RetailWatch - Aktuell


Update 3 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-09-06 PIXABAY Fusionsgespraeche Kaufhof-Karstadt Deal closed

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Toronto/Wien, 11.9.2018 - Wie mehrere Medien berichten, ist die Fusion von Karstadt und GALERIA Kaufhof jetzt endgültig vollzogen worden. Aktuell beschäftigt das neue Unternehmen Deutsche Warenhaus-Holding zusammengenommen 32.000 Mitarbeiter an 243 Standorten. Die Immobilien teilen sich die SIGNA und die kanadische HBC zur Hälfte - wobei das GALERIA Kaufhof-Haus in Köln sowie das Carsch-Haus in Düsseldorf zu 100 Prozent an René Benkos SIGNA gehen.

Neben Karstadt und GALERIA Kaufhof umfasst der Handelsriese künftig auch die niederländischen HBC-Kaufhäuser, die belgischen Galeria-Inno-Warenhäuser, Saks Off 5th, Karstadt Sports sowie die Lebensmittel- und Gastronomiesparten der beiden Ursprungsunternehmen. Dazu Karstadt.de, Kaufhof.de sowie weitere Online-Shops.

Zu den weiteren Konsequenzen der Fusion die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf ihrer Website:

Beide Seiten versprechen sich von ihrer ‚Fusion unter Gleichen‘ auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft jedoch gibt es Ängste vor einem erheblichen Sttellenabbau. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa bislang nicht. Fachleute halten es allerdings für wahrscheinlich, dass sich Geld sparen lässt, indem einer der beiden Hauptsitze der bisher getrennten Ketten geschlossen wird. Zudem sind Filialschliessungen wahrscheinlich. Potential gibt es auch in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

Laut Angaben der Lebensmittel-Zeitung und Bild am Sonntag ist René Benkos SIGNA-Holding bereit, 250 bis 300 Millionen Euro in die Sanierung der GALERIA Kaufhof-Sparte zu stecken - Sozialpläne eingeschlossen.

Vorab werden sich nicht zuletzt die deutschen Kartellbehörden intensiv mit der Fusion beschäftigen - Markt- und Einkaufsmacht der Deutsche Warenhaus-Holding sind künftig nicht zu unterschätzen.


Spannend und ergänzend hierzu der historische Überblick von Jerome Busch (FAZ) zum Verschwinden der deutschen Kaufhäuser.

+++

Köln/Essen, 6.9.2018 - Wie Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de exklusiv berichtet, ist der Übernahmedeal der GALERIA Kaufhof AG durch Karstadt in trockenen Tüchern, die Banken überzeugt. Unterzeichnet werden soll der Deal in den nächsten Tagen - bis zum 15. September 2018.

Demzufolge werden die Geschäfte der beiden Warenhausriesen zu einem Joint Venture zusammengelegt; Signa Retail, Teil des Immobilienkonzerns René Benkos, wird die Mehrheit daran halten.

Der neue Warenhauskonzern wird dann nach dem spanischen Wettbewerber El Corte Inglés an zweiter Stelle in Europa rangieren. Allerdings werden solche Transaktionen ja nicht aus reiner Freude an Grösse geschlossen, sondern nicht zuletzt, um Kostenvorteile zu realisieren. Dazu wird auch im aktuellen Fall der Wegfall von rund einem Viertel der 20.000 Stellen bei der GALERIA Kaufhof führen - mutmasslich verbunden mit Lohnkürzungen bei den verbleibenden Mitarbeitern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrags. Michael Kläsgen zufolge werden Sozialpläne erstellt werden - er erläutert zusammenfassend dazu:

„Wie die SZ aus Bankenkreisen erfuhr, soll Signa das gesamte Management des Gemeinschaftsunternehmens stellen. Geführt werden soll es vom derzeitigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch Chef der Einzelhandelssparte von Signa ist, sowie von Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach. Von HBC soll niemand am Management beteiligt sein. Deren Vertreter sollen im Aufsichtsrat sitzen. Das sei eine Forderung der Banken gewesen sein, hiess es. 

Faktisch übernimmt Signa 50,01 Prozent am Warenhausgeschäft des Joint Ventures. Zwei Immobilienpakete, eines mit 41 Häusern, ein anderes mit 18 Gebäuden, teilen sich beide jeweils zur Hälfte. Der Kredit, den das Bankenkonsortium vor drei Jahren den Kanadiern bewilligte, um den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien zu finanzieren, läuft weitere sieben Jahre. Das beschlossen die Vorstände der beteiligten Geldhäuser unter Führung der LBBW. 

Durch die Fusion entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés. Er erwirtschaftet mit mehr als 30 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa fünf Milliarden Euro, El Corte Inglés kommt auf mehr als das Doppelte.“

+++

Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

+++

Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Update 2 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-06-27 Fusionsgespräche Kaufhof-Karstadt

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

+++

Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Künstliche Intelligenz hört mit - Alexa allein zu Haus und der Einzelhandel

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 5.8.2018 - Anfangs, im Juni 2015, hielten viele US-Konsumenten sie für einen netten Gag: Alexa, die künstliche Stimme und Intelligenz, die ihnen aus den Amazon-Lautsprechern Echo bzw. Echo Dot entgegengurrte und auf fast jeden Wunsch eine Antwort wusste. Knapp zwei Jahre später enterte Alexa auch die deutschen Haushalte. 

Einer jüngeren Studie des Beratungsunternehmens capgemini zufolge sind die Nutzer begeistert. Mehr als 64 Prozent von ihnen haben bereits mit Alexa, mit Siri von Apple oder Google Home geplaudert und sich durchs Leben begleiten lassen. 

Technikkritiker bemängeln eine Infantilisierung der Kommunikation, besonderes Interesse zeigen jedoch Datenschützer an den Sprachassistenten mit der künstlichen Intelligenz: Natürlich sollen diese erst auf ein Startwort hin aktiv werden und sich mit ihren Servern in den USA verbinden - aber nicht immer scheint das so zu funktionieren. 

Irrtümlich ausgeführte Online-Bestellungen oder ad hoc-Parties, die Alexa mit sich selbst (und unfreiwillig die Nachbarn mit ihr) feiern, lassen an der Vertraulichkeit der Mensch-Machine-Kommunikation zweifeln. 

Aber noch eine ganz andere Klientel sollte vor Alexa und Co. viel Respekt haben: traditionelle  Einzelhändler. 

In den nächsten drei Jahren prophezeien die Experten von capgemini rasante Umsatzsteigerungen von sprachassistenz-induzierten Umsätzen an den gesamten Konsumausgaben von 600 Prozent. Durch die insgesamt rasch wachsenden Umsätze allein des deutschen Online-Handels bleiben in den kommenden Jahren mutmasslich mehr als zehn Prozent der jetzt noch aktiven Händler auf der Strecke. 

Aber auch die Freunde von Alexa & Co. entmündigen sich freiwillig: denn in der Regel sind die Angebote, die Alexa ihren Besitzern macht, zwar von dieser Welt, aber eben aus jener von Jeff Bezos. Und die Suche nach alternativen oder günstigeren Angeboten ist dann wieder vergleichsweise unbequem. 

85 Prozent der Konsumenten folgen denn auch den Vorschlägen Alexas, wie die Online-Quelle BÖRSE am Sonntag vom 4.8.2018 auf die Unternehmensberatung OC&C verweisend berichtet. 

Amazon ist einer der weltweit emsigsten Treiber von Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI); auch Deutschland profitiert von diesen Investitionen - künftig zusammen mit dem Tübinger Max-Planck-Institut. 

Doch zurück zum Einzelhandel und dessen Zukunft (BÖRSE am Sonntag, 4.8.2018 - „Einzelhandel. Die grosse Angst vor Alexa“):

„Auch Capgemini­-Experte Achim Himmelreich sieht die Sprachassistenten zu einer existentiellen Bedrohung für den Händler werden. Wer in diesem Feld nicht präsent sei, finde in der Branche bald nicht mehr statt, warnt er. ‚Sprachassistenten entscheiden, welches Produkt von welchem Händler bestellt werden soll.‘, sagt HDE­-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Damit wird also zwischen den Käufer und den Verkäufer eine dritte Instanz geschaltet, die zu ihrem eigenen Vorteil auswählt, wo der Käufer kaufen soll. ‚Langfristig werden also die Selektions-­ und Marketingprozesse von Sprachassistenten einen wichtigen Faktor für den Erfolg und Misserfolg von Produkten und Händlern darstellen‘, so Tromp weiter. 

Für den Einzelhandel stellt sich damit die Frage: Wie verkauft man in Zukunft Produkte ohne Zugang zum Kunden? Die Antwort ist so einfach wie entmutigend: Mit sehr viel Geld, dass man an Amazon, Google und Co. zahlt, damit die am Ende genau dieses Produkt ihren Kunden vorschlagen. So könnten einmal mehr die ganz großen Konzerne gewinnen, kleine Mittelständler dagegen verlieren. Die globale Einkaufswelt darüber hinaus wieder ein Stück einheitlicher werden. Und damit auch wir selbst.“

Schöne neue Einkaufswelt.

Neuer Ausbildungsgang im Handel: Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce

2018-08-01 PIXABAY ecommerce-2140603 1920

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Frankfurt am Main, 1.8.2018 - Seit heute gibt es im Handel einen spannenden neuen dualen Ausbildungsgang: den Kaufmann / die Kauffrau im E-Commerce. Vor allem grosse Handelsunternehmen wie die Hamburger OTTO Group drangen auf die Realisierung des neuen Berufsbildes. So berichtet die Fachzeitschrift „möbelkultur“ in ihrer heutigen Online-Ausgabe, dass Auszubildende im Konzern selbst den Anstoss gaben sowie Inhalte und Strukturierung des neuen Ausbildungsberufs entwarfen: 

Angestoßen und vorangetrieben wurde die Idee einer neuen E-Commerce-Ausbildung bereits vor mehreren Jahren im südlichen Oberfranken bei Baur in Burgkunstadt. ‚Interessant dabei: Es waren Auszubildende selbst, die im Rahmen einer Projektarbeit mögliche Ausbildungsinhalte zusammengetragen und strukturiert hatten‘, erklärt Max-Josef Weismeier, Ausbildungsleiter bei Baur. Durch die Unterstützung aus dem Konzern wie zum Beispiel von Otto oder der Witt-Gruppe konnten die entscheidenden Verbände und Institutionen von der Dringlichkeit eines neuen Ausbildungsberufes überzeugt werden.“

Kein Wunder, dass heute allein bei der OTTO Group 20 Auszubildende im neuen Ausbildungsgang starten.

Detaillierte Infos zum neuen dualen Ausbildungsgang Kaufmann / Kauffrau im E-Commerce vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Apple Pay - nun bald auch in Deutschland

2018-08-01 PIXABAY iphone-410324 1920

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)


Cupertino, 31.7.2018 - Apple-CEO Tim Cook kündigte anlässlich einer Analystenkonferenz den Start des hauseigenen Bezahldienstes Apple Pay auch in Deutschland an - per Ende 2018.

Nach Angaben u.a. des Handelsblatts wird die Deutsche Bank zum Start von Apple Pay mit dabei sein, ebenfalls die Netzbank N26 sowie die Münchner Hypovereinsbank. Auch Comdirect zeigt sich offen für das neue Bezahlsystem.

Aktuell können bereits Kunden des Zahlungsdienstleisters Wirecard mit der Prepaid-Kreditkarte Boon Apple Pay nutzen - über eine Änderung des Ländercodes. 

Das verweist auch auf die Grundstruktur des neuen Bezahldienstes. Apple Pay ist regelmässig an den Besitz einer Kreditkarte einer der am System teilnehmenden Kreditinstitute gebunden. Das iPhone-Modell muss einen speziellen NFC-Chip besitzen - ab den Modellen SE bzw. iPhone 6 ist dies der Fall. 

„Live“ im Handel wird dann mit dem iPhone bzw. der Apple Watch bezahlt - man hält das Gerät einfach an das Bezahlterminal des Händlers - in max. 4 cm Abstand und gleichzeitig einen Finger auf die Touch ID, also den Fingerabdrucksensor des Apple-Gerätes. Weitere Legitimationen wie beispielsweise PIN sind dann nicht mehr notwendig. 

Aktuell unterstützen nach Angaben des Handelsblatts in Deutschland rund 475.000 Bezahlterminals das neue Zahlverfahren. In-App-Zahlungen und solche im Apple-Browser Safari werden zudem auch mit dem iPad möglich sein. 

Bleibt die Frage, warum das Bezahlen per Apple Pay erst so spät in Deutschland eingeführt werden soll. Naja, Apple wäre nicht Apple, wenn nicht ein hübscher Anteil des Händler-Disagios auch dort verbleiben sollte - und dieser Anteil war den verhandelnden deutschen Kreditinstituten wohl bislang zu gross. 

Trotzdem: bei einem iPhone-Marktanteil von um die zwanzig Prozent in Deutschland und der bekannten Technikoffenheit und günstigen Einkommensverhältnisse der Apple-Kunden dürften für Banken und Apple erkleckliche Provisionen zusammenkommen.


ergänzend dazu CHIP-TV

Amazon zum Trotz - Günzburg wehrt sich

2018-07-27 PIXABAY gunzburg-2705721 1920 MB

Quelle: pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Günzburg, 27.7.2018 - Der Trend zur „verödeten Innenstadt“ zeigt sich zuallererst in den Klein- und Mittelstädten des Landes.

Leere Geschäfte, ganzjährige Streichpreise und Sonderangebote bis hin zu Räumungsschlussverkäufen und Leerständen - das volle Programm.

Kommunalverantwortliche schaudert es bei dieser Vorstellung, aber auch längst nicht allen Einwohnern und Besuchern gefällt dieses Szenario. 

Wie kann eine Lösung aussehen?

Die bayerische Stadt Günzburg, als Grosse Kreisstadt mit gut 20.000 Einwohnern zwischen Ulm und Augsburg gelegen, hat seit nunmehr gut einem Jahr einen „digitalen Marktplatz“ - wir-in-guenzburg.de.

Hervorgegangen aus der Bewerbung im Rahmen des Modellvorhabens „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ bekamen die Verantwortlichen aus Politik und Handel im Vorfeld zwei Jahre lang Unterstützung durch ein Expertengremium bestehend aus der CIMA Beratung + Management GmbH, der BBE Handelsberatung sowie der elaboratum GmbH - betrieben wird der lokale Marktplatz nunmehr durch den Münchner Anbieter atalanda GmbH.

Rund 50 Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen, Hotels sowie städtische Einrichtungen sind inzwischen auf der Handelsplattform „WIR SIND GÜNZBURG - der neue Online-Marktplatz für Günzburg“ vertreten.

Der Anbieter atalanda bietet dabei Interessenten ein günstiges Paket zum Going-Online an, kümmert sich dabei jedoch „nur“ um die Kernfunktionalitäten des lokalen Marktplatzes.

Aufgaben des Marketing, der Werbung, Suchmaschinenoptimierung bis hin zum Fotografieren und Betexten der Produkte verbleiben bei den teilnehmenden Unternehmen und sind von diesen in Eigenregie zu stemmen oder kostenpflichtig an externe Dienstleister auszugliedern.

Sehr positiv ist die Möglichkeit der taggleichen Lieferung im Stadtgebiet - „Same Day Delivery“ - auch für die ganz Grossen des E-Commerce eine Herausforderung.

Wir wünschen den Kolleginnen und Kollegen in Günzburg viel Erfolg und gute Geschäfte.

2018-07-27 DW-Screenshot - Wir sind Guenzburg 400dpi

Quelle: Deutsche Welle - Screenshot aus Beitrag „Made in Germany. Die Stadt Günzburg gegen Amazon“

Update: …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG

2018-06-27 Fusionsgespräche Kaufhof-Karstadt

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

Update: TENDENCE - stell Dir vor, es ist Herbstmesse und keiner stellt aus?

2018-06-30 TENDENCE


Frankfurt am Main, 5.7.2018 - Nicht immer ist es schön, wenn sich eigene Erwartungen oder Einschätzungen im Nachhinein bestätigen.

Leider trifft das auch auf die diesjährige TENDENCE zu. Sehr übersichtliche Gänge in den Hallen, Rolltreppen zum Torhaus, die Via Mobile - verwaist und immer nur mal wieder sporadisch frequentiert.

In Gesprächen mit Ausstellern konkretisierte sich die Beobachtung: viele Messebesucher, laut Angaben der Messe Frankfurt um die 20.000, verhielten sich nicht anders, als ihre eigenen Kunden bei der klassischen Sonntagsöffnung: „Schauen wir mal, was uns so begegnet. Aber ja nichts einkaufen - das könnte zur Last werden.“

Immer wieder konnte ich beobachten, dass „Fachbesucher“ sich nachgerade einer Kommunikation mit den Ausstellern verweigerten. Eigentlich ist eine Messe ja genau hierfür geschaffen - und Zeit zum Meinungsaustausch an den Ständen wäre jetzt wahrlich genug gewesen.

Die Freude der Aussteller hielt sich denn auch in Grenzen: in den Hallen 11.0 und 9.0 - design- und materialorientiert, viele hochwertige Produkte darunter, wurden die Gesichter bereits am zweiten Messetag lang und länger - und blieben es auch bis zum Abbau am Dienstag. Nicht sehr viel anders sah es auf dem restlichen Areal der Hallen 8 - 11 aus. Dazu der Unmut einiger Aussteller über stark differierende preisliche Offerten der Messe Frankfurt.  

Das Rahmenprogramm konnte hingegen oftmals überzeugen:

  • Concept Store Inspirations
  • EFSA Pavillon
  • FORM 2018
  • impulse.tool (Online-Plattform)
  • Outdoor Living
  • Paper & Friends
  • Talents
  • Tendence Academy
  • Tendence. Impulse
  • Village
  • Special Interest Themen - Spring/Summer 2019 / Small quantitites / Ethical Style

Dazu im FORUM der Messe „Pioneers of Lifestyle“, eine Tagung mit Vorabendprogramm, die sich dezidiert an Hersteller und Händler richtete und neue Wege im Hinblick auf Präsentation, Einkauf, Produktpalette und v.a. Digitalisierung und Social Media aufzeigte und diskutierte.

Gefühlt waren unter den rund 300 Veranstaltungsteilnehmern aber auch nur eine Handvoll Händler zu finden - ansonsten Hersteller, Agenturen, Berater und Journalisten.

Dies schmerzte umso mehr, als die von der Frankfurter Messe vorab vorgestellte, vom Kölner Institut für Handelsforschung IFH durchgeführte Studie „Status Quo - Handel Deutschland“ auf die weiter zunehmende Bedeutung des Online-Handels verwies - zu Lasten des traditionellen stationären Einzelhandels, der weiterhin bundesweit vom Ladensterben betroffen sein wird, falls er nicht sinnvolle Schritte in Richtung Digitalisierung und Kooperation mit anderen Händlern geht.

Immer wieder wurde auf der Messe in Gesprächen auch die Rolle von virtuellen regionalen Marktplätzen betont - eine Erfolg versprechende Möglichkeit, das Business traditioneller Händler zu erweitern und ihnen die Möglichkeit zu geben, einfach und mit anderen sichtbar online zu gehen.

Ungewöhnlich, weil bereits am zweiten Messetag publik geworden, sind die Umgestaltungspläne für die TENDENCE 2019.

In den Hallen 8 - 11 und der dann erstmals nutzbaren neuen Halle 12 wird sich das Messeangebot noch intensiver „an den Bedürfnissen der Einkäufer“, an den unterschiedlichen Handelsformen, Marktsegmenten bzw. Lifestyles der Endverbraucher orientieren. Hierzu sollen vier neue Bereiche kreiert werden, von denen jeder wiederum fünf neue „Dictricts“ umfasst:

  • Adventure
  • Cosy
  • Earth
  • Modern
  • Urban

Alles klar, Herr Kommissar?

Vielleicht hilft Ihnen ja der Erklärfilm der Messe Frankfurt weiter.

Interessant, sich in der Zusammenschau auch nochmal den Abschlussbericht der Messe Frankfurt vom Messedienstag vorzunehmen. Bleiben Sie stark!

+++

Frankfurt am Main, 30.6.2018 - Nein - so drastisch ist es natürlich nicht - 960 Aussteller haben den Weg zum Messegelände noch gefunden. Allerdings ist das Sterben auf Raten  der traditionsreichen Messe nicht zu übersehen. 

Zum zweiten Mal findet die TENDENCE in diesem Jahr bereits Ende Juni statt - langjähriger Stammtermin war das letzte Augustwochenende.

Die Vorverlegung wird auch in diesem Jahr damit begründet, dass Fachgeschäfte so noch Weihnachtsartikel ordern und Kaufhaus- wie Baumarkt-Einkäufer bereits Orders für das kommende Frühjahr plazieren könnten. Wenn’s denn mal so käme!

Da helfen auch sophistische Pirouetten wie jene Philipp Fergers wenig, der auf der traditionellen Pressekonferenz vor Messeeröffnung davon sprach, dass der neuerliche Rückgang der Ausstellerzahl durchaus gewollt sei. Ferger, Bereichsleiter TENDENCE, spielt mit dieser Aussage darauf an, dass es sehr leicht gewesen wäre, zusätzliche Hersteller aus China als Aussteller zu gewinnen. 

Jene hätten dann aber auf der Messe mit den Importeuren ihrer Waren gewetteifert. Sehr verständlich, allerdings stört das auf der bis dato immer noch voll ausgebuchten Frühjahrsmesse AMBIENTE inzwischen auch niemanden mehr - hier bekommen die besagten chinesischen Aussteller, jene aus Indien oder anderen asiatischen Ländern Stände in separaten Hallen zugewiesen. 

Und die vorab genannten Einkäufer für die Grossfläche haben regelmässig die Möglichkeit, direkt auf Messen in Asien zu ordern, die interessanterweise nicht selten von der Messe Frankfurt (mit-)veranstaltet werden.

Wohlverstanden - es geht beileibe nicht ums „TENDENCE-Bashing“ - das verbietet schon der Frankfurter Lokalpatriotismus. 

Aber es müssen über das diesjährige Rahmenprogramm hinaus noch weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Turnaround der TENDENCE hinzubekommen. 

Und uninteressant sind die Veranstaltungen auf und um die Messe ja nun wirklich nicht: Academy, Impulse, die Konferenz „Pioneers of Lifestyle“, Concept Stores und die erstmalige Kooperation mit der Gartenmesse GARDIENTE in Hofheim-Wallau - verbunden über einen kostenlosen Shuttle-Service; die Eintrittskarten werden gegenseitig anerkannt. 

Wenn also die These stimmen sollte, dass die Besucher immer weniger Zeit für den Besuch der TENDENCE erübrigen können, warum nicht die letzte Brücke der Operationalisierung schlagen und das Megathema Digitalisierung in noch praxisnäheren Facetten aufzeigen: Warenwirtschaft, E-Commerce-Suites, Dienstleister - eine Messe für mittelständische Händler mit überschaubaren Ressourcen und noch mehr Convenience - vielleicht ein Rettungsanker für die TENDENCE?

…und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG

2018-06-27 Fusionsgespräche Kaufhof-Karstadt

Quelle: pixabay.com - Abbildungen Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) -
Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen, 27.6.2018 - Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania ist spätestens seit der wunderbaren Filmkomödie „Groundhog Day“ mit Bill Murray und Andie MacDowell vielen Millionen Menschen weltweit ein Begriff. Für unsere Sicht auf die Dinge mag  aber der deutsche Titel „Und täglich grüsst das Murmeltier“ aussagekräftiger sein. 

Um was geht es aktuell? 

Seit Jahren schwächeln die deutschen Kaufhaus-Unternehmen Karstadt und GALERIA Kaufhof. Zuerst traf es das Essener Unternehmen Karstadt, das durch die unternehmerischen Pirouetten Thomas Middelhoffs und anschliessend Nicholas Berggruens und deren jeweiliger Führungsmannschaften tief in die Verlustzone gerutscht ist. 

Dabei war und ist den Beschäftigten auf der Fläche ein Riesenkompliment dafür auszusprechen, dass sie nunmehr seit vielen Jahren Lohneinbussen hingenommen, ausscheidende KollegInnen ersetzt, mit zu wenig Ware im Weihnachtsgeschäft verkauft und es trotzdem geschafft haben, den gesamten Warenhausbetrieb noch irgendwie am Laufen zu halten. Vielfach vorgebrachte Kritik von Presse, Verbraucherverbänden und nicht zuletzt vieler Kunden relativiert sich vor diesem Hintergrund. 

Studien aus dem Handelssektor gehen jedoch unisono davon aus, dass den Kaufhaus-Konzernen in der heutigen Form schlichtweg die Kunden wegsterben. Was sich makaber anhören mag, ist reine Demographie: junge, hippe Käufer meiden weitestgehend die klassischen Konsumtempel mit dem „K“ im Namen und die etablierte, älter werdende Stammkundschaft ist häufig enttäuscht, weil der Slogan „(…) tausendfach, alles unter einem Dach…“ längst nur noch blasse Erinnerung ist. 

Aktionistische Bemühungen - sowohl bei Karstadt, als auch GALERIA Kaufhof - in Richtung Sortimentsanpassung, -konzentration und -ausdünnung vermögen bislang nicht zu trumpfen. Vordergründig hat Karstadt aktuell die Probleme besser im Griff als sein Kölner Wettbewerber. Allerdings „versilberte“ der bislang letzte Eigentümer, Rene Benko mit seiner österreichischen Investmentgesellschaft Signa-Holding, eine hübsche Reihe von Kaufhaus-Immobilien, was nicht unbedingt auf die aktuelle und künftige Ertragskraft des eigentlichen Warenhausgeschäfts schliessen lässt.

Trotzdem - der inhaltliche Umbau bei Karstadt ist inzwischen sichtbar: 

  • Reduzierung der Markenvielfalt
  • Augenmerk auf verstärkte lokale bzw. regionale Ausrichtung des Angebots
  • Hereinnahme neuer „Untermieter“
  • Stärkung des Online-Geschäftes
  • Ausrichtung zum „vernetzten Marktplatz

Ungünstiger steht aktuell GALERIA Kaufhof da. Im Oktober 2015 übernahm hier die 1670 gegründete kanadische Hudson’s Bay Company (HBC) das Steuer vom Metro-Konzern, schloss die vormaligen Kaufhof-Sport Arena-Häuser bzw. baute diese zu Saks of 5th Avenue-Outlets um.

Diese sind zwar attraktiv und übersichtlich eingerichtet, erfüllen jedoch anscheinend ihre Funktion als Kundenmagneten kaum. Ähnlich erging es den sogenannten „Stammabteilungen“ in den GALERIA-Warenhäusern. Auch hier gab es eine ganze Menge Umbauten, optische Highlights und Sortimentsanpassungen - häufig in Richtung Textilien. 

Die neue Chefin des Kaufhof-Eigentümers, Helena Foulkes, besucht aktuell die Deutschland-Zentrale der GALERIA Kaufhof AG und drängt verschiedenen Presseberichten zufolge auf Kostensenkungen. Es wird erwartet, dass sie intern auch über die laufenden Fusionsverhandlungen mit der österreichischen Signa-Holding berichtet - diese bietet 3 Milliarden Euro für GALERIA Kaufhof. Denkbar ist auch die Gründung einer gemeinsamen „Deutschen Warenhaus AG“, an der Signa die Mehrheit halten würde.

Derweil verhandelt das Kaufhof-Management mit der zuständigen Gewerkschaft ver.di über ein Sanierungspaket.

Wir hoffen, dass eine potentielle Fusion beider Warenhaus-Konzerne auch und vor allem die Zukunft der Beschäftigten im Blick hat - denn an zahlreichen Filialschliessungen und -verkäufen wird in diesem Szenario kein Weg vorbeigehen.

Tupperware® - Abschied von den Parties?

Foto: Tupperware Deutschland GmbH - Verwendung mit deren freundlicher Genehmigung.


Orlando/Florida - Frankfurt am Main, 21.6.2018 - Seit 1962 ist das US-Unternehmen Tupperware Brands nun auf dem deutschen Markt aktiv und 90% der deutschen Haushalte kennen den berühmten „Tupper-Seufzer“, das sanfte Geräusch beim Verschliessen der wunderbar auslaufsicheren Kunststoffdosen, die inzwischen längst zum Gattungsbegriff für leichte, wiederverschliessbare und -benutzbare Behälter aus Kunststoff geworden sind.

Und die Idee des US-Chemikers Earl S. Tupper war zu seiner Zeit wirklich genial: kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs experimentierte er mit dem Kunststoff PE - Polyethylen - und kreierte die „Wonderbowl“, eine Schüssel, die in der Lage war, Lebensmittel luftdicht abzuschliessen, dadurch deren sauerstoffbedingte Oxidation zu verlangsamen und sie somit deutlich länger konsumierbar zu machen.

Ungewöhnlich allerdings war und ist bis heute der Vertriebsweg der Tupperware-Produkte: die „Tupperparty“. 

Sehr gerne denke ich an diverse Einladungen zu solchen Events zurück - zu Zeiten, als der Begriff noch nicht so abgenutzt war wie heute.

Die Gastgeberin bzw. Veranstalterin legte sich vor einer Tupperparty regelmässig wie verrückt ins Zeug und tafelte an der Party Selbstgebackenes und -gekochtes in immer ausgefeilteren Variationen auf. Dazu flossen nicht minder regelmässig erhebliche Mengen Schaumweins - idealer Essensbegleiter und Stimmungsmacher zugleich.

Teils schon während des Apéritivs, teils erst während des Menus oder Buffets wurden dann die ersten Dosen, Kannen, Boxen, Schütten, Schüsseln u.s.w. herbeigeholt und fachfraulich demonstriert.

Weder vorher noch nachher habe ich so konzentrierte und gleichzeitig enthusiastische und begeisterte Damen kennenlernen dürfen (naja, von einigen Ausnahmen abgesehen). Aktuell liegt der Umsatz pro Party im Schnitt bei 400 Euro - 25% davon gehen als Honorar an die Partymanagerin. Zu meiner Zeit wurde zum Bezahlen der Tupperware-Einkäufe auch schon mal das Euroscheck-Heft herausgeholt - und nicht selten vierstellige DM-Beträge auf dem Scheckformular eingetragen.

Und nun?

Vor ein paar Tagen eröffnete Tupperware auch in Deutschland einen Online-Store.

Hier gibt es alles, was das Kochen, Backen, Einfrieren und Aufbewahren angenehmer und leichter macht - und auch für Ästheten unter uns ist bestens gesorgt. Erstaunlich viele Produkte sind mit renommierten Designpreisen ausgezeichnet - das Auge soll ja bekanntlich auch mitessen.

Und die Zukunft der Tupperparty?

Die wird es auch weiterhin geben - die deutsche Website weist darauf hin, dass aktuell (18:36 CEST) mehr als 21.000 Tupperparties weltweit zugange seien. Und auch die lokale Tupperparty-Managerin profitiert künftig von Online-Umsätzen in „ihrem“ Vertriebsgebiet.

So lässt sich die Initiative von Tupperware Brands bzw. Tupperware Deutschland zugunsten eines zusätzlichen Verkaufskanals wohl auch mit dem steigenden Kostendruck in der Branche begründen.

Hier dürfen wir auch an die Frankfurter Herbstmesse TENDENCE erinnern, die in gut einer Woche eröffnen und den Besuchern zeigen wird, wieviele Wettbewerber von Tupperware sich inzwischen im Markt tummeln - teils in grottiger, teils in exzellenter Qualität. Dazu das gesamte Spektrum der Verkaufskanäle - von der Supermarkt-Grossfläche über den Discounter bis hin zum klassischen Fachgeschäft bzw. Fachmarkt. Ferner Baumärkte, Möbelhäuser, Tankstellen-Stores usw. usw.

So sind auch die noch bis vor kurzem angepeilten 500 Tupperware-Studios für Deutschland erst einmal vom Tisch.

Ganz anders in Übersee: für China werden laut eines Handelsblatt-Berichts vom 11.6.2018 in der Spitze 20.000 Tupper-Studios geplant - einige Tausend davon sind schon in Betrieb. Deutlich weniger wurden bereits in Nord- und Südamerika und den GUS-Staaten eröffnet, so die Handelsblatt-Kollegin Katrin Terpitz in ihrem Beitrag „Tupperware startet deutschen Webshop - Pläne für 500 Studios auf Eis“.

Wie auch immer die gerade aktuelle Vertriebsstrategie hinsichtlich der Absatzkanäle aussehen mag - ein Webshop rentiert sich deutlich schneller und nachhaltiger als ein risikobehaftetes Rollout von Monobrand-Stores in den 1a-Lagen unserer Grossstädte. Hinzu kommt erschwerend, dass auch andere attraktive Marken um Handelsimmobilien in diesem Umfeld konkurrieren. 

Zudem wurde 2017 von der US-Mutter Tupperware Brands ein „Revitalisierungsplan“ lanciert, der eine Kostensenkung von 100 Millionen Dollar bewirken soll - nach Nettoverlusten von mehr als 265 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Als wäre das nicht schon ambitioniert genug, schlägt auch noch die Trump’sche Reform der US-Körperschaftsteuer zu - hier dürften nach Einschätzung des Handelsblatts nochmals rund 375 Millionen US-Dollar an den amerikanischen Fiskus fliessen.

Kein Wunder also, dass sich regionale wie inhaltliche Schwerpunkte von Tupperware International wandeln und verschieben. Schwellenländer sind aktuell die angesagten Märkte für die Produkte der Kernmarke, während in den klassischen Industrieländern längst Kosmetikprodukte der Konzerntöchter Nutrimetics oder Nuvo Cosmetics dominieren.


© 2016-2018 RetailConsult.de - Michael Borchardt, Pfeiferstrasse 7, D-60431 Frankfurt am Main - Mobil +49.177.214.3576 - Fax +49.3212.60.70.762 - e-Mail michael.borchardt@retailconsult.de