Metro spaltet sich auf


20170206 Aufspaltung Metro

Quelle des Original-Logo: Metro, Bearbeitung: Michael Borchardt


Düsseldorf, 6.2.2017 - So ganz aus heiterem Himmel traf der Vorschlag zur Aufteilung des Metro-Konzerns die Aktionäre auf der Hauptversammlung nicht: so stimmten denn auch 99,95 Prozent von ihnen (bzw. des durch sie vertretenen Kapitals) für eine Abspaltung der Elektronikmarkt-Sparte mit Saturn und Media-Markt in eine eigene Gesellschaft, die neu zu gründende Ceconomy.

Offiziell steht die Abspaltung unter dem Zeichen künftig besserer Wachstumschancen; beide Unternehmensteile, also Metro und Real auf der einen sowie die Elektronikmärkte auf der anderen Seite passten nach Einschätzung des Vorstandschefs Olaf Koch und seiner Führungsriege inhaltlich nicht mehr zusammen; Synergien seien längst nicht mehr zu erkennen.

Doch dürfte sich das Unterfangen, welches per Mitte 2017 umgesetzt werden soll, auch für die Privatschatullen der Metro-Führungsmannschaft lohnen: der 239 Seiten starke Spaltungsberichts des Vorstands (laut Sven Clausens Beitrag „47 Mio. Euro - Metro-Führung winkt satte Extra-Zahlung“ im Manager Magazin, zuletzt online aktualisiert am 6.2.2017) sieht im Fall der Zustimmung der HV vor:

„Konkret dürfen sich Koch und Kollegen laut Überschlagsrechnung der Seiten 125 ff. des Berichts auf ‚Auszahlungsbeträge‘ von in der Summe 'rund EUR 47 Mio.' freuen, wenn ihr Plan am Montag wie erhofft durchgeht. Wie viel der Summe auf die einzelnen Vorstände und den CEO Koch entfallen, ist dem Bericht nicht zu entnehmen. Am Rande der Hauptversammlung sagte ein Metro-Sprecher gegenüber manager-magazin.de, 30,5 Millionen Euro würden auf knapp 400 Führungskräfte entfallen, die übrigen 16,5 Millionen Euro auf den fünfköpfigen Vorstand. Angaben in anderen Dokumenten zur Hauptversammlung lassen darauf schließen, dass Koch den mit Abstand größten Anteil erhält.

Auch sonst haben die fünf Vorstände, die als Verfasser des Spaltungsberichts auftreten, nicht besonders viel Mühe gegeben, ihre Berechnung der so genannten Long-Term-Incentive-Programme (LTI) im Detail nachvollziehbar zu machen. Grundsätzlich aber speist sich die Millionen-Summe aus älteren Bonus- Programmen, deren Auszahlung nun zum Teil vorgezogen wird, sowie neuer Rechenformeln. Konkret heißt es in dem Bericht des Metro-Vorstands: ‚Die LTI-Programme sollen deshalb zum Teil abgewickelt und zum Teil an die neue Lage angepasst werden. (...) Eine unveränderte Anwendung der in den jeweiligen Planbedingungen genannten Komponenten zur Erfolgsmessung wäre nicht angemessen.‘ "

Zudem kann mit der Aufspaltung des Handels-Konzerns in zwei selbständige Unternehmen und deren künftig getrennter Börsennotiz der Einfluss des bisherigen Media-Saturn-Zweitaktionärs Erich Kellerhals zurückgedrängt werden. Der hatte mit dem Familien-Anteil von 21,62 Prozent in der Vergangenheit immer wieder versucht, wichtige Unternehmensentscheidungen zu blockieren oder in seinem Sinne zu beeinflussen. Dabei schreckte er auch vor gerichtlichen Auseinandersetzungen nicht zurück.

Dies kann jetzt allerdings Olaf Koch, der auch nach der Aufspaltung Vorstandsvorsitzender der neuen Metro bleiben und Pieter Haas, der dann CEO der neuen Ceconomy werden soll, immer noch blühen:

„Kellerhals jedenfalls hat seine Anfechtungsklage nach Informationen von manager-magazin.de bereits vorbereitet, sollten die Metro-Aktionäre am Montag auf der Hauptversammlung der Spaltung tatsächlich zustimmen. Folgt der zuständige Richter der Argumentation des Unternehmers, muss Koch seinen Plan stoppen oder zumindest modifizieren.

Möglicherweise kommt es ja aber auch noch zu einer gütlichen Einigung über den knapp 22-Prozent-Anteil, den Kellerhals samt Familie an Media-Saturn hält und der Metro von der Komplettkontrolle abhält. Nach Informationen von manager-magazin.de haben die Parteien noch im Januar Positionen ausgetauscht. Vor allem die Frau von Erich Kellerhals soll auf einen Friedensschluss drängen. Die Summe, die in den vergangenen Wochen in diesem Zusammenhang im Raum stand, ist allerdings erklecklich: Kellerhals' Mitgründer Leopold Stiefel hatte vor vier Jahren etwa 230 Millionen Euro bekommen, als er seine knapp 3 Prozent an Media-Saturn der Metro verkaufte. Bezogen auf den Kellerhals-Anteil wären das dann knapp 1,7 Milliarden Euro.“ 

Grundsätzlich ist die Strategie der Metro-Aufteilung jedoch nachzuvollziehen: seit Jahren schrumpften die Umsätze; Firmenbeteiligungen bzw. Töchter wurden verkauft. Zuletzt waren hiervon die Warenhaus-Kette Galeria-Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Metro-Tochter Real betroffen.

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