Die Zukunft der europäischen Verbrauchermärkte - alles bereits gelaufen?



Frankfurt am Main, 12.12.2021 - Erinnern Sie sich noch an ihren ersten Besuch in einem Carrefour, Leclerc oder einem Intermarché irgendwo am Rand einer französischen Stadt?
Gigantische Einkaufsparadiese, in denen Sie alles fanden. was das Herz begehrte - und auch vieles, von dem es noch nichts wusste. Egal, die Einkaufswagen waren riesig, Kreditkarten wurden bereits zu einer Zeit akzeptiert, als viele in Deutschland noch nie etwas davon gehört hatten und überhaupt - Sie waren ja im Urlaub.

Die Jahre sind ins Land gegangen, der Einzelhandel in Frankreich arbeitet inzwischen ebenfalls mit extrem schmalen Margen und der Wettbewerb ist natürlich auch hier europäisch, wenn nicht global. Französische Lebensmittelketten schwächeln denn auch und schliessen kontinuierlich Filialen ihrer Hypermärkte. Wie konnte es soweit kommen?

Erinnern wir uns: europaweit kontrollieren die LEH-Konzerne, seien sie nun genossenschaftlich organisiert wie E. Leclerc oder Edeka oder zentralistisch wie Carrefour bzw. die 2017 insolvent gegangene deutsche Real-Kette, rund 70 Prozent der Lebensmittelversorgung. Schon kleinste Schwankungen kommen bei den häufig mittelständisch geprägten Lieferanten als Schockwellen an. Das haben die europäischen LEH-Filialisten längst erkannt und nutzen teilweise an Erpressung grenzende Methoden bei Verhandlungen mit ihren Lieferanten. So machte das vorübergehende Auslisten von Nestlé-Produkten bei Carrefour international Schlagzeilen.

Durch die zunehmende Online-Konkurrenz sinken jedoch auch Umsätze und Gewinne der grossen Handelsfilialisten im Nonfood-Bereich. Hier wurden jahrzehntelang die grössten Gewinne gemacht. Da im Food-Bereich eine Sonderaktion die nächste jagt und Produkte bekannter Marken als Preisindikator häufig ohne Marge angeboten werden können die zurückgehenden Erlöse des Non-Food-Segments auch hier nicht quersubventioniert werden - ein einziges Dilemma mit permanentem Preiskrieg. Dabei kaufen die einzelnen Märkte schon längst nicht mehr selbst ein - europaweit existiert eine Handvoll Einkaufsgemeinschaften wie COOPERNIC, CWT, AgeCore oder Horizon International, die wiederum den verschiedenen EH-Ketten als Zentralbeschaffer und Multidienstleister dienen.

Aber des Wahnsinns ist noch längst kein Ende: Supermärkte, die von selbständigen Kaufleuten (Franchisenehmer) geführt werden, müssen sich häufig langfristig an die konzerneigenen Einkaufszentralen binden, obwohl sie die Ware am Markt deutlich günstiger beziehen könnten.

Dennoch: Hinter den Giganten im europäischen (Lebensmittel-)Einzelhandel stehen noch ganz andere Player: Amazon mit seiner 13,7 Milliarden Dollar-Erwerbung Whole Foods aus dem Jahr 2017 sowie Walmart aus den USA; JD.com aus China - um nur einige zu nennen. Das kann nicht mehr lange gutgehen.

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