen zu wollen, wäre nachgerade ignorant und unverschämt.

Frau Aszmoneit, ausgebildete Diplom-Bibliothekarin, ist eine Design-Institution. Seit 1987 leitet sie als Manager Informationsdienste die umfangreiche Spezial-Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main und bietet zusammen mit ihrem Team hochspezialisierte Informationsvermittlung an rund um die Themenfelder

  • Internationales Industriedesign
  • Internationales Produktdesign
  • Visuelle Kommunikation
  • Architektur
  • Werbung
  • Mode
  • u.v.m.

Ihr eigenes Spezialgebiet (neben anderen): Designwettbewerbe.

So hörte sich der Titel des Seminars, das Helge Aszmoneit Ende November im Frankfurter Messeturm anbot, zunächst etwas kryptisch an: „Update + Research/Eine Wegweisung zwischen Informationsflut und Fokussierung“. 

Was Frau Aszmoneit dann allerdings den acht TeilnehmerInnen aus Hochschule, Designpraxis, Produktdesign und Beratung an diesem Nachmittag bot, war sehr beeindruckend und gleichzeitig spielerisch-unterhaltend.

Neben der Strukturierung und Einordnung von Quellen und Informationen, der Rolle von Fachzeitschriften und -Büchern, wertvollen Anregungen zu Rechercheaufwand und -umfang (speziell im Designprozess), wie sie uns zum Teil auch aus anderen Themengebieten wie Wirtschaft, Jura oder Naturwissenschaft vertraut sind, fokussierte die Design-Expertin auf die Bedeutung des Internets, von Newslettern, den Besuch von Messen und Sonderschauen, Präsentationen von Diplom- bzw. Bachelor- oder Masterarbeiten, Einbeziehen der Ausstellungen von Design-Museen und deren Bibliotheken bis hin zu Expertengesprächen - und diese Aufzählung war sicherlich nicht vollständig. Dazu ein fundierter Exkurs zum Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Bildmaterial und Quellen- bzw. Fundstellenbelegen.

Dabei gelingt es ihr mühelos, auf der Höhe der Zeit zu sein - sie ist u.a. Lehrbeauftragte an mehreren Design-Hochschulen bzw. - Fachbereichen.

Wichtig war Helge Aszmoneit zum Einstieg in das Seminar auch, die Bedeutung der Quellenlage und der Quellenbewertung zu unterstreichen - wichtig, nicht nur für Non-Information Professionals.

Dazu zählen für sie u.a.

  • Urheberschaft (einer Quelle)
  • Seriosität
  • Relevanz
  • Aktualität
  • Lesbarkeit des Mediums
  • Erscheinungsturnus
  • Impressumsangaben (im deutschsprachigen Raum; international nicht gebräuchlich)

Nun aber zu ausgewählten Quellen, die Helge Aszmoneit im Verlauf des Seminars besonders hervorhob.

Wir starten mit der Webseite der deutschen Zeitschrift FORM - zweimonatlich erscheinend und das seit 1957. Täglich werden aktuelle Meldungen rund ums Design publiziert. Besonderheit hier: das Heftarchiv seit Ausgabe 1/1957 (aktuell bis einschliesslich des Jahrgangs 2011). Es steht kostenfrei nach einer Online-Registrierung zur Verfügung und ist mit Boole’schen Operaturen durchsuchbar. Die Initiative René Spitz’ ist in diesem Zusammenhang wohl besonders hervorzuheben.

In den USA wird seit rund zehn Jahren die Website CORE 77 publiziert. Hier werden Trends, Lifestyle, Produkte, Unternehmen, neue Technologien oder auch studentische Arbeiten vorgestellt. Bildstrecken und Kalender ergänzen das Angebot - ebenfalls ein wöchentlich erscheinender Newsletter.

designboom, 1999 in Mailand gegründet, inzwischen auch mit Büros in Peking und New York, bezeichnet sich selbst mit weltweit rund 4 Millionen Lesern und 450.000 Newsletter-Abonnenten als beliebtestes digitale Medium rund um das Themenfeld Design. Abträglich hier - auch nach Einschätzung Helge Aszmoneits - das sehr zerklüftete Design der Website (GUI). Suchfunktionen nach Relevanz und Erscheinungsdatum sind integriert, ebenfalls ein tägliches Newsletter-Angebot. 

dezeen, Herausgeber Marcus Fairs, erscheint als Webangebot und Printausgabe in London. Beide sind zu ca. 70% deckungsgleich. Die Website integriert ebenfalls eine hilfreiche Suchfunktion und bietet sehr gutes Bildmaterial. In mehrwöchigem Abstand erscheinen Specials zu einzelnen Themengebieten wie Shopdesign oder Retail. Newsletter sind sowohl auf täglicher als auch wöchentlicher Basis abonnierbar.

DesignBytes der IDSA (Industrial Designers Society of America) ist ein ebenfalls englischsprachiges Webangebot mit regionalem Schwerpunkt USA. Hier spannend: Verweise zu Quellen im Originaltext (Volltext), sehr gute Abdeckung gerade in der Branche diskutierter Themen und ein Newsletter, der sich inhaltlich vom Webseiteninhalt emanzipiert. 

Dexigner - ein 14-tägig erscheinender Newsletter, sehr gut gestaltet und thematisch umfassend. Die Website selbst bietet hingegen nur wenig Veränderung.

Bloomberg, das bedeutende amerikanische Nachrichtenportal, ist Helge Aszmoneit eine Empfehlung zum Themenfeld Design wert. Hier schätzt sie v.a. die Business-Section mit ihren Informationen zu neuen Produkten und Industrien, Automobilbau, Schmuck, Fahrradmanufakturen - nur um mal voll in das extrem umfangreiche Angebot der Seite zu greifen. Es versteht sich, dass eine Suchfunktion die Recherche im Portal erleichtert.

Mit zwomp.de sind wir wieder zurück in Deutschland. Die Seite spezialisiert sich auf Industriedesign. Neben anderen Inhalten schätzt die Design-Expertin hier die Rubrik für Einsteiger und die Möglichkeit, (laufende) Arbeiten aus Hochschulen kennenzulernen.

BLOOM’s beleuchtet hingegen mit einem breiten Angebot an Magazinen und Büchern das Thema floralen Lifestyle und publiziert floristische Fachliteratur. Die Website gibt einen gelungenen Überblick zu diesem Spezialgebiet - lassen Sie sich vom etwas biederen Design des Webauftritts nicht abschrecken.

Und wo wir schon in Deutschland sind - schauen wir mit unserer Referentin doch gerade mal in die „echte“ Welt und in die deutsche Hauptstadt: „Do you read me?!“ - Diese Frage können Sie als Design-Afficionado/a in der Auguststrasse 28 in Berlin-Mitte beantworten bzw. beantwortet bekommen. Hier finden Sie die wohl deutschlandweit grösste Auswahl an nationalen und internationalen Fachzeitschriften zum Thema Design - dazu Fachbücher, -accessoires und was Ihr Herz mehr begehren mag.

À propos Thema Print im Designbereich: Helge Aszmoneit sieht einen Trend hin zu hochwertiger Gestaltung und Haptik - nicht nur im Bereich Typographie und Page Design. Hier müssen Webangebote für einmal beim jetzigen Stand der Technik zurückstecken.

Anhand des FRAME-Magazine illustriert Frau Aszmoneit den angesprochenen Trend. Die herumgereichten Exemplare aus ihrer Bibliothek wirken ausgesprochen hochwertig und eine eigene Bildredaktion sorgt für sehr individuelles Material - mit und aus spannenden Perspektiven. Die zugehörige Website referiere erst nach Erscheinen und sehr partiell auf die Artikel der jeweiligen FRAME-Printausgabe, so Helge Aszmoneit. Allerdings: wer auf die angesprochenen haptischen und die Vorteile der grossen Seiten verzichten kann und möchte (Euro 19,95 pro aktuellem Heft - ältere Ausgaben Euro 12,95), findet in der FRAME-Magazine-Digitalausgabe eine gute und preiswerte Alternative - zu einem sehr günstigen Preis im amerikanischen iTunes-Store.

Allgemein politisch/philosophisch/zeitgeistige Themen sind über das Viewpoint Magazine und dessen Website zugänglich. Dankenswert - das digitale Heftarchiv reicht im Volltext zurück bis zur ersten Ausgabe 1/2011.

Ein Juwel für all jene, denen noch keine Scheuklappen den Blick nach rechts und links verstellen (oder gerne auch umgekehrt) ist das in Hamburg erscheinende unorthodoxe Wirtschaftsmagazin Brand Eins - immer noch von dessen Gründerin Gabriele Fischer verantwortet, immer noch neue Horizonte eröffnend, immer noch als Printausgabe oder digitale Version zu bekommen und immer noch selbst mit hohem gestalterischen Anspruch, der sich auch inhaltlich wiederfinden lässt. Regelmässig werden Designthemen behandelt - und ausserdem rundet ein frei zugängliches Heftarchiv mit den älteren Ausgaben das Angebot ab.

Kommen wir zu Bibliotheken, deren OPACs (Online Public Access Catalogue - also i.d.R. über das Internet zugängliche Bibliothekskataloge) und digitalisierten Ausgaben von (Design-)Zeitschriften.

Auch hier hat Helge Aszmoneit einen Strauss nicht alltäglicher Quellen zur Hand.

So stellt die Universitätsbibliothek Heidelberg mit ihrer EZB eine Elektronische Zeitschriftenbibliothek zur Verfügung - für alle möglichen und unmöglichen Wissensgebiete, aber auch für Architektur, Kunstgeschichte usw.

Von 1922 bis 1935 erschien als Publikationsorgan des Deutschen Werkbundes die Zeitschrift DIE FORM. Sämtliche Ausgaben sind digital verfügbar - in der Digitalen Bibliothek Heidelberg.

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden betreibt seit wenigen Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung das Sondersammelgebiet (SSG) Industriedesign und kann darüber hinaus unter dem Fachinformationsdienst arthistoricum.net mit weiteren einschlägigen Sondersammlungen aufwarten.

Weitere einschlägige Bibliotheksquellen rund um die Themenfelder Design/Foto/Architektur/Graphik/Kunstgeschichte usw.

Jedem Entwickler und/oder Designer können schnell Schweissperlen auf die Stirn treten, wenn es um unklare Fragen zu Patenten, Marken- oder Bildrechten geht.

Helge Aszmoneit hat hier einige Quellen zur Hand - Vorsicht: Spezialwissen bei der Recherche erforderlich!

Und was empfiehlt Frau Aszmoneit, um sich über Design-Trends auf dem Laufenden zu halten? Hier einige ihrer Tips zu einschlägigen Websites oder Datenbanken:

Und natürlich - nicht zu vergessen - auch in der politischen- oder Wirtschaftspresse lohnt sich die Recherche nach Designthemen:

In PAGE, der deutschen Zeitschrift für Design und Gestaltung beinhalten die Ausgaben 1/2013 und 7/2016 ausführliche Sonderteile zum Thema „Kreative Recherche“.

Abschliessend noch einige ergänzende Links von mir zum Themenfeld Design / Architektur:

Und - nicht zu vergessen: die Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main können Sie nach vorheriger Anmeldung auch besuchen und dort recherchieren - das Team von Helge Aszmoneit wird Sie gerne dabei unterstützen.

Upcycling von ausrangierten Fahrrädern - so kann’s gehen

20161207 Titelbild ADFC-Fahrradwelt 6 16 Upcycling

Titelbild RADWELT 6.2016 - Mitgliedszeitschrift des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC), Bremen / Redaktion RADWELT, Berlin


Bremen/Berlin/Frankfurt am Main, 7.12.2016 - Jetzt ist es ja beileibe nicht so, dass wir uns auf diesen Seiten regelmässig mit der Vorstellung von Produkten beschäftigten, seien diese unserem Designverständnis nach auch noch so schön.

Aber Ausnahmen müssen hier und da möglich sein - so wie heute.

Gestern durfte ich die aktuelle Ausgabe der RADWELT, Mitgliederzeitschrift des ADFC, Bremen aus meinem Briefkasten fischen und der Titel machte mich spontan sehr neugierig: Upcycling von Fahrrädern oder deren Teilen - mmh, sicherlich wieder so ein bemühter Versuch, krampfhaft das Thema Nachhaltigkeit zu bedienen?!

Weit gefehlt: als ich den Artikel aufblätterte, fand ich tolle Gebrauchsartikel mit hohem Designanspruch - für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche.

Aber der Reihe nach. 4,35 Millionen Fahrräder wurden den AutorInnen der RADWELT zufolge im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft - gute Frage, was dabei mit den ausrangierten Rädern passiert? 

Naheliegend, sie an „gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen (zu) spenden“. Nicht ganz so naheliegend sind dann die Beispiele des etwas anderen „Upcyclings“…

Warum also keine Garderoben oder Wandhaken aus Sätteln oder Fahrradlenkern?

Andreas Scheiger zeigt mit seinen Kunstobjekten des Projektes „Upcycle Fetish“, wie ein entsprechendes „Second Life“ ausschauen kann - auch Bremsgriffe oder Fahrradfelgen erscheinen auf einmal in ganz neuem, ungewohnten Licht.

Der Fahrradkomponenten-Hersteller Tune aus Buggingen im südlichen Schwarzwald schlägt in seinem aktuellen Katalog vielfältige Nutzungsmöglichkeiten ausgedienter Teile vor - Fackelhalter aus Nabenkörpern sind dabei noch nicht die ausgefallensten Objekte. 

Und was aus ausgedienten Fahrradreifen alles werden kann, können Sie hier bewundern und natürlich auch kaufen.

Sie basteln lieber selbst? Auch kein Problem. Lernen Sie auf der Dea Vita-Website, welche neuen Leben zum Beispiel noch in einer ausgedienten Fahrradkette stecken können.

Besonders faszinierend finde ich aber die absolut funktionalen Formsitze von Bernd Brinkmann oder die Design-Leuchten des englischen Künstlers Stuart N.R.Wolfe, der diese in Handarbeit in seinem Berliner Atelier fertigt.

Wirtschaftsgipfel 2016 der Süddeutschen Zeitung in Berlin - was steckt für den Handel drin?

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Museum für Kommunikation - Tagungsort des SZ-Wirtschaftsgipfels 2016 in Berlin - Quelle: wikipedia


Berlin/München, 5.12.2016 - Lang, lang ist’s her, dass Zeitungsverlage in erster Linie Printprodukte herstellten und werktäglich per Abo oder Kioskverkauf unter die Leser brachten - längst ist deren Angebotspalette von digitalen Services, über Co-Branding-Aktivitäten bis hin zur Veranstaltung von Seminaren, Veranstaltungen oder gar Kongressen angewachsen, manche meinen gar - ausgeufert. 

Neben anderen überregionalen Medien wie FAZ, Zeit, Handelsblatt, Welt oder den Zeitungen der Dumont-Gruppe steht auch die Münchner Süddeutsche Zeitung hier nicht hintan: deren jährlich im November stattfindender Wirtschaftsgipfel hat es aber in sich. 

Die illustre Gäste- und Teilnehmerschar aus Wirtschaft und Politik erinnert eher an den Auftrieb zum Davoser Weltwirtschaftsforum als an eine „normale“ Konferenz.

In diesem Jahr waren mal wieder die drei Tage vom 17.-19.11. fest für Berlin gebucht - und es ging beim SZ-Wirtschaftsgipfel auch um Handelsthemen - und das nicht nur am Rande.

Künstliche Intelligenz - für unsere Branche bedeutet das: Digitalisierung auf sämtlichen Stufen der Wertschöpfung - bis hin in den Verkaufsraum (und ins Internet sowieso - das ist ja schon sui generis digital). Neu wird sein, dass selbstlernende und intelligente Algorithmen nicht nur in der industriellen Produktion Raum greifen, sondern auch zunehmend autonome unternehmerische Entscheidungen treffen werden (Yvonne Hofstetter, Managing Director von TERAMARK Technologies GmbH). Diese Entscheidungen basieren im Kern auf der Nutzung und intelligenten Auswertung riesiger Datenbanken und -sammlungen (Big Data) - Algorithmen sind im Gegensatz zum Menschen in der Lage, in diesen Datenmengen intelligente Muster zu erkennen und diese zur Vorhersage künftiger Ereignisse nutzbar zu machen (Predictive Analytics).

Hofstetter plädierte aber auch dafür, die gesellschaftlichen Gefahren dieser neuen technischen Möglichkeiten in den Blick zu nehmen - wie Arbeitslosigkeit oder (flächendeckende) Überwachung von Menschen.

Positiv eingeschätzt wurde von verschiedenen Teilnehmern, darunter dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Telekom AG, Timotheus Höttges, das Potential der deutschen Unternehmen, weltweit eine Führungsrolle bei der Entwicklung und Produktion von Technologien und Produkten rund um die Themenfelder „Internet of Things“ und „Industrie 4.0“ einzunehmen. Gestützt wurde diese sehr optimistische Einschätzung durch die Bedeutung der deutschen Industrie v.a. bei Maschinenbau, Automobilfertigung, pharmazeutischer bzw. chemischer Industrie sowie der Logistik. 

Business-2-Consumer verloren, dafür Business-2-Business schon so gut wie sicher in der Tasche?

Der zweite Kongresstag begann dann im Breakfast-Panel 2 mit dem Thema: „Droht der Handel an der Digitalisierung zu scheitern?“

Segmentübergreifend identifizierten die Diskutanten wichtige Trends:

  • Steigerung der Mieten für Gewerbe und Handel in den Innenstädten durch weitere Verdichtung aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbeflächen
  • Für Händler ergibt sich daraus eine höhere Kostenbelastung, die sie durch Flächenreduktion aufzufangen versuchen werden
  • Möglich ist daraufhin eine weitere beschleunigte Abwanderung von Kunden ins Netz - das bedeutet stärkere Fokussierung der Händler auf ihre Online-Aktivitäten.
  • Stationäre Händler müssen diesem Trend durch Ausbau ihrer Servicequalität entgegensteuern - Home Delivery Services werden von Kunden zunehmend auch im stationären Handel erwartet. Ansonsten bleibt auch diesen nur, sich schwerpunktmässig auf Online-Vertriebskanäle zu verlagern und ihre stationären Aktivitäten als Kundenbindungsmassnahme zu betrachten. Hier muss dann allerdings ebenfalls mit hohen Kundenerwartungen umgegangen werden: Erlebniswelten, Digitalisierung des Beratungs- und Verkaufsprozesses (z.B. durch Unterstützung von Digital Signages, Tablets oder „intelligenten“ Umkleidekabinen)
  • Online-Handel mit (frischen) Lebensmitteln wird das „Next Big Thing“ 

Aus Schweizer Sicht - 5 Empfehlungen für den deutschen Handel


Zürich/Frankfurt am Main, 3.12.2016 - Manchmal schadet es ja nicht, von aussen einen unabhängigen Blick auf die Dinge zu werfen - sicherlich auch dem deutschen Handel nicht.

Geben wir also Dr. Florian Heidecke, Senior Principal Consultant und E-Commerce-Experte bei der Schweizer Full-Service-Webdienstleistungs-Agentur Namics das Wort, der für das kommende Jahr 2017 „Fünf Digitaltrends für den Handel“ identifiziert:

„(1) E-Food

Kleidung, Bücher, Technik und mehr kommen heute dank des Online-Handels bequem nach Hause. Nur bei frischen Lebensmitteln sind die Deutschen noch vorsichtig. Während in der Schweiz mit Migros und Coop bereits seit mehreren Jahren zwei grosse Retailer um die Online-Kunden konkurrieren, stecken entsprechende Angebote in Deutschland oft noch in den Kinderschuhen. Kaufland, Rewe und Co. experimentieren seit diesem Jahr kräftig und konkurrieren dabei mit diversen Start-ups. Alle buhlen dabei um die optimale Startposition, um den vermutlich in 2017 auch in Deutschland aufkommenden Lieferservice Amazon Fresh auf Distanz zu halten. Schlüsselfaktoren für den Erfolg sind hierbei vor allem Schnelligkeit und Flexibilität, ein möglichst breites Sortiment, die intelligente, eigene (Frische-) Logistik und ein herausragender Kundenservice.

(2) Direct-to-consumer

Direkt mit den Kunden in Kontakt treten – das steht für immer mehr B2C- und B2B-Unternehmen auf der Agenda. Kein Wunder, denn die klassischen Absatzkanäle sind heute schon fragmentiert und stark vom E-Commerce beeinflusst. Eine Lösung für mehr Kundenkontakt sind eigene Shops. Doch wer selbst Produkte und Services absetzen will, braucht für die Verwaltung und Nutzung von Endkundendaten die notwendigen Strukturen und Systeme. Nur so lässt sich ein umfassendes Kundenbild zeichnen, das wiederum Cross- und Up-Selling-Potenziale ermöglicht sowie eine Personalisierung der Kommunikations- und Marketingmassnahmen erlaubt. Diese 360-Grad-Kundensicht aufzubauen, wird eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.

(3) Mobile Payment

In Japan ist der mobile Bezahldienst so populär, dass Server nach dem Start sogar zeitweise zusammengebrochen sind. Die Rede ist von Apple Pay, das wohl auch in Europa zeitnah die Art des Bezahlens – und damit auch den Online-Handel – verändert. Bezahlen mit dem Mobiltelefon, der Smartwatch oder auch Laptops wie dem neuen Macbook Pro wird 2017 deutlich an Fahrt gewinnen. Um hiervon zu profitieren, stellen sich auch die Banken als ehemalige Platzhirsche neu auf. Ein Beispiel ist die Fusion der beiden Schweizer Bezahl-Apps Twint und Paymit. Die Zusammenlegung der beiden Systeme erfolgt Ende 2016 und rückt die fünf grössten Schweizer Banken näher zusammen, um Apple Konkurrenz zu machen.

(4) Digitale Kundenkarten

Klassische Kundenkarten haben ausgedient. An ihre Stelle treten digitale Pendants, die dank Smartphone immer mit dabei sind, Online- sowie Offline-Welt verknüpfen und über den Point of Sale hinaus eingesetzt werden können. Zudem sind sie messbar beim Betreten des Ladengeschäfts und erlauben so das Tracking des Einkaufsverhaltens in der Filiale und im Web. Darauf lassen sich wiederum personalisierte Angebote entwickeln und individualisierte Beratungen anbieten. Vor allem die Modebranche kann davon profitieren – sie müsste hierfür aber zeitnah nachziehen.

(5) Voice Commerce

Bereits als nächste Revolution der digitalen Welt gehandelt wird die intelligente Sprachsteuerung. Sie kann das universelle Eingabegerät der Zukunft werden. Konkrete Ansätze gibt es bereits. Amazon Echo, das über die Sprachassistentin Alexa gesteuert wird, kann zum Beispiel nicht nur Musik abspielen, sondern ermöglicht auch den Einkauf im Online Shop. Dass darüber auch Bestellungen in Deutschland oder der Schweiz möglich sind, ist dank offener Schnittstellen nur noch eine Frage der Zeit. Daher sollten Handelsunternehmen schon heute überlegen, wie sie diese digitale Innovation in ihr Angebot integrieren können.rlegen, wie sie diese digitale Innovation in ihr Angebot integrieren können.

Endgültiges Aus für Strauss Innovation

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Quelle Logo - pixabay.com / Bearbeitung: Michael Borchsrdt


Langenfeld, 2.12.2016 - Nach mehr als 100 Jahren geht die Geschichte der Traditions-Warenhauskette Strauss Innovation unrühmlich zu Ende: nach Jahren der Krise informierte Insolvenzverwalter Dirk Andres die Belegschaft, dass trotz intensiver Bemühungen kein Investor für das Unternehmen gewonnen werden konnte. 

Jetzt werde der Geschäftsbetrieb stufenweise eingestellt, wie dpa und APX berichten.

Das Weihnachtsgeschäft werde man im Unternehmen noch mitnehmen aber spätestens Ende Februar werden in den bundesweit 57 Filialen und in der Verwaltung in Langenfeld die Lichter ausgehen.

Der dritte Insolvenzantrag seit 2014 (damals in Eigenverwaltung) im September 2016 sollte noch einmal Ruhe in das Unternehmen bringen - jetzt werde lediglich der Online-Shop des Unternehmens weitergeführt. Hier können die Kunden auch Ware retournieren bzw. Rückerstattungen geltend machen.

„Ohne die Unterstützung durch einen oder mehrere Investoren ist es uns aufgrund von wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Vorgaben nicht möglich, Strauss Innovation dauerhaft weiterzuführen“, so Insolvenzverwalter Andres zu seinem Vorgehen.

Umso bitterer, als im Oktober 2015 ja erst die Deutsche Mittelstandsholding (DMH) aus Frankfurt am Main die Kette aus der damaligen Insolvenz übernommen und begonnen hatte, rund 20 unrentable Filialen zu schliessen und das Unternehmen damit gesund zu schrumpfen - die Mitarbeiterzahl sank bereits von etwa 1.100 auf rund 670.

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