Smartphone mit eingebautem Supermarkt

Logo der Lieferdienst-App Amazon Prime Now


Seattle/Berlin/München, 4.8.2016 - In Berlin und seit dem 3. August auch in München liefert Amazon Sendungen innerhalb einer Stunde aus, falls die Amazon-Prime-Kunden diese mit ihrer Smartphone-App „Amazon Prime Now“ bestellt haben. Die Kollegen von Mac & I und der Süddeutschen Zeitung haben die Angebote in beiden Städten getestet.  

Voraussetzung für den Express-Lieferservice ist eine Amazon-Prime-Mitgliedschaft - die kostet per se schon einmal 49,- Euro pro Jahr.

Ausgeliefert wird dann in der Zeit von Montag bis Samstag - jeweils 0 Uhr. Bringen die Kunden länger Geduld auf als eine Stunde, bekommen sie ihre Produkte innerhalb zweier Stunden ohne zusätzliche Versandkosten zugestellt. Für die Lieferung innerhalb einer Stunde erhebt Amazon eine Gebühr von 6,99 Euro - Mindestbestellwert in beiden Fällen 20,- Euro. 

In Berlin hat Amazon hierzu ein Logistikzentrum mitten im alten Westberlin aufgebaut: die Räumlichkeiten eines ehemaligen Elektrofachmarkts am Kurfürstendamm bieten ideale räumliche wie auch örtliche Bedingungen. Die bestellten Waren werden hier in braune Papiertüten verpackt, die mit entsprechendem Barcode und der Kundenadresse versehen sind. Ist eine Sendung komplett, wird sie einem Kurier übergeben, i.d.R. einem Zusteller mit Lastenfahrrad. Unternehmen wie Go oder Interkep bieten diesen Service an. 

Per App am iPhone oder dem Android-Smartphone ist die Bestellung rasch aufgegeben: zahlreiche Kategorien wie Obst und Gemüse, Kühlprodukte, Elektronik, Küchenhelfer u.a. erleichtern die Suche. Wohlgemerkt: obwohl das Prime Now-Angebot mit rd. 15.000 Artikeln sehr umfangreich ist, wird es logistisch strikt getrennt vom regulären Amazon-Sortiment gehalten. 

Im Testzeitraum Anfang Juni, so die Kollegen von Mac & I für Berlin, gab es noch so mache Kinderkrankheit zu beklagen: Produkte waren nicht verfügbar und fehlten dann in den Sendungen, ohne dass ein Hinweis vorab per SMS erfolgte. Probeweise an der Hotline lancierte Beschwerden wurden zuvorkommend aufgenommen, aufgekommene Unmut auch schon mal mit einem 5-Euro-Amazon-Gutschein gedämpft. 

Auch die Bestellung zweier Wasserkästen innerhalb einer Stunde war logistisch nicht ganz von Perfektion gekrönt; der Kurier hatte keine Sackkarre im Auto, fand zuerst das Zustellgebäude nicht und musste anschliessend Tragehilfe durch kräftige Redaktionsmitarbeiter erhalten. 

Aktuell wird auch keine direkt ausdruckbare Rechnung mitgeliefert; man muss diese recht umständlich vom Handy aus drucken oder über das Amazon-Konto. Insgesamt - auch im Vergleich zu Wettbewerbern - konnten die Tester für Berlin aber grünes Licht für den neuen Amazon-Lieferservice geben.

Auch Christian Krügel, Münchner Kollege von der Süddeutschen Zeitung, hat einen ersten Test mit „Amazon Prime Now“ gestartet. 

Hier sind es kleine schwarz-blau lackierte Flitzer und E-Cargo-Räder, die dem etablierten Münchner Einzelhandel künftig zeigen sollen, wo der Bartel den Most holt. Und der darf ruhig aus lokaler oder regionaler Produktion stammen, gleiches gilt für die frischen Semmeln des Münchner Grossbäckers Rischart oder das Joghurt aus den nahen Alpen. 

Die Logistikzentrale hat ihren Sitz in der Hopfenpost an der Arnulfstrasse, früher Zentralpostamt Münchens, immerhin auf einer Fläche von 2.200 Quadratmetern und bahnhofsnah. 60 Mitarbeiter arbeiten hier im Schichtbetrieb von 8 - 23 Uhr.

Die erste Probe aufs Exempel - Kopfhörer und USB-Stick - werden statt in einer Stunde bereits nach 34 Minuten ausgeliefert. Zwar nicht von der vermeintlich äusserst charmanten Anja im blauen „Prime Now“-Kostüm, sondern zwei mittelalten Herrschaften mit pflegeleichter Glatze und „Neigung zum Bauchansatz“. Immerhin: die Enttäuschung wird dadurch etwas gelindert, dass der Kunde den gesamten Liefervorgang auf seinem Handy verfolgen kann - als wandernden violetten Punkt auf dem Münchner Kartenausschnitt. Und wenn es sein muss, darf auch der Pförtner die Sendung in Empfang nehmen.

„Um 9.49 Uhr wird die Bestellung per Handy aufgegeben. Um 9.51 Uhr kommt die Bestätigung per SMS, inklusive Link zum Münchner Stadtplan. Dort blinkt jetzt ein violetter Punkt nahe der Hopfenpost und eine verheißungsvolle Botschaft: ‚Anja ist auf dem Weg zu Ihnen!‘ (…) Und sie ist schnell: Ihr violetter Punkt nähert sich schon nach 15 Minuten flott Steinhausen. Um10.23 Uhr, exakt 34 Minuten nach der Bestellung biegt Anja auf den Vorplatz vor das Verlagshochhaus. Fazit des Tests: 'Amazons Angriff auf den Münchner Einzelhandel könnte gelingen - erst recht, wenn Anja kommt‘."

Die stationären Händler werden das neue Amazon-Angebot sicherlich zu spüren bekommen; die Convenience-Erwartung der Kunden wird einfach perfekt abgebildet; ökologische Bedenken lassen sich durch eine ebensolche Zustellung per E-Cargo-Fahrrad zerstreuen. 

So zitiert ein weiterer SZ-Kollege, Stefan Mayr, den Sprecher des Handelsverbandes Bayern (HBE), Bernd Ohlmann: "Das trifft den stationären Handel schon ins Mark“.

Wolfgang Fischer hingegen, Geschäftsführer der Initiative City-Partner von Unternehmen der Münchner Innenstadt, gibt sich gelassen: Das sei alles eine pure Luftnummer und bringe Amazon v.a. “kostenlose Werbung, um seine Prime-Abos zu verscherbeln" - wenn sich der gute Mann da mal nicht täuscht. 

Sicherlich haben die Geschäfte in der Münchner Innenstadt schon allein aufgrund der phantastischen Touristenfrequenz eine Sonderstellung gegenüber ihren Kollegen in anderen (Gross-)Städten und die Touristen werden sich sicherlich nicht ihres Einkaufserlebnisses berauben lassen - bei den heimischen Konsumenten schaut die Sache gänzlich anders aus.

Amazon plant jedoch schon weiter: in den nächsten Tagen wird „Amazon Locker“ an den Start gehen, eine der DHL-Packstation vergleichbare Möglichkeit, Pakete abzuholen und einzuliefern. Und ein weiterer Anbieter von Paketstationen wird bim Herbst seinen Service lancieren: Parcellock - eine Kooperation der Logistiker DPD, GLS und Hermes - und für sämtliche Paketdienste offen.

Aber eines ist sicher: die Expansion von „Amazon Prime Now“ wird weitergehen - wahrscheinlich ist Frankfurt am Main als nächste Grossstadt dran. Laden Sie sich schon mal die App herunter!

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