RetailWatch - Aktuell


Tupperware® - Abschied von den Parties?

Foto: Tupperware Deutschland GmbH - Verwendung mit deren freundlicher Genehmigung.


Orlando/Florida - Frankfurt am Main, 21.6.2018 - Seit 1962 ist das US-Unternehmen Tupperware Brands nun auf dem deutschen Markt aktiv und 90% der deutschen Haushalte kennen den berühmten „Tupper-Seufzer“, das sanfte Geräusch beim Verschliessen der wunderbar auslaufsicheren Kunststoffdosen, die inzwischen längst zum Gattungsbegriff für leichte, wiederverschliessbare und -benutzbare Behälter aus Kunststoff geworden sind.

Und die Idee des US-Chemikers Earl S. Tupper war zu seiner Zeit wirklich genial: kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs experimentierte er mit dem Kunststoff PE - Polyethylen - und kreierte die „Wonderbowl“, eine Schüssel, die in der Lage war, Lebensmittel luftdicht abzuschliessen, dadurch deren sauerstoffbedingte Oxidation zu verlangsamen und sie somit deutlich länger konsumierbar zu machen.

Ungewöhnlich allerdings war und ist bis heute der Vertriebsweg der Tupperware-Produkte: die „Tupperparty“. 

Sehr gerne denke ich an diverse Einladungen zu solchen Events zurück - zu Zeiten, als der Begriff noch nicht so abgenutzt war wie heute.

Die Gastgeberin bzw. Veranstalterin legte sich vor einer Tupperparty regelmässig wie verrückt ins Zeug und tafelte an der Party Selbstgebackenes und -gekochtes in immer ausgefeilteren Variationen auf. Dazu flossen nicht minder regelmässig erhebliche Mengen Schaumweins - idealer Essensbegleiter und Stimmungsmacher zugleich.

Teils schon während des Apéritivs, teils erst während des Menus oder Buffets wurden dann die ersten Dosen, Kannen, Boxen, Schütten, Schüsseln u.s.w. herbeigeholt und fachfraulich demonstriert.

Weder vorher noch nachher habe ich so konzentrierte und gleichzeitig enthusiastische und begeisterte Damen kennenlernen dürfen (naja, von einigen Ausnahmen abgesehen). Aktuell liegt der Umsatz pro Party im Schnitt bei 400 Euro - 25% davon gehen als Honorar an die Partymanagerin. Zu meiner Zeit wurde zum Bezahlen der Tupperware-Einkäufe auch schon mal das Euroscheck-Heft herausgeholt - und nicht selten vierstellige DM-Beträge auf dem Scheckformular eingetragen.

Und nun?

Vor ein paar Tagen eröffnete Tupperware auch in Deutschland einen Online-Store.

Hier gibt es alles, was das Kochen, Backen, Einfrieren und Aufbewahren angenehmer und leichter macht - und auch für Ästheten unter uns ist bestens gesorgt. Erstaunlich viele Produkte sind mit renommierten Designpreisen ausgezeichnet - das Auge soll ja bekanntlich auch mitessen.

Und die Zukunft der Tupperparty?

Die wird es auch weiterhin geben - die deutsche Website weist darauf hin, dass aktuell (18:36 CEST) mehr als 21.000 Tupperparties weltweit zugange seien. Und auch die lokale Tupperparty-Managerin profitiert künftig von Online-Umsätzen in „ihrem“ Vertriebsgebiet.

So lässt sich die Initiative von Tupperware Brands bzw. Tupperware Deutschland zugunsten eines zusätzlichen Verkaufskanals wohl auch mit dem steigenden Kostendruck in der Branche begründen.

Hier dürfen wir auch an die Frankfurter Herbstmesse TENDENCE erinnern, die in gut einer Woche eröffnen und den Besuchern zeigen wird, wieviele Wettbewerber von Tupperware sich inzwischen im Markt tummeln - teils in grottiger, teils in exzellenter Qualität. Dazu das gesamte Spektrum der Verkaufskanäle - von der Supermarkt-Grossfläche über den Discounter bis hin zum klassischen Fachgeschäft bzw. Fachmarkt. Ferner Baumärkte, Möbelhäuser, Tankstellen-Stores usw. usw.

So sind auch die noch bis vor kurzem angepeilten 500 Tupperware-Studios für Deutschland erst einmal vom Tisch.

Ganz anders in Übersee: für China werden laut eines Handelsblatt-Berichts vom 11.6.2018 in der Spitze 20.000 Tupper-Studios geplant - einige Tausend davon sind schon in Betrieb. Deutlich weniger wurden bereits in Nord- und Südamerika und den GUS-Staaten eröffnet, so die Handelsblatt-Kollegin Katrin Terpitz in ihrem Beitrag „Tupperware startet deutschen Webshop - Pläne für 500 Studios auf Eis“.

Wie auch immer die gerade aktuelle Vertriebsstrategie hinsichtlich der Absatzkanäle aussehen mag - ein Webshop rentiert sich deutlich schneller und nachhaltiger als ein risikobehaftetes Rollout von Monobrand-Stores in den 1a-Lagen unserer Grossstädte. Hinzu kommt erschwerend, dass auch andere attraktive Marken um Handelsimmobilien in diesem Umfeld konkurrieren. 

Zudem wurde 2017 von der US-Mutter Tupperware Brands ein „Revitalisierungsplan“ lanciert, der eine Kostensenkung von 100 Millionen Dollar bewirken soll - nach Nettoverlusten von mehr als 265 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Als wäre das nicht schon ambitioniert genug, schlägt auch noch die Trump’sche Reform der US-Körperschaftsteuer zu - hier dürften nach Einschätzung des Handelsblatts nochmals rund 375 Millionen US-Dollar an den amerikanischen Fiskus fliessen.

Kein Wunder also, dass sich regionale wie inhaltliche Schwerpunkte von Tupperware International wandeln und verschieben. Schwellenländer sind aktuell die angesagten Märkte für die Produkte der Kernmarke, während in den klassischen Industrieländern längst Kosmetikprodukte der Konzerntöchter Nutrimetics oder Nuvo Cosmetics dominieren.

Amazon - landen Ihre Rücksendungen im Müll?

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Seattle, 10.6.2018 - Einigermassen fassungslos hinterlässt uns eine wenige Minuten alte Meldung auf Süddeutsche.de. Darin beschreiben die Kollegen, wie in den deutschen Logistiklagern von Amazon Retouren, also neuwertige Waren, behandelt werden.

Statt diese wieder in den Logistikkreislauf zurückzuführen, 

„…werden in den deutschen Logistiklagern des Versandhändlers in großem Umfang‘  Güter aller Art entsorgt, darunter Kühlschränke, Handys, Matratzen und Möbel.“

Bei diesen „entsorgten“ Gütern handelt es sich jedoch anscheinend nicht nur um unbrauchbare Waren, sondern auch funktionstüchtige und teilweise neue Artikel.“  

Gestützt werden die Zitate auf Süddeutsche.de durch Recherchen der Wirtschaftswoche und des ZDF-Magazins frontal21.

Diese beziehen sich bei Ihren Aussagen auf interne Produktlisten, Fotos und Mitarbeiteraussagen“.

Dabei berichtet eine Mitarbeiterin in einem deutschen Amazon-Logistikzentrum davon, dass sie „jeden Tag Waren im Wert von mehreren 10 000 Euro vernichtet habe.“

Süddeutsche.de über die Reaktion des Online-Versenders:

Amazon bestreitet nicht, Artikel zu entsorgen, erklärt aber, über mehrere Programme zu verfügen, um die ‚Entsorgung von Produkten' weiter zu reduzieren - etwa über Wiederverkäufe oder Spenden. Amazon arbeite ‚kontinuierlich an der Verbesserung von Nachfrageprognosen', um die Zahl nicht verkaufter Artikel zu minimieren, teilte der Händler in seiner Stellungnahme mit. Den Medienberichten zufolge bietet Amazon seinen Entsorgungsdienst auch externen Anbietern an, die den Logistikservice ‚Versand durch Amazon‘ nutzen.“

Die deutsche Politik reagierte am Wochenende bestürzt und forderte Amazon auf, die Vorwürfe aufzuklären. Umweltstaatssekretär Flasbarth kritisierte die mit der Amazon-Praxis verbundene Ressourcenverschwendung und nannte sie einen „riesengrossen Skandal“. Ähnlich äusserten sich der frühere Umweltminister Klaus Töpfer und der Staatssekretär im Justiz- und Verbraucherschutzministerium, Gerd Billen. In seinen Augen rechneten Amazon-Kunden natürlich nicht damit, dass ihre zurückgesandten Produkte vernichtet würden. „Die Organisation Greenpeace forderte ein gesetzliches Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware“, so Süddeutsche.de abschliessend.


frontal21 - „Für die Tonne. Amazon vernichtet massenhaft neuwertige Produkte

Wirtschaftswoche - „Warenvernichtung bei Amazon und Co. Warum Entsorgung oft billiger als Spenden ist“

Shopping in the City - E-Commerce wird grün

2018-06-09 Grafik Senat Berlin Modellprojekt in Berlin startet- Lieferverkehr mit Lastenrädern nachhaltig gestalten - Berlin.de

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) bzw. CC-BY -SA 3.0 - Transportrad, wikipedia.de) / Montage und Bearbeitung: Michael Borchardt


Berlin, 9.6.2018 - Wer von Ihnen bei dem Begriff KoMoDo bislang zuerst an eine der Kleinen Sundainseln Indonesiens dachte, muss sich ab sofort umorientieren: das Pilotprojekt gleichen Namens steht für Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern in Berlin. 

Alles klar? Naja, hier kündigt sich nichts weiter an als eine kleine Revolution für den Lieferverkehr auf der letzten Meile. Wo sich bislang in einigen Strassen mehrmals pro Tag die berüchtigten Paketdienstleister mit ihren Transportern die Halteplätze streitig machen, sollen künftig umweltschonende Lastenfahrräder mit geschlossenem Kastenaufbau verkehren.

Teilnehmer auf Seiten der Paketdienstleister sind die BIG FIVE der Branche - DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS - CI-stiftend in den jeweiligen Unternehmensfarben lackiert und gebrandet. 

Zur Verfügung gestellt wird der innerstädtische Umschlagplatz mit je in einem eigenen Container untergebrachten Mikro-Depot von der anbieterneutralen BEHALA, der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH. 

Ohne weitere öffentliche Unterstützung wäre aus dieser spannenden Idee wahrscheinlich nichts geworden. Hier haben sich u.a. verdient gemacht

  • Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berlin
  • LogisticNetwork Consultants GmbH (Projektkoordinator)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Förderprogramm im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative)

Eingebunden sind darüber hinaus Verbände wie

  • Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V.
  • Bundesverband Deutscher Postdienstleister e.V.
  • Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V.
  • Deutsches Institut für Normung e.V.

Für die Dauer vorerst eines Jahres wird so die „emissionsfreie Zustellung auf den letzten Kilometern“ vom Mikrodepot bis zu den Haushalten und Unternehmen getestet; das Mikrodepot bildet somit den Ausgangspunkt für die Anlieferung, das „Picken“ und letztlich die Auslieferung der Sendungen.

Die Infrastruktur bis zu den Mikro-Depots wird weiterhin von den einzelnen Paketdiensten betrieben und bestückt.

Spannend werden die Erfahrungswerte - auch für andere Kommunen - sein, die sich aus dem Pilotprojekt ergeben. Seit wenigen Tagen (1.6.) radeln die Lastenfahrräder jetzt um die Wette - und schonen mit jedem Meter, den sie zurücklegen, bereits jetzt Umwelt und Nerven der Anwohner.


Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Tipps für Kommunen zur Förderung von Lastenrädern im Wirtschaftsverkehr (VCD)

Leitfaden: Lastenräder einsetzen - bei Grossveranstaltungen / in Grosseinrichtungen

Update: Amazon Go - Supermarkt ohne Kassen

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) / Screenshot der Amazon Go-App / Montage: Michael Borchardt


Seattle, 22.1.2018 - Seit langem arbeitet Amazon an seiner ganz eigenen Version des Supermarkts 2.0: bequem für die Kunden, keine Kassen, deshalb auch keine Warteschlangen - aber auch keine KassiererInnen mehr. Einkaufswagen oder -körbe sucht man hier ebenfalls vergeblich.

Ein ungewohntes Bild in der 7th Street in Downtown Seattle: die Kunden checken am Eingang des rund 170 Quadratmeter grossen Amazon Go-Supermarkts mit ihrem Smartphone ein, dazu muss darauf die App „Amazon Go“ installiert sein. Auch dieser Vorgang läuft bereits (fast) vollautomatisch ab: beim Durchschreiten einer halbhohen Lichtschranke verbindet sich das KI-System des Ladens durch Einscannen des individuellen QR-Codes auf dem Bildschirm der App; der Kunde wird im gleichen Moment vollautomatisch erkannt und sein virtueller Kassenzettel für den Einkauf in der App angelegt.

Auf seiner anschliessenden Shopping-Tour durch Amazon Go wird jeder Kunde auf Schritt und Tritt von intelligenten Kameras überwacht und begleitet. Davon gibt es im Supermarkt der Zukunft hunderte. Sie erkennen zuverlässig, welche Waren die Kunden in ihre Einkaufstüte packen oder wieder zurück ins Regal stellen. 

Nach dem Einkaufsbummel verlässt der Kunde einfach den Laden - und gut ist. Wenn er nicht möchte, muss er während des gesamten Einkaufs mit keinem Menschen sprechen. Das mag sich im ersten Moment etwas nach Ladendiebstahl anfühlen, wie Britta Weddeling in Handelsblatt online vom 23.1.2018 über ihren Selbstversuch berichtet: 

"So fühlt sich Ladendiebstahl an. Der Kunde greift Joghurt, Ananas und ein wenig Huhn aus dem Kühlregal, lässt die Lebensmittel einfach in der Tasche verschwinden und geht Richtung Ausgang. Niemand hält ihn auf, als er - ohne an einer Kasse Geldbörse oder Kreditkarte zu zücken - das Geschäft verlässt. Sanft und vollautomatisch schwingen die gläsernen Eingangspforten zurück. ‚Sie können jetzt gehen – wirklich‘,  feuert ein Schriftzug über der Tür noch den letzten Zweifler an“.

Eine Dystopie, Disruption oder einfach konsequente Weiterentwicklung des klassischen Shoppings? Nun - dem Hypertrend „Convenience“ wird so auch bei Amazon Go breiter Raum gegeben. Und der eigentliche Kauf- und Bezahlakt, der ja immer auch ein klein wenig das psychische Grundmuster des Zurückhaltenwollens von Geld beinhaltet, ist so schon fast verschwunden.

Und die Konsequenzen für die Privatsphäre der Kunden? Kathrin Werner weist in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 22.1.2018 darauf hin, dass die Kunden Amazon bislang bei sämtlichen Neuerungen gefolgt seien, unabhängig davon, wieviel der US-Konzern dabei auch über ihr individuelles Verhalten gelernt haben mag. Amazon Go bietet so nur weiteres „Futter“ für die rapide lernenden Algorithmen des Konzerns - und testet behutsam, wieweit Amazon-Kunden sich diesen öffnen möchten.

Kein Zweifel - Amazon Go dürfte auch bei seiner Premiere in einer deutschen Grossstadt ein durchschlagender Erfolg werden: „Sie können jetzt gehen - wirklich“.


Video mit ersten Praxiserfahrungen von Shara Tibken, c|net

Nudging im E-Commerce - oder der letzte Zentimeter auf dem Weg zum Kauf

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 20.1.2018 - Was zum Teufel, werden Sie sich vielleicht fragen, haben denn die Verhaltenswissenschaften mit unserem Handelsthema zu tun? Nun, eine ganze Menge. Denn von Soziologen, Psychologen, Kognitions- und Neurowissenschaftlern über Verhaltensbiologen und -anthropologen bis hin zu Computerwissenschaftlern erwarten wir konkrete Aufschlüsse, Thesen und Erklärungen, wie und warum sich unsere Kunden so verhalten wie sie es nun mal tun. Und nicht zuletzt wünschen wir uns ausgefeilte Anreizmodelle, um die Lust unserer Kunden auf den Konsum zu befördern. Zu trivial? Keineswegs!  

Stellen Sie sich vor, ein Kunde surft auf Ihrer Shopseite herum, schaut mal in jene Produktkategorie, mal in jene, legt vielleicht schon ein paar Artikel in sein virtuelles Warenkörbchen, macht sich dann aber aus mehr oder weniger unerfindlichen Gründen aus dem Staub - verlässt also Ihre Seite wieder, ohne gekauft zu haben. Dumm gelaufen, könnte man denken.

Hier kommt ein neues Steckenpferd der Verhaltenswissenschaftler ins Spiel: das sog. Nudging. Klingt niedlich, hat es aber in sich. Genauer gesagt geht es um die Berührungspunkte zwischen Nudging (also dem „Anstupsen“ oder „Schubsen“) und „Big Data“. Dabei erlaubt der Einsatz von Software wie Nudgr, „Kunden (…) möglichst lange auf den Webseiten von Online-Shops [zu] halten (Irgmaier, Florian/Ulbricht,Lena: "Big Data und Nudging. Kommt der digitale Überwachungsstaat?“. In: WZB Mitteilungen, 2017, H. 158, S.15) und dabei ihre Maus- und Klickbewegungen auszuwerten. Deuten die parallel lernenden Algorithmen das Verhalten des Kunden auf der Shopseite dahingehend, dass dieser gerade im Begriff ist, die Seite zu verlassen, blendet Nudgr z.B. ein Pop-Up-Fenster ein, dass den Kunden mit einem Rabattangebot auf den Seiten halten soll (ebda.). 

Interessant scheint hierbei, ein bestimmtes Kundenverhalten positiv zu diskriminieren: nur die potentiell „abwanderungswilligen“ Kunden bekommen das Goodie angeboten, nicht jene Nutzer, die (datengestützt) bereit wären, den regulären Kaufpreis zu zahlen. Internet-Guru Sascha Lobo wird an gleicher Stelle zur Kombination von Nudging und Big Data mit der Einschätzung zitiert, dass es sich hierbei um ein „Gängelungsinstrument des digitalen Alltags“ handele, um ein „Amalgam der Bevormundung“ (kompletter Beitrag von Sascha Lobo in Spiegel Online).

Das lässt sich nicht gänzlich von der Hand weisen - und dennoch kommen wir auch künftig nicht um die Optimierung von Konversionsraten beim Online-Shoppen herum - mit oder ohne Nudgr.

Tante Emma 2.0 - die Algorithmen schlagen zurück

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Köln/Leipheim, 3.12.2017 - Konsumenten konnten in den vergangenen Jahren so manches Schnäppchen ergattern - live und in Farbe. Noch viel besser klappte und klappt das allerdings online. Getrieben von Amazon, Ebay, Zalando & Co. koppeln viele Online-Händler ihre Warenwirtschaftssysteme und Preisfinder an die Preisauszeichnung eines Mitbewerbers und dessen Shop. Die Folge: zigfache Preisschwankungen innerhalb eines Tages - fast schon ein Arbitrage-System, grossen Börsen vergleichbar. Und natürlich auch von Online-Shoppern budgetschonend nutzbar. Fast vergessen dabei, wie viele persönliche Daten ich als Online-Kunde erst einmal preisgeben muss, bevor ich das erste Mal den „Kauf“-Knopf drücken darf - und so ganz nebenbei auch noch meine Scoring-Werte ermittelt werden.

Alles nur eine Frage der Zeit, bis auch die grossen stationären Handelsketten den Einsatz umsatzoptimierender Technologien für sich entdecken. Ziel: Konsumenten den Einkauf so angenehm und stressfrei wie möglich zu gestalten - und gleichzeitig möglichst viel über Person und Vorlieben der Kunden zu erfahren. Und dabei Preise nicht nur zu dynamisieren, sondern auch zu individualisieren.

Glauben Sie nicht?

Dann begleiten Sie Deutschlandfunk-Redakteur Manfred Kloiber und seine Interviewpartner durch die Wanzl Metallwarenfabrik im schwäbischen Leipheim und lernen Sie alles über den Einsatz von Beacons, RFID-Chips, Stereo-Kameras, Eye Tracking-Systemen und Künstlicher Intelligenz im voll digitalisierten Supermarkt der Zukunft - Tante Emma 2.0 schlägt zurück.


Tante Emma 2.0. Wie der Einzelhandel mehr verkaufen will, Autor: Peter Welchering, Wissenschaft im Brennpunkt, 3.12.2017

…und hier auch zum Nachhören…




 

„Vor Ort erfolgreich bestehen“ - Ein Leitfaden für den stationären Einzelhandel

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Darmstadt, 3.12.2017 - Seit einigen Wochen liegt eine praxisnahe, von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt / Rhein Main Neckar herausgegebene Broschüre als Handreichung für den Überlebenskampf im stationären Einzelhandel vor: „Vor Ort erfolgreich bestehen“. 

Ausgehend von der ökonomischen und kulturellen Bedeutung des Handels in den Städten werden als Zielgruppe des Leitfadens inhabergeführte Geschäfte angesprochen, die „für den strukturellen Wandel im Handel sensibilisier(t) und Chancen auf(gezeigt) bekommen, wie auch das Internet den stationären Handel ergänzen und sogar positiv befördern kann“, so Tatjana Steinbrenner, Vizepräsidentin der IHK DA RMN und Vorsitzende des Handelsausschusses in ihrem Vorwort.

Im Anschluss an eine Einführung zu „allgemeine(n) Entwicklungen im Einzelhandel“, die sich u.a. mit den Marktanteilen unterschiedlicher Vertriebsformen in Deutschland beschäftigt und das Verhältnis zwischen stationärem und Online-Handel beleuchtet (Baustein 1), wird eine umfangreiche Checkliste zur Selbstanalyse vorgestellt, die konsequenterweise in Baustein 3 mündet, den Massnahmenkatalog. Hier präsentieren sich nicht nur innovative Ladenbaukonzepte - deutschlandweit - sondern es wird auch ausführlich auf technische Innovationen wie E-Mail-Marketing, Augmented Reality (AR), Events, Gutscheinsysteme, lokale Marktplätze u.v.m. eingegangen - in einer dankenswert einfachen und klaren Sprache. (Mit-)Autorin Marina Hofmann von der IHK DA RMN hat sich mit dieser Zusammenschau ein grosses Verdienst um den Fortbestand des stationären Handels erworben - herzlichen Dank dafür!


Laden Sie sich hier den Leitfaden als PDF herunter.

Update: Kaufhof in Nöten - jetzt sollen es die Angestellten richten

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Köln, 11.10.2017 - Als der kanadische Kaufhauskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) 2015 beim Kölner Kaufhof einstieg und rosige Zukunftspläne für die neue deutsche Tochter entwarf, schienen die bis dato aufgelaufenen Probleme auf einem Schlag gelöst zu sein: Umbau der Filialen, Einführung der Hip-Marke Saks Fifth Avenue auf dem deutschen Markt, Umgestaltung der häufig defizitären Kaufhof Sport-Arena-Filialen usw. Der Kaufhof sollte insgesamt schicker, jünger und hipper werden. Zwei Jahre später ist die grosse Ernüchterung eingekehrt: Kreditversicherer senkten ihre Limits für Wareneinkäufe, die Kundenzahlen und Umsätze blieben teilweise weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück und die kanadische Muttergesellschaft HBC schwächelt selbst - und kommt ihren eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Kaufhof nicht nach. Inzwischen seien nach einer Meldung der Süddeutschen Zeitung auf der Seite des Kaufhof bereits 300 Millionen Euro an aufgelaufenen Forderungen gegenüber HBC zu verbuchen.

Wie das Manager-Magazin bereits Ende Juli berichtete, lag der aufgelaufene Betriebsverlust (Ebit) der Kaufhof-Gruppe nach den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bereits bei 50 Millionen Euro - eine Verdopplung gegenüber 2016. Hierfür gibt es v.a. zwei Gründe: laufende Rabattaktionen sowie die heraufgesetzten Mieten für die einzelnen Kaufhof-Filialen. So möchte HBC auf Dauer den Kauf der Warenhauskette von dieser selbst finanzieren lassen - das klassische Heuschrecken-Modell der Private Equity-Branche. Wie die Süddeutsche Zeitung am 11. Oktober berichtet, handelt es sich hierbei um jährliche Mehrkosten von 40 Millionen Euro auf eine Laufzeit von zwanzig Jahren gesehen.

Freilich wäre es unfair, die Kritik lediglich bei der Unternehmensleitung rund um Kaufhof-Chef Wolfgang Link abzuladen. Speziell der deutsche Kaufhausmarkt bleibt schwierig, die Kundenfrequenz in den Innenstadtlagen stagniert, wo früher gleich gekauft wurde, wird heutzutage erstmal geprüft, abgewogen und mit den Preisen im Internet verglichen. Keine einfachen Zeiten für Kaufhäuser- zumal die avisierten jüngeren Kunden weiterhin alternative Einkaufsquellen bevorzugen.

Aktuell also Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Kaufhof-Unternehmensführung. Das Ziel: für einzelne Betriebsteile sollen unterschiedliche Tarifverträge abgeschlossen werden (können). Amazon und seine Bezahlung nach Logistik-Tarifen lässt grüssen.

Bei rund 21.500 Beschäftigten ist die Höhe der Lohnsumme natürlich ein ganz schöner Brocken. Der Wunsch, hier anzusetzen, ist also durchaus verständlich. Aber bleibt so auch die nötige Motivation der Belegschaft für die weiter laufenden Restrukturierungsmassnahmen erhalten? Daran darf doch gezweifelt werden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen die Mitarbeiter auf 3-5 Prozent ihres Salärs verzichten, ebenso drei Jahre lang auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und schliesslich wieder zur 40-Stunden-Woche zurückkehren.

Von einer „wirtschaftlichen Atempause“ ist die Rede, welche die Senkung der Tariflöhne dem Konzern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrages verschaffen soll - „bis die angestossenen Wachstumsmassnahmen greifen“, so der Kaufhof in einer Mitteilung vom 10. Oktober.

Peter Herlitzius, Arbeitsdirektor bei Kaufhof, sieht die angestrebten Einschnitte beim Einkommen der Beschäftigten als unverzichtbar für die wirtschaftliche Gesundung der Kaufhof-Kette an. Immerhin werden noch 113 Häuser (97 in Deutschland und 16 „Galeria Inno“ in Belgien) sowie die Zentralbereiche und Logistik betrieben - der Umsatz liegt bei 3,1 Mrd. Euro.

Immerhin: mögen die Umsätze in den Kaufhof-Filialen auch stagnieren oder rückläufig sein, das Online-Geschäft wachse zweistellig, so Wolfgang Link.

Und das muss es auch, soll der traditionsreiche Kaufhof noch eine eigenständige Zukunft haben. Sonst kommt die Idee einer „Deutsche Kaufhaus AG“ als Verbindung der Rivalen Kaufhof und Karstadt schneller wieder auf die Tagesordnung, als vielen - Beschäftigten wie Management - lieb sein mag.

Todgeweihte leben länger - oder wie Amazon den Präsenzhandel aufmischt

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Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Seattle, 19.6.2017 - Fast schon unangenehm, an dieser Stelle so häufig über Amazon berichten zu müssen, aber das Unternehmen ist eben ein wirklicher Innovationstreiber. 

Während viele europäische Grossunternehmen erst ihr Online- und später ihr Multi,-Cross- und Omnichannel-Engagement vor der Umsetzung lange abgewogen haben, probiert der Versandhändler aus Seattle einfach aus und lässt sich dabei auch durch Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen. 

Der letzte Coup: die Übernahme der grössten Bio-Supermarktkette der Welt mit Sitz in Austin/Texas zum Preis von 13,7 Mrd. US-Dollar. Whole Foods Market betreibt aktuell 461 Läden in den USA (440), in Kanada (12) und Grossbritannien (9). 

Wie Sven Clausen im Manager Magazin vom 16.6.2017 berichtet, wäre der Kauf von Whole Foods die mit Abstand grösste Akquisition in der Amazon-Firmengeschichte und zeigt, dass Amazon nicht darauf angewiesen ist, aufwendige Lernprozesse nur im eigenen Unternehmen durchführen zu müssen, sondern sich wertvolles Know-how über Strukturen und Prozesse auch am Markt einkaufen kann. 

Auch für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH), der immerhin ein Volumen von rd. 170 Mrd. Euro im Jahr ausmacht, dürften nun nochmals heftigere Zeiten anbrechen. 

Ist die jüngste Fusionswelle mit der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka (und einigen Filialen durch REWE) gerade einmal mehr oder weniger sanft ausgerollt, heisst es sich auf die neue Herausforderung durch Amazon einzustellen. Testmärkte für Amazon Fresh sind aktuell Berlin und Potsdam. Versandkostenfrei wird ab 40,- Euro Einkaufswert geliefert, darunter fallen Versandgebühren an, zusätzlich ein monatlicher Beitrag von 9,99 Euro und ein Amazon Prime-Konto, das pro Jahr mit 69 Euro das Konto belastet. 

Klar, das Motto ist: tausche meine (teure) Zeit für Geld - und am Ende sind’s doch wieder nur die Daten, die Amazon interessieren. 

Aber so schnell sollten wir nicht wieder zur Tagesordnung übergehen: Amazon beherrscht wie vielleicht kein anderes Unternehmen Online- wie Offlinehandel und investiert sehr viel Kapital in Datensammlung und -analyse, um seine Kunden noch besser kennenzulernen. 

Der Einkauf in den LEH unterstreicht, dass Amazon dabei ist, in Kürze auch das Bild deutscher Innenstädte neu zu zeichnen: neben Geschäften von Zalando, Home24 oder Mymuesli (Kommentar von Michael Kläsgen in der SZ vom 19.6.2017) geht es um die Neuerfindung des Buchhandels, des Tante Emma-Ladens, des Supermarktes - und vielem mehr. 

Amazon wird In der Lage sein, auf sämtlichen vom Kunden gewünschten Kanälen mit diesem zu kommunizieren und v.a.: zu beraten und zu verkaufen. Und neben Ananas und Sushi schnell noch ein paar hochwertige Socken oder den neuesten Krimi dazuzupacken.

Update: Amazon Go - Supermarkt ohne Kassen

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Quelle: Video-Still des Trailers zu Amazon Go 


Seattle, 10.4.2017 - Vor ein paar Tagen berichtete das Wall Street Journal über technische Probleme im „Supermarkt der Zukunft“, einem Pilotprojekt von Amazon in Seattle.

Clou von Amazon Go soll das kassiererlose Einkaufen und Auschecken sein. Dabei überwachen Kameras und Sensoren, welche Waren die Kunden einkaufen und letztlich mitnehmen. Fast unnötig zu erwähnen, dass parallel hierzu eine ganze Menge an Big Data- und Deep Learning-Prozessen ablaufen. 

Insider berichten jedoch über ein aktuelles Problem - mehr als 20 Leute dürfen sich nicht gleichzeitig im Laden aufhalten oder sollten sich sehr langsam bewegen. Amazon verschiebt die ursprünglich zum zweiten Quartal geplante Eröffnung jetzt auf unbestimmte Zeit. Schon jetzt scheint klar zu sein: mit nurmehr drei Supermarktbeschäftigten (wie ursprünglich geplant) lässt sich die neue Technologie auch künftig wohl nicht betreiben.

***

Seattle, 11.12.2016 - Viele von Ihnen kennen die Selbstscan-Kassen in den IKEA-Möbelhäusern - häufig eine gute Idee, um sich die Warterei in den Kassenschlangen zu ersparen. Sie kramen also den Scancode von „Tröndby“, „Naxen“ oder „Tjurf“ irgendwie so hervor, dass Sie ihn mit dem 3D-Handscanner, der an einem viel zu kurzen aber umso störrischeren Kabel an der Zahlstation fixiert ist, abscannen können. 

Naja, so richtig flüssig geht das alles nicht, und ein kleines Bachelorstudium muss man auch schon absolviert haben, bevor der erste erfolgreiche IKEA-Self-Checkout mittels beschriebenem Scan und anschliessendem Zahlvorgang mit EC-Karte und Unterschrift funktioniert.

Wieviel einfacher wäre es doch, wenn Sie sich diesen ganzen aufwendigen Vorgang sparen und einfach mit den Waren, die Sie haben möchten, aus dem Laden spazieren könnten - keine Kasse, weder traditionell noch à la IKEA?

Amazon, unsere Freunde und Förderer der Künstlichen Intelligenz aus Seattle/Washington, haben sich das wohl auch gedacht und sogleich eine (fast) marktfähige Lösung vorgestellt: Amazon Go - der Supermarkt ohne Kassen.

Vier Jahre lang habe man in Seattle an Idee und Lösung des bargeldlosen Einkaufs per Smartphone, Amazon-Konto und spezieller -App „gebastelt“ - und jetzt die Beta-Version eines Amazon Go-Supermarkts eröffnet - vorerst nur für Amazon-Mitarbeiter - ab Frühjahr 2017 dann für alle Interessenten.

Und das Einkaufen ist wirklich verblüffend einfach: Amazon Go-App auf dem Smartphone öffnen (die muss vorab natürlich mit Ihren Amazon-Zugangsdaten „gefüttert“ werden), an der Eingangsschranke damit einchecken. Die App weiss nun, dass Sie mit Ihrem Einkauf beginnen. Nun kaufen Sie ein, wie Sie halt im Supermarkt einkaufen, legen Waren zurück, nehmen stattdessen neue usw. usw. Sie packen alles gleich in Ihre Einkaufstasche, Ihren Rucksack oder was immer Sie auch an Behältnissen dabei haben und gehen schliesslich einfach wieder aus dem Amazon Go-Supermarkt hinaus - fertig. Der Einkaufsbetrag wird Ihrem Amazon-Konto belastet.

Laut Branchendienst Business-Insider plant Amazon in den kommenden zehn Jahren allein in den USA, rund 2.000 dieser Supermärkte zu eröffnen, wobei noch unklar ist, ob alle vom Amazon Go-Typ sein werden. Kein Wunder, der Lebensmitteleinzelhandel in den USA gibt immerhin um die 800 Milliarden Dollar Umsatzpotential pro Jahr her (2015).

Der Einsatz geballter Künstlicher Intelligenz oder Artificial Intelligence (AI) machen die bargeldlose Shopping-Tour erst möglich. Hier setzt auch die Kritik von Datenschützern an: Jeder Griff zu einem Produkt im Regal wird von der Amazon Go-App registriert; der entsprechende Betrag erscheint sofort digital in der Anwendung - ebenfalls wird er beim Zurücklegen der Ware wieder entfernt - Amazon spricht von „virtual cart“, also einem virtuellen Einkaufswagen.

Kann das mit rechten Dingen zugehen?

Ja, sofern die komplette Vermessung der menschlichen Bewegungsabläufe während des Einkaufens als rechtens erachtet wird. Faszinierend und beängstigend zugleich.

Die Kollegen Bastian Brauns und Veronika Völlinger von ZEIT ONLINE am 6.12.2016 dazu:

„Amazon hält sich mit Details bedeckt und spricht eher nebulös von seiner Shopping-Technologie, von Computer Fusion , Deep Learning Algorithms und Sensor Fusion. Was die Schlagwörter bedeuten, erklärt der Konzern nicht. Für die Kunden bedeutet das: Sie werden nicht nur digital erfasst, sondern auch analog komplett vermessen. Details zur Technik, die Amazon in seinem Supermarkt zum Einsatz bringen könnte, lassen sich beim Technologiemagazin Recode finden. Vor etwa einem Jahr veröffentlichte Recode einen Patentantrag von Amazon, in dem das Unternehmen detailliert auflistet, welche Funktionen es patentieren lassen möchte. Inwieweit das allerdings im Amazon-Go-Supermarkt in Seattle bereits umgesetzt wird, ist unklar. 

Vereinfacht kann davon ausgegangen werden, dass ein Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien nötig sein würde: Nimmt ein Kunde beispielsweise ein Sandwich aus dem Regal, könnten Kameras das Sandwich erkennen. Sie würden außerdem erkennen, welcher Kunde das Sandwich in der Hand hält und registrieren dann den Kunden und das Produkt und übermitteln die Daten an den individuellen Amazon-Account. Der Kunde könnte aber vielleicht die Verpackung mit seiner Hand verdecken, sodass die Kameras das Produkt nicht eindeutig registrieren können. Dann wüsste das System aber, dass der Kunde oft dieses Sandwich kauft, und es weiß, dass Sandwiches genau an dieser Stelle liegen, an der der Kunde sich eines gegriffen hat.“

Klar, dass Amazon viele Nutzerdaten erheben und mit leistungsfähigen Big Data-Analysetools und -algorithmen be- und verarbeiten muss, um das kassenlose Einkaufen zu ermöglichen. Basis dafür sind die jeweils bereits bekannten Shoppingdaten der einzelnen Kunden, ergänzt durch deren Offline-Einkaufsverhalten und die intelligente Verknüpfung und Aktualisierung dieser Daten. Bewegungsprofile erstellen - oder die Frage beantworten: wie gut bist Du heute drauf? All das dürfte möglich werden. 

ZEIT ONLINE zitiert den früheren Datenschutzbeauftragten Peter Schaar, der seine Besorgnis ob dieser potentiellen Bewegungsprofile äussert. Für Europa und Deutschland sieht er jedoch keine rechtliche Möglichkeit, solche Bewegungsprofile von Nutzern zu erstellen; Kunden müssten hierzu vorab einwilligen. 

Der Gigatrend Concenience wird durch Amazon Go aber alle mal befriedigt; auch in der realen Welt. Und näher auf die Pelle rückt Amazon seinen Kunden so allemal. Dazu nochmals ZEIT ONLINE:

„Was Kunden aber offenbar am meisten schätzen sind Service und Bequemlichkeit. Und Amazon befriedigt dieses Bedürfnis mit immer neuen Ideen. Das Konzept der Amazon Go Lebensmittelläden jedenfalls passt zur konsequenten Strategie des Unternehmens, immer näher an seine Kunden heranzurücken, auch in der analogen Welt. 

Längst werden Lieferungen nicht mehr nur mit der Post oder Paketdiensten gebracht. Mit seinen eigenen Lieferdiensten Amazon Prime oder Amazon Prime Now schickt das Unternehmen inzwischen eigene Kuriere direkt zu seinen Kunden und übergibt die Waren persönlich. Sogenannte Pick-up-Stores plant Amazon ebenfalls. Auch sie sollen bald eröffnen. Kunden können hier ihre bestellte Ware direkt selbst abholen, ebenfalls mit angekündigt nur geringer Wartezeit.

Alles richtig gemacht, Amazon? Schaun’ wir mal, wie es bei uns in Deutschland damit weitergeht.


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