Es gibt sie immer noch, die guten Dinge -
im Manufactum - Warenkatalog Nr. 29


Cover des neuen Manufactum-Katalogs - Quelle: Manufactum GmbH & Co. KG, Waltrop


Waltrup, 26.8.2016 - Wahrscheinlich hat selten ein Werbemedium soviel Aufsehen erregt und wissenschaftliche Publikationen inspiriert wie der Manufactum-Warenkatalog - und das jetzt bereits seit 1987. Damals umfasste der Katalog rd. 500 Produkte, in der aktuellen Ausgabe sind es 8.500. Darauf weist auch der aktuelle Geschäftsführer der Manufactum-Gruppe, Dr. Christopher Heinemann nicht ohne Stolz im Editorial des aktuellen Katalogs hin. 

Wenn auch die rechtliche Eigenständigkeit Manufactums seit geraumer Zeit aufgegeben wurde - der Gründer Thomas Hoof verkaufte seine restlichen Anteile im Herbst 2007 an die Otto-Gruppe - und der Hamburger Konzern bereits seit Ende der neunziger Jahre über seine Tochter Heine an Manufactum beteiligt war, so steckt doch immer noch sehr viel des ursprünglichen Gründergeistes im Unternehmen - und auch im Warenkatalog.

Thomas Hoof, gelernter Buchhändler und vorübergehend auch mal Landesgeschäftsführer der Grünen in Westfalen, soll einem „on-dit“ zufolge auf der Suche nach einem „vernünftigen“ Küchenmesser gewesen sein - bis er ein ebensolches beim Profi-Lieferanten DICK aus dem schwäbischen Deizisau entdeckte. Und viele andere gute Dinge, die in den vergangenen Jahrzehnten durch die Handelskonzentration und Nachfrageveränderungen vom Markt verschwunden waren und nun in den Manufactum-Katalog Eingang fanden.

Mario Vigl schreibt am 16. Dezember 1994 auf ZEIT online dazu:

„ Die Jury des ‚Internationalen Designpreises des Landes Baden-Württemberg'  zeichnete den Katalog 1993 mit einer Nominierung aus. Begründung: Die Sprache hebe sich angenehm ‚von dem üblichen Werbegeschwätz‘  ab; der Katalog tue mehr für das Designbewußtsein als jeder noch so gut gestaltete Gegenstand: ‚Wohltuend ist hierbei, daß auf jede weltverbesserische Attitüde verzichtet wird.

Auf den ersten Blick stimmt das. Beim genaueren Lesen wird klar: Der Manufactum-Katalog ist ein Wolf im Schafspelz. 

Denn natürlich ist ein Katalog, der die ‚guten Dinge‘  preist, eine Protestschrift gegen die Verschuldung der Welt, gegen Massenware und Plastikschrott, gegen die Wegwerfgesellschaft und gegen die verlorengegangene Liebe zum alltäglichen Werkzeug.“ 

Und es ist nach wie vor ein sinnliches und literarisches Vergnügen zugleich, den wohlgesetzten Formulierungen des Warenkatalogs zu folgen. Mal nüchtern-zurückhaltend, mal mit einem stillen Feuer und dann wieder nachgerade enthusiastisch werden die „guten Dinge“ dem Leser vorgestellt. 

Dass darunter auch hübsche Orchideen ranken und sich entfalten dürfen wie jene auf Seite 100 des aktuellen Katalogs - die BADEWANNE KUPFER - versteht sich fast von selbst: 

„Solche Prachtstücke entstehen, wenn eine tausendjährige Badekultur auf eine ebenso alte, bis heute lebendige Handwerkskultur trifft - und zwar unter Abertausenden Hammerschlägen."

Gut, da mag das texterische Gäulchen etwas durchgegangen sein, aber die Wanne ist halt auch einfach schön.

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BADEWANNE KUPFER - Quelle: Manufactum-Warenkatalog Nr. 29, S.100

Aber - wo viel Licht, da auch viel Schatten. In der Spiegel-Ausgabe 16/2014 polemisieren die beiden Autoren Georg Diez und Thomas Hüetlin in ihrem Artikel „Es gibt sie noch, die bösen Dinge" heftig über Thomas Hoofs Persönlichkeitsstruktur und Weltanschauung und rücken ihn und einige Veröffentlichungen seines Verlages Manuscriptum dabei in die Nähe von Herrenmenschen und anderen braunen Unbelehrbaren - aber diese Kritik schein, zumindest in ihrer Pauschalität, doch deutlich über’s Ziel hinausgeschossen zu sein. Manufactum seinerseits aber hat auf die öffentlich ausgetragene Kontroverse reagiert - und die Zusammenarbeit mit Hoofs Verlag Manuscriptum beendet.


Blättern Sie doch einfach schon mal online im Katalog.

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