Wirtschaftsgipfel 2016 der Süddeutschen Zeitung in Berlin - was steckt für den Handel drin? 

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Museum für Kommunikation - Tagungsort des SZ-Wirtschaftsgipfels 2016 in Berlin - Quelle: wikipedia


Berlin/München, 5.12.2016 - Lang, lang ist’s her, dass Zeitungsverlage in erster Linie Printprodukte herstellten und werktäglich per Abo oder Kioskverkauf unter die Leser brachten - längst ist deren Angebotspalette von digitalen Services, über Co-Branding-Aktivitäten bis hin zur Veranstaltung von Seminaren, Veranstaltungen oder gar Kongressen angewachsen, manche meinen gar - ausgeufert. 

Neben anderen überregionalen Medien wie FAZ, Zeit, Handelsblatt, Welt oder den Zeitungen der Dumont-Gruppe steht auch die Münchner Süddeutsche Zeitung hier nicht hintan: deren jährlich im November stattfindender Wirtschaftsgipfel hat es aber in sich. 

Die illustre Gäste- und Teilnehmerschar aus Wirtschaft und Politik erinnert eher an den Auftrieb zum Davoser Weltwirtschaftsforum als an eine „normale“ Konferenz.

In diesem Jahr waren mal wieder die drei Tage vom 17.-19.11. fest für Berlin gebucht - und es ging beim SZ-Wirtschaftsgipfel auch um Handelsthemen - und das nicht nur am Rande.

Künstliche Intelligenz - für unsere Branche bedeutet das: Digitalisierung auf sämtlichen Stufen der Wertschöpfung - bis hin in den Verkaufsraum (und ins Internet sowieso - das ist ja schon sui generis digital). Neu wird sein, dass selbstlernende und intelligente Algorithmen nicht nur in der industriellen Produktion Raum greifen, sondern auch zunehmend autonome unternehmerische Entscheidungen treffen werden (Yvonne Hofstetter, Managing Director von TERAMARK Technologies GmbH). Diese Entscheidungen basieren im Kern auf der Nutzung und intelligenten Auswertung riesiger Datenbanken und -sammlungen (Big Data) - Algorithmen sind im Gegensatz zum Menschen in der Lage, in diesen Datenmengen intelligente Muster zu erkennen und diese zur Vorhersage künftiger Ereignisse nutzbar zu machen (Predictive Analytics).

Hofstetter plädierte aber auch dafür, die gesellschaftlichen Gefahren dieser neuen technischen Möglichkeiten in den Blick zu nehmen - wie Arbeitslosigkeit oder (flächendeckende) Überwachung von Menschen.

Positiv eingeschätzt wurde von verschiedenen Teilnehmern, darunter dem Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Telekom AG, Timotheus Höttges, das Potential der deutschen Unternehmen, weltweit eine Führungsrolle bei der Entwicklung und Produktion von Technologien und Produkten rund um die Themenfelder „Internet of Things“ und „Industrie 4.0“ einzunehmen. Gestützt wurde diese sehr optimistische Einschätzung durch die Bedeutung der deutschen Industrie v.a. bei Maschinenbau, Automobilfertigung, pharmazeutischer bzw. chemischer Industrie sowie der Logistik. 

Business-2-Consumer verloren, dafür Business-2-Business schon so gut wie sicher in der Tasche?

Der zweite Kongresstag begann dann im Breakfast-Panel 2 mit dem Thema: „Droht der Handel an der Digitalisierung zu scheitern?“

Segmentübergreifend identifizierten die Diskutanten wichtige Trends:

  • Steigerung der Mieten für Gewerbe und Handel in den Innenstädten durch weitere Verdichtung aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbeflächen
  • Für Händler ergibt sich daraus eine höhere Kostenbelastung, die sie durch Flächenreduktion aufzufangen versuchen werden
  • Möglich ist daraufhin eine weitere beschleunigte Abwanderung von Kunden ins Netz - das bedeutet stärkere Fokussierung der Händler auf ihre Online-Aktivitäten.
  • Stationäre Händler müssen diesem Trend durch Ausbau ihrer Servicequalität entgegensteuern - Home Delivery Services werden von Kunden zunehmend auch im stationären Handel erwartet. Ansonsten bleibt auch diesen nur, sich schwerpunktmässig auf Online-Vertriebskanäle zu verlagern und ihre stationären Aktivitäten als Kundenbindungsmassnahme zu betrachten. Hier muss dann allerdings ebenfalls mit hohen Kundenerwartungen umgegangen werden: Erlebniswelten, Digitalisierung des Beratungs- und Verkaufsprozesses (z.B. durch Unterstützung von Digital Signages, Tablets oder „intelligenten“ Umkleidekabinen)
  • Online-Handel mit (frischen) Lebensmitteln wird das „Next Big Thing“ 
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