IKEAs Zukunftslabor - „Life at Home“-Report




Älmhult, 12.7.2016 - Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. Juni 2016 macht der Autor Tobias Rüther mit einer hübschen aber prägnanten Story aus dem Leben der Peanuts auf:


„Einmal kauft Snoopy von den ‚Peanuts‘ für Woodstock ein Vogelhaus. Aber der Eingang ist zu klein, also sägt Snoopy das Loch größer und stopft den zeternden Woodstock mehr oder weniger hinein, so dass er zerrupft in seinen neuen, kahlen vier Wänden landet.

Als Snoopy später wieder reinschaut, räkelt sich Woodstock auf einer Récamiere unter einer Bogenlampe, hört mit Kopfhörern Cocktail-Jazz, an den Wänden hängt abstrakte Kunst, zwischen gestreiften Läufern liegen Sitzkissen, eine freischwingende Wendeltreppe führt ein Stockwerk höher, wo zweifellos der Höhepunkt dieses Don-Draper-Birdhouses wartet - den wir aber nicht zu sehen kriegen in diesem Trickfilm, denn Snoopy kann das alles nicht fassen. 

Will das auch haben. Steckt seine Schnauze durchs Loch, verhakt sich, schüttelt alles durcheinander, Woodstock, die Lampe, die Kunst, bis das Haus platzt. Am Ende schlafen die beiden Mad Men wieder auf dem Dach von Snoopys Hundehütte.

Und all das beschreibt ziemlich gut, welches Problem das Möbel-Imperium Ikea im Jahr 2016 besonders beschäftigt: Wir müssen Dinge entwerfen, sagt Jesper Brodin, einer der leitenden Manager des schwedischen Konzerns, ‚die von außen kleiner als von innen sind‘. Außen Vogelhaus, innen Loft und Cocktails.“

Die kleine Geschichte macht auf die spannende empirische Vorgehensweise IKEAs aufmerksam: der „Life at Home“-Report entsteht wirklich in Wohnungen und Häusern rund um die Welt - und dokumentiert, wie es dort ausschaut und zugeht.

Im nunmehr dritten „Life at Home“-Report richtet sich der Fokus von Jesper Brodin, einem leitenden IKEA-Manager, auf das international immer dringlicher werdende Problem des Wohnraums - genauer: dessen Schrumpfen. 

IKEA müsse deshalb Produkte bauen, die kleiner aussehen, als sie sind. 

Platzsparküchen, ein Multifunktionsbett, das auch Récarmière oder Doppelbett sein kann usw. „Storage“ und „Data“ sind hierfür die Schlüsselbegriffe. 

Erst durchs genaue Hinschauen gelangen IKEA bzw. dessen Designer, zu neuen Produktentwürfen, die traditionelle Funktionalitäten aufbrechen bzw. erweitern. 

Aber auch die Erweiterung des Lebensraums nach draussen haben die IKEA-Chefdenker vor Augen. Wie muss sich also der öffentliche Raum verändern, damit er den neuen Lebenserfordernissen der Menschen gerecht werden kann. Beispielhaft wird hier die Generation der „Millenials“ vorgeführt - also die Zwanzig bis Dreissigjährigen, die am gleichen Tisch frühstücke und anschliessend arbeite, online esse und trinke - und die Freunde haben, die das gleiche tun. 

Konsequenz für die IKEA-Produktentwicklung: Möbel und Accessoires für multifunktionale Räume, im Schwedischen „Allraum“ genannt - und damit das IKEA-Motto voll erfüllend: „Entdecke die Möglichkeiten“. Bleibt das Problem der Individualität beim hunderttausendfachen Kauf der immergleichen Produkte und Accessoires - „Being IKEA“ versus „Being Yourself“.

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