Deutschland auf dem Weg zum Umtauschparadies

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Quelle: Media-Markt


Frankfurt am Main, 22.8.2016 - Erst vor ein paar Tagen kündigte IKEA an, sich auch in Deutschland wieder vom 2014 eingeführten lebenslangen Umtauschrecht verabschieden zu wollen. Die Frist wird ab dem 1. September 2016 365 Tage betragen. 

Ein Anlass, sich mal intensiver mit den Umtauschfristen bei Deutschlands Händlern zu beschäftigen. Denn - eigentlich gilt: Gekauft ist gekauft. 

Klar, es gibt die gesetzliche Gewährleistungsfrist von 6 Monaten ab Kauf, es gibt darüber hinaus Kulanzregelungen einzelner Händler oder Filialisten. 

Aber Umtauschfristen von mehreren Wochen, gar unbefristete Umtauschangebote? 

Handelsblatt Online zitiert hierzu den Handelsexperten Martin Fassnacht, der an der Wirtschaftshochschule WHU lehrt: „Die Händler in Deutschland waren schon immer recht kulant beim Umtausch. Aber durch den Online-Handel ist der Druck, in diesem Bereich kundenfreundlich zu agieren, noch einmal deutlich gewachsen.“ 

Stimmt, laut Fernabsatzgesetz haben die Kunden im Online-Handel die Möglichkeit, gekaufte Waren innerhalb von vierzehn Tagen zurückzugeben (sofern diese nicht individuell angefertigt wurden). Diese Besonderheit des Versandhandels übertragen die Kunden immer häufiger - sich nicht immer der Rechtslage bewusst - auf den Präsenzhandel. 

Der Handelsverband Deutschland (HDE) stellt denn auch fest, dass „eine solche Umtauschmöglichkeit inzwischen ‚häufig selbstverständlich vorausgesetzt und zum Teil selbstbewusst eingefordert‘ wird.“ 

Für Händler stellt das ein Problem für die Planbarkeit des Warenbestands und die Marge dar. 

Noch toller geht es bei den Filialisten und Discountern zu: H&M-, Primark- und KiK-Kunden haben beispielsweise vier Wochen lang die Möglichkeit, Ware umzutauschen; Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nehmen sogar Lebensmittel „zeitlich unbegrenzt und ohne Vorlage des Kassenbons“ zurück. 

Natürlich hat die verlängerte Umtauschfrist auch positive Seiten für die Händler: sie reduziert das Risiko von Fehlkäufen und erleichtert den Kunden die Kaufentscheidung. 

Und die sind mit der Umtauschpraxis des Einzelhandels sehr zufrieden (90 Prozent), wie eine Allensbach-Studie im Auftrag des HDE herausgefunden hat. 

Die Hitliste bei den Umtäuschen führen übrigens Bekleidungs- und Elektroartikel an. Danach teilen sich Heimwerker-Artikel, Möbel und Lebensmittel die Plätze. 

Frauen geben dabei gerne Produkte wegen Nichtgefallens zurück; Männer reklamieren häufiger defekte Produkte. 

So oder so - „(…) langfristig werden die längeren Umtauschfristen zum Standard werden“, so Martin Fassnacht von der WHU.

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