Kaufhof - Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall?


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Quellen: Wasser - pixabay.com - Abbildung Public Domain bzw. gemeinfrei nach CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
HBC-Logo / GaleriaKaufhof-Logo - Montage: Michael Borchardt


Düsseldorf, 9.4.2017 - Dieser Tage berichtete die BILD-Zeitung, dass es im Reich des neuen Kaufhof Galeria-Eigentümers, der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC), mächtig knirsche. 

Hudson’s Bay hatte die deutsche Kaufhauskette - mit viel Vorschusslorbeeren bedacht - im Herbst 2015 von der Metro-Gruppe übernommen. Damals setzten Branche wie Mitarbeiter auf eine rosige Zukunft mit generalüberholten Filialen, neuen Marken, stärkerer Konzentration auf den Textilbereich und konsequenter Verzahnung von Off- und Online-Kanälen. Jetzt droht dem kanadischen Handelskonzern das Geld für die angekündigten Sanierungen auszugehen. 

So schrieb er im Ende Januar abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Verlust von umgerechnet 360 Millionen Euro. Verantwortlich hierfür sowohl die Saks of 5th-Outlet-Stores (gerade sie ein Modell für Deutschland) als auch die Online-Platform Gilt. Die deutschen Kunden konnten sich denn auch im vergangenen Weihnachtsgeschäft über satte Rabatte im Weihnachtsgeschäft freuen. Trotzdem lief bei Kaufhof ein Verlust von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf; Karstadt konnte im gleichen Zeitraum Umsatzgewinne verbuchen. 

So liegen der Bild-Zeitung zufolge die von HBC versprochenen Investitionen in rund 100 deutsche Kaufhof-Filialen aktuell auf Eis. Kaufhof-Vorstandschef Olivier Van den Bossche zog für sich denn auch die Konsequenzen und verliess den Konzern in den ersten Apriltagen. Sein Nachfolger soll der ehemalige Toys ‚R‘ Us-Europachef Wolfgang Link werden. 

Das Führungspersonal von HBC, geschäftsführendes Vorstandsmitglied Gerald (Jerry) Storch und der Verwaltungsratschef und Grossaktionär, Richard Baker, werden inzwischen nicht müde zu betonen, dass die geplanten Investitionen in die europäischen Kaufhäuser in Belgien, den Niederlanden und Deutschland umgesetzt werden. Dem gegenüber stehen Kürzungsabsichten, wie sie Ulrike Howe in der Textilwirtschaft am 5. April publizierte: umgerechnet rund 54 Millionen Euro pro Jahr sollen im gesamten HBC-Konzern eingespart sowie Stellen abgebaut werden. Für die Kaufhof-Filialen beträfe dies bereits im laufenden Jahr die Streichung von Aushilfsjobs und befristeten Stellen. Ebenfalls sollen die Lieferanten über erneute Preisverhandlungen wiederum an der Sanierung beteiligt werden. Ausserdem werde über einen günstigeren Haustarifvertrag für die Kaufhof-Angestellten nachgedacht. 

Was geschieht also mit den jährlich 200 Millionen Euro, die - avisiert bei der Übernahme - in die jährliche Erneuerung der Kaufhof-Häuser gesteckt werden sollten?

Kaufhof-Kunden können sich derweil auch im Ostergeschäft über satte Preisaktionen freuen: 20 - 25 Prozent sind, je nach Aktion, an Rabatten drin. Ein kompletter betriebswirtschaftlicher Wahnsinn. Irgendwie erinnert das Gesamtbild an die damalige Übernahme des Karstadt-Konzerns durch Nicolas Berggruen. Auch für die Kanadier scheint der deutsche Einzelhandel ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Zumal ist die Einflussnahme der kanadischen Zentrale und damit das Beschneiden regionaler Handlungsmöglichkeiten jetzt schon offensichtlich. Die Rabatte schaffen die falschen Kaufanreize und verringern die Marge dramatisch; Investitionspläne sind nebulös und folgen anscheinend in erster Linie PR-Regeln.

Doch noch einmal zurück zu Jerry Storch und Richard Baker. Die beiden Herrschaften besuchten dieser Tage die Düsseldorfer Kaufhof-Zentrale und warfen nach Einschätzung von Carsten Diesig, WELT N24-Wirtschaftsressort, in einer Pressekonferenz mit Superlativen nur so um sich. Selbstverständlich werde man „das Warenhaus besser machen“ und auch junge Zielgruppen ansprechen und binden. 400 Millionen Euro sollen in diesem Jahr tun Europa investiert werden, 50 Prozent in die Kaufhof-Filialen, die andere Hälfte in den Aufbau einer Kaufhauskette in den Niederlanden. Damit soll 2017 und 2018 ein jährliches Wachstum in Europa von 20 Prozent erzielt werden. Aus meiner Sicht kompletter Nonsens. 

Selbstverständlich kommen Modernisierungen von in die Jahre gekommenen Häusern wie Aachen, Düsseldorf, Leipzig oder Stuttgart auch beim Publikum gut an - die Frage der Nachhaltigkeit dieser Investitionen bleibt jedoch bestehen. Bislang profitierten davon v.a. die Damenschuhabteilungen und die Haushaltswaren (GPK). 

An weiteren Standorten werden ab Anfang Juni die ersten Saks Off 5th-Outlets öffnen. Motto hier: Mode, Schuhe und Accessoires zu unschlagbaren Preisen. Auch das haben wir so ähnlich schon einmal gehört. Umgesetzt werden soll das Outlet-Konzept in Frankfurt am Main, Heidelberg, Stuttgart und Wiesbaden. 

Handelsexperten sehen das eigentliche Problem der deutschen Kaufhäuser aber nicht nur in einer Überalterung der Kundschaft, sondern auch in einer schwierigen Wettbewerbssituation. Jede einzelne Abteilung eines Kaufhauses müsse mit spezialisierten Wettbewerbern konkurrieren - und dabei noch Gewinne schreiben. Ziemlich schwierig, wenn das Online-Prinzip der kompletten Verfügbarkeit (fast) sämtlicher Marken auf das reale Kaufhausleben übertragen werden soll. 

Pessimistisch zeigt sich hier auch BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf. Er prophezeit eine breite Bereinigung im deutschen Kaufhaus-Filialbereich. Dabei wird immer wieder die Idee einer gemeinsamen „Deutsche Kaufhaus AG“ ins Spiel gebracht, sprich: eine Fusion von Kaufhof und Karstadt. Auch das ein Dauerbrenner.

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