TENDENCE - Auslaufmodell oder erfolgreicher Neustart 2017 ? - Ein Messebericht.

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Frankfurt am Main, 8.9.2016 - Auch am Dienstag, dem Schlusstag der TENDENCE, war vielen Ausstellern, mit denen ich während der Messetage gesprochen habe, nicht klar, wie sie ihre Eindrücke ordnen und die Veranstaltung auch betriebswirtschaftlich für sich einstufen sollten. 

Dabei sind die reinen Fakten klar: aktuell rd. 24.000 Besuchern standen 27.466 im Vorjahr entgegen, die Zahl der Aussteller auf jetzt 82.000 Bruttoquadratmetern nahm von 1.100 auf jetzt 955 ab - bei leicht schwächerem Internationalisierungsgrad (45 Länder im Vergleich zu 47 im Jahr 2015) (alle Zahlen sind dem Schlussbericht der Messe Frankfurt entnommen). Belegt waren lediglich die Hallen 8,9 und 11.1.

Allerdings spiegeln diese Zahlen auch nur einen Teil der Realität wieder. Zwar wird klar, dass die Frankfurter TENDENCE inzwischen von ihren Rahmendaten deutlich hinter die Münchner TRENDSET im Sommer zurückgefallen ist - und diese versteht sich ausdrücklich „nur“ als Regionalmesse für den süddeutschen und alpenländischen Raum, jedoch haben auch die Besucher- und Ausstellerqualität sowie die Orderquantität auf der Frankfurter Herbstmesse abgenommen.

Viele Ausstellungssegmente wie Glas, Porzellan, Keramik (GPK), Heim- und Haustextilien oder Papeterie (PBS) sind in Frankfurt nurmehr homöopathisch vertreten.

Das zu ändern, tritt die Frankfurter Messegesellschaft mit einem neuen Konzept für die folgenden Jahre an, wie Stephan Kurzawski, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Frankfurt betont:

„Ab 2017 stehen alle Zeichen auf Expansion. Dafür ergänzen wir das Profil der Tendence um neue Produktgruppen und bauen bestehende aus. Außerdem werden wir den Neuheitencharakter der Messe stärken und das Volumengeschäft nach Frankfurt zurückholen. Dafür gibt es nur eine Lösung: Ab 2017 rückt die Tendence auf die Poleposition für die zweite Jahreshälfte.“

Wir sehen die Erfolgsaussichten für die Neuausrichtung der TENDENCE allerdings kritisch; zu wenig wurde in den vergangenen Jahren seitens der Messeleitung gegen den Bedeutungsverlust der Herbstmesse angekämpft - und damit die Talfahrt der Messe und die Verlagerung hunderter Aussteller und zehntausender Besucher nach Paris zur dortigen MAISON & OBJET sehenden Auges hingenommen.

Auch die Sonderausstellungen, so gut sie gemeint sein mochten, hat die Welt in dieser Form sicherlich schon mehr als ein, zwei Male gesehen. 

Das Förderprogramm für junge Designer „Next“, die „Talents“-Areale oder auch die Designausstellung „Form 2016“ - inhaltlich sicher nicht unspannend für die Besucher; gleichsam aber zu brav, bieder und mit zu wenig Pep inszeniert. 

Stände, Präsenter und Sockel aus weissen MDF-Platten sind zwar optisch zurückhaltend und spielen sich gegenüber den gezeigten Objekten und Produkten nicht in den Vordergrund - aber Innovativ?

Innovativ - das aber konnten auf jeden Fall die zehn Aussteller im erstmals in der Halle 11.1 gezeigten Areal „The Village“ von sich behaupten - bislang wurde dieses Format nämlich nur auf der Hamburger NORDSTIL gezeigt. 

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Halle 11.1 - „The Village“mit Malwand des französischen Anbieters OMY 

Händler sollten hier die Möglichkeit bekommen, Produkte gleichsam bereits in Szene gesetzt bestaunen zu können - und sich somit Anregungen für die Produktpräsentation am Point-of-Sale in ihren eigenen Läden zu holen. Verbunden wurden die Stände durch ein solides Catering,  das in der Mittelzone des „Village“ hungrige und durstige Messebesucher verwöhnte und auch deren Aufenthaltsdauer im gesamten „Village“-Areal nachhaltig erhöhte.

Inwiefern sich allerdings die gezeigten Produktpräsentationen von jenen vieler Stände ausserhalb des „Village“ unterschieden - schwer zu sagen.

Auf jeden Fall ist die Initiative der „Village“-Aussteller zu loben, die natürlich auch den Aspekt befördern wollten, eine eigene kleine Designmesse innerhalb der TENDENCE zu etablieren (und auch das Catering auf ihre Kappe nahmen).

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Halle 11.1 - „The Village“ - KOZIOL mit Winterlandschaft

Positive Stimmen waren von den Besuchern der TENDENCE Academy zu hören - einem Vortragsprogramm in den Hallen 9.2 und 11.1. Hier wurden in einer Vielzahl von Vorträgen ganz praktische Tips für die Händler vermittelt - von der ansprechenden Warenpräsentation über die Lichtführung, verkaufsfördernder Innenarchitektur bis hin zu Erfolgsfaktoren im Multichannel-Vertrieb, Einsatz von Social Media und Möglichkeiten internationalen Benchmarkings am Beispiel der GIA-Gewinner (Global Innovation Award).

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Halle 9.2 - Vortragsareal TENDENCE Academy

Ebenfalls positiv wurde von vielen Ausstellern die Rolle des neuen Group Show Director Philipp Ferger eingeschätzt, der sich während der Messetage sehr umtriebig in den Hallen zeigte und das intensive Gespräch mit den Ausstellern suchte. 

Seine Aufgabe besteht nach einer weitgehenden organisatorisch-personellen Entkopplung der beiden Konsumgütermessen AMBIENTE und TENDENCE darin, die TENDENCE und die Hamburger NORDSTIL strategisch weiter zu entwickeln und auch die Kooperation mit der Messe Leipzig bei der gemeinsamen Ausrichtung der VIVANTI weiterzuführen. Eine Herausforderung, zu der wir ihm und seinem Team nur alles Gute und viel Glück wünschen können. Objektleiterin für die TENDENCE ist jetzt Bettina Bär.

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