Metro-Tochter „Real“ vor dem Radikalumbau ?

Düsseldorf, 31.7.2016 - „Real“-Grossmärkte entstanden 1992 aus der Zusammenführung von Marktketten wie divi, basar, Continent, esbella und real-kauf. 

Später folgten u.a. Massa, Allkauf oder Kriegbaum - 2006 wurden die deutschen Walmart-Häuser ins Filialnetz integriert. 

Doch die besten Jahre der Metro-Tochter sind lange vorbei - nur wenige Handelsunternehmen werden so mit den wöchentlich verteilten Handzetteln bzw. Prospekten identifiziert wie eben gerade „Real“. 

„Palettenweise Knallerpreise“ - so wirbt der aktuelle „Real“-Prospekt - und es wird jedem Verbraucher klar, worin hier das Einkaufserlebnis besteht - im Preis. 

Aber der Preis allein macht es aktuell eben nicht mehr: selbst Hard-Discounter wie ALDI und LIDL modernisieren ihre Märkte und versuchen, den Kunden neue Einkaufserlebnisse zu bieten. 

Metro baut deshalb an den „Real“-Märkten der Zukunft. In Krefeld-Oppum entsteht im laufenden Betrieb bis November 2016 ein Markt, der prototypisch für die neue „Real“-Erlebniswelt stehen soll. 

Unter dem Projektnamen „Food-Lover“ wird den Kunden hier alles nur überhaupt mögliche aus dem kulinarisch-gastronomischen Olymp serviert und auch ebenso angemessen präsentiert. 

„An Pizza- und Pastaständen, Sushi- und Burgerstationen wird es Spezialitäten geben. Auch eine Weinlounge, eine Kaffeerösterei und eine gläserne Vollbäckerei sollen in Krefeld Einzug halten“

so Henryk Hielscher in der Wirtschaftswoche. 

Das kostet: schätzungsweise zehn Millionen Euro für die 11.500 qm der Pilotfiliale.

Ziemlich radikal, das Umsteuern. Aber es trifft mutmasslich die Kundenwünsche auf den Punkt. Selbst im Discount-Warenhaus muss es besondere Einkaufserlebnisse geben - und das Thema „Essen und Trinken“ zieht immer noch. Vom Umbau zu „Food-Lover“-Häusern könnten rd. die Hälfte der bislang 283 „Real“-Häuser profitieren; allein 2017 weitere acht. 

Ein ziemlicher Batzen, den die Metro als Mutterkonzern da in die Hand nehmen muss. Und einen neuen Namen könnte sie sich auch für die umgebauten „Real“-Filialen vorstellen. Gute Frage, wie dann die restlichen Häuser vom neuen Pep profitieren könnten? 

Egal wie, eine operative Marge von zuletzt 1,14 Prozent bei einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro erscheint der METRO künftig nicht weiter tragbar; seit nunmehr einer Dekade halten denn auch die Verkaufsgerüchte rund um „Real“ an. 

Mit der zuständigen Handelsgewerkschaft ver.di wurde zwischenzeitig ein Sanierungstarifvertrag abgeschlossen. Motto: tausche sinkende Personalkosten gegen Investition von einer Milliarde Euro. 

Aber was genau verstehen die „Real“-Chefs Henning Gieseke und Patrick Müller-Sarmiento unter dem neuen „Food-Lover“-Konzept? 

Gar nicht so schwer. DIe Kunden sollen die „Real“-Märkte (oder wie die umgebauten Häuser dann auch heissen werden) gezielt aufsuchen, um… frische, gesunde, direkt vor Ort zubereitete Gerichte in einer spannenden, inspirierenden Umgebung einzukaufen bzw. direkt vor Ort erleben und verspeisen zu können. 

Gut und gesund für die Kunden - und gut für „Real“ und dessen Wertschöpfung: zubereitete Speisen ermöglichen eine grössere Gewinnspanne als die reinen Zutaten. 

Die klassischen, preisbewussten „Real“-Kunden möchte man jedoch nicht verschrecken - ihnen wird bei vielen Artikeln ein noch attraktiverer Preis im Vergleich zu heute versprochen. 

Kann das Tanzen auf zwei Hochzeiten gelingen? Naja, im rein physischen Sinn natürlich nicht - aber im kaufmännischen schon. 

Einzelne Wettbewerber wie ausgewählte EDEKA-Märkte oder das Handelskonzept EATALY in der Münchner Schrannenhalle (entstanden 2004 im italienischen Alba) sind Vorreiter des neuen Genusskonzepts auf der Handelsfläche. 

„Einmal hin. Alles drin“ - wirbt „Real“ aktuell - und muss die Kunden kaum enttäuschen - mit rund 80.000 Artikeln für’s Warenangebot eines mittleren Einkaufszentrums reicht es allemal. Und künftig?

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