Walmart gegen Amazon - Marc Lore fordert Jeff Bezos heraus


Bentonville (Arkansas), 10.8.2016 - Man sieht sich im Leben ja mindestens zweimal. Das gilt durchaus auch für die beiden Online-Widersacher Marc Lore und Jeff Bezos. Während Jeff Bezos in seiner Funktion als Amazon-Chef weltweit bekannt und im Handel auch gefürchtet ist, muss man beim Namen Marc Lore schon heftig nachdenken. 

Ach ja, da gab es dieses Unternehmen, dass als erstes seiner Art Windeln online vertrieb, Quidsi und die Webseite diapers.com. Das Geschäft mit den gestressten Eltern lief super; die Windeln wurden bis an deren Haustür geliefert. 

Amazon war damals noch auf der Schiene Bücher, CDs und Elektronikprodukte zu verkaufen und interessierte sich nicht für Windeln. In privatem Rahmen plauderte Marc Lore gegenüber Jeff Bezos vom Erfolg seines Windel-Lieferdienstes. Kurze Zeit später entbrannte ein ruinöser Preiswettbewerb zwischen Quidsi und Amazon, den Amazon letztlich für sich entschied. 

2010 verkaufte Marc Lore sein Unternehmen für 550 Millionen Dollar an Amazon und wechselte auch selbst zum Käufer. Zwei Jahre lang lernte er Amazon ganz genau von innen kennen - das wird ihm künftig von grossem Nutzen sein. 

Denn in diesen Tagen verkaufte Lore zum zweiten Mal ein Unternehmen - Jet.com - und dieses Mal an Walmart. 

Jet.com - ein gerade mal ein Jahr altes Startup, das Marc Lore nach seinem Ausscheiden bei Amazon gründete, war Walmart schlanke 3,3 Milliarden Dollar wert. 

Kathrin Werner von der Süddeutschen Zeitung in der Ausgabe vom 10.8.2016 beschreibt das Geschäftsmodell - und Scheitern - von Jet: 

„Bei Jet sollten Kunden gegen eine kleine Mitgliedsgebühr Waren für etwa 15 Prozent niedrigere Preise bestellen können als bei Amazon und anderen Händlern, der Versand war kostenlos. Je mehr die Kunden kauften, desto billiger sollten die einzelnen Produkte sein. 

Lore sammelte für die Idee so viel Geld von Wagniskapitalgebern ein wie kein Neueinsteiger im Online-Handel zuvor. Und Jet wuchs - in einem Jahr gewann Lore 3,6 Millionen Kunden. 

Doch das Geschäftsmodell, nur an der Mitgliedsgebühr zu verdienen, funktionierte nicht, sie schreckte die Kunden ab. Nach drei Monaten gab Lore die Idee auf und knapste doch von jedem Verkauf einen Anteil ab, die Rabatte sanken, die Zahl der Kunden stieg nicht so schnell wie erhofft. 

Auch die Investoren waren nicht mehr so begeistert von Jet, dabei hätte Lore neues Kapital gebraucht. Nach und nach wurde klar, dass er allein den Kampf gegen Amazon wieder verlieren würde.“

Als künftiger Chef sämtlicher Online-Geschäfte von Walmart, des grössten Handelskonzerns der Welt, hat er eine Finanzkraft im Rücken, die Amazons Marktmacht heftig zusetzen könnte."Der Online-Handel in den USA setzt heute mehr als 300 Milliarden Dollar um, in den nächsten zehn Jahren wird es eine Billion sein. Da ist genug Platz für zwei große Spieler. Bislang war so ziemlich alles Amazon, aber da gibt es noch eine Chance“, so bringt Lore die Perspektiven seines neuen Wirkungsbereichs bei Walmart auf den Punkt.

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