RetailWatch - Aktuell


DDR-Revival bei REWE - Ostalgie oder Aufreger?



Köln, 11.8.2022 - Zugegeben, fährt man mit dem Finger auf der Landkarte entlang, so ist die Distanz zwischen der REWE-Zentrale in Köln und der ehemaligen innerdeutschen Grenze doch eine recht große. Und mehr als eine Generation seit der Wiedervereinigung dazu? Ja und, werden Sie fragen - was soll das Ganze? (Raum-)Zeitdilatation nach Einstein? Nicht ganz. Die Kölner LEH-Spezialisten haben seit geraumer Zeit eine Reihe von Ostalgie-Produkten in den Regalen stehen, die sich der Generation DDR heftig anbiedern - und dabei geht es nicht um Spee-Waschmittel oder Club-Cola. Eher um unkaputtbare Suppenkonserven Marke „Schulküchen-Soljanka“ - nur echt mit Hammer und Zirkel und schwarz-rot-gold. Da fragen wir uns als Durchschnittswessi mit reichlich DDR-Reiseerfahrung in den 80er Jahren, ob in der REWE-Zentrale Erich’s Rache zugeschlagen hat? Vorwärts nimmer, rückwärts immer?!  


Amazon und Seattle - mehr als eine Zweckehe?



Seattle, 10.6.2022 - Seattle liegt idyllisch zwischen dem Puget Sound und dem Lake Washington im Nordwesten der USA. Taucht man intensiver in die Stadt ein, fällt auf, dass der grösste Versandhändler der Welt bereits vier Milliarden US-Dollar in der Stadt verbuddelt hat - eine gewaltige Summe. Doch architektonische Highlights sucht man darunter (fast) vergebens - so Ulf Meyer in seinem FAZ-Beitrag "Amazon und die Architektur: Sphären der Stadteroberung“.

Was bringen Klima-Versprechen im Handel?



Hannover, 31.5.2022 - Greenwashing - ein hässliches Wort, nicht wahr? Dabei reden wir noch gar nicht über die Automobilindustrie, Chemie oder gar den Bergbau. Für uns reicht es bereits, zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) einen Blick auf deutsche Handelssegmente zu werfen. Glaubt man den Unternehmen, so arbeiteten sie alle vorbildlich. Kommt natürlich immer auf die eigenen Massstäbe an.


Nachhaltigkeitsbericht Drogeriemarktkette Rossmann

Nachhaltigkeit im Unternehmen - Drogeriemarktkette DM

E-Commerce: Ende der Gratis-Retouren in Sicht?



Berlin, 30.5.2022 - Deutschland als Europameister der Retouren? Ein wenig schmeichelhafter Titel. Allerdings nutzen die deutschen Verbraucher/innen die bislang kostenlose Rücksendemöglichkeit v.a. bei Bekleidung jeglicher Art auf ganz besonders geschickte Art und Weise (aus).
Doch diese paradiesischen Zeiten dürften bald zu Ende sein, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) in Berlin erklärte.

Hugendubel startet schnellen Lieferdienst


2014-03-17 Hugendubel Hessen-Center


München, 7.4.2022 - Gedruckte Bücher schneller in Händen halten als bei dem üblichen Verdächtigen mit A? Keine Frage - das geht. Die Buchhandelskette Osiander hat es bereits seit Jahren im Programm - die Lieferung per Fahrradkurier (rund um ausgewählte Filialen). Hugendubel möchte jetzt folgen und startet einen Piloten zusammen mit dem Lieferdienst Bringoo. In Berlin und Pinneberg geht’s los - zum Start mit 1000 Titeln aus dem Sortiment.

Twitter erleichtert Social Commerce



San Francisco, 10.3.2022 - Bald dürfen Sie als Händler/in Twitter noch intensiver als Absatzkanal nutzen.  „Twitter Shops“ nennt sich die neue Funktion, mit der Sie immerhin 50 Produkte Ihres Sortiments direkt offerieren können. So präsentiert sich die neue Funktionalität.

Metaversum - was rollt da auf den Handel zu?



Frankfurt am Main, 22.2.2022 - Kaum hat der stationäre Einzelhandel (oder eben das, was davon noch übrig geblieben ist) die Monate der Pandemie mehr schlecht als recht überstanden, rollt bereits das nächste grosse Ding auf ihn zu: das Metaversum oder englisch Metaverse. Die Umsetzung dieser Second World 2.0 wird den Online-Handel auf eine neue Stufe heben. Kunden werden sich in dieser virtuellen Welt fast so fühlen und zurechtfinden wie in der realen - und werden die Möglichkeiten des Metaversums testen und nutzen wollen. Tolle Chancen für die Amazons, Ottos und Zalandos dieser Welt - ganz schlechte Karten für den Rest.

Presseinformation des Bitkom e.V.

Virtuelle Realität - Goldgräberstimmung im Metaversum

Verpackungsflut bei Discounter, Supermarkt & Co. - Aktuelle Studie der DUH


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Frankfurt am Main, 25.1.2022 - Unter eingefleischten MAD-Lesern galt die Rubrik „Don Martin“ als besonders skurril, irgendwie noch verrückter als der Rest des Heftes. Leider ist nicht überliefert, ob jemals eine Folge mit dem Titel „Neulich beim Discounter“ erschien. Schade eigentlich. Denn die beiden Mitstreiter der Deutschen Umwelthilfe aus deren Bereich Kreislaufwirtschaft - Thomas Fischer und Laura Geßner - müssen vor kurzem einen ähnlichen Gedanken gefaßt haben. 

Sie unterzogen im Herbst 2021 48 Filialen zwölf deutscher Supermarktketten, Biomärkte - und eben auch Discountern einem Verpackungscheck. Und was sie da ans Tageslicht zerrten, ist mehr als bedenklich. Jeder Bundesbürger produziert demzufolge aktuell „knapp 228 Kilogramm pro Kopf und Jahr“, so die Autoren, und leider liegt die Bundesrepublik damit in Europa an der Spitze - Tendenz steigend. Neben klassischen heuristischen Erklärungsversuchen (niedrigere Frequenz der Einkaufsquellen Wochenmarkt, Bauernhof/Hofgut, Lebensmittelfachgeschäft etc. im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn) mag sich auch ein systematisches „Greenwashing“ der untersuchten Lebensmittelketten auf unser Einkaufsverhalten auswirken. Dabei werde, so die DUH-Studie, das eigene Engagement der untersuchten LEH-Ketten „systematisch überhöht“:

„Neben einem inflationären Einsatz von Siegeln werden vielversprechende Aussagen getätigt: ‚Verantwortlicher Verpackt‘ (LIDL), ‚Natürlich unverpackt‘ (REWE), ‚weniger Verpackungen, weniger CO2‘ (Bio Company).“

Für die Kunden messbar bzw. auf einen konkreten Zeithorizont bezogen sind diese Aussagen regelmässig nicht. Kein Wunder, dass die Autoren dem Gesetzgeber Handlungsbedarf bei der Eindämmung der Verpackungsflut attestieren. 

Ein Selbstversuch in der Frankfurter Filiale eines Discounters aus Südwestdeutschland zeigte, dass auf den ersten Blick nicht unbedingt häufiger verpackt wurde als in klassischen konventionellen Supermärkten. Auf den zweiten Blick fällt freilich auf, dass einige umweltfreundliche Verpackungen schlichtweg fehlen: Mehrwegbehälter aus Glas werden Sie also vergeblich suchen - stattdessen kommen Joghurt, Milch und Co. in Einweg-Kunststoffverpackung- oder Tetrapacks daher. 

Beim Bier gibt es die Auswahl zwischen Kunststoffflaschen oder Alu-Dosen. Erfrischungsgetränke und Wasser werden ebenfalls nur in (Mehrwert-)Kunststoffgebinden angeboten. Bei Obst und Gemüse stellt sich die Situation ähnlich dar wie in beliebigen klassischen Supermärkten: ein Teil des Angebots kommt verpackt (häufig in Kunststofffolie) - der andere Teil des Angebots unverpackt. 

Bis auf einen SB-Backshop fehlen die klassischen Bedienungstheken, die ihrerseits bei Käse, Fleisch/Wurst und Fisch zu einer deutlichen Reduzierung von Verpackungsmüll beitragen können. 

Mehr als wünschenswert wäre es, wenn bis zum nächsten „Don Martin“-Dé·jà-vu Gesetzgeber und/oder LEH-Ketten ihre wohlfeilen Umwelt-Versprechen wahr werden liessen.

Link zum DUH-Verpackungscheck

Die Zukunft der europäischen Verbrauchermärkte - alles bereits gelaufen?



Frankfurt am Main, 12.12.2021 - Erinnern Sie sich noch an ihren ersten Besuch in einem Carrefour, Leclerc oder einem Intermarché irgendwo am Rand einer französischen Stadt?
Gigantische Einkaufsparadiese, in denen Sie alles fanden. was das Herz begehrte - und auch vieles, von dem es noch nichts wusste. Egal, die Einkaufswagen waren riesig, Kreditkarten wurden bereits zu einer Zeit akzeptiert, als viele in Deutschland noch nie etwas davon gehört hatten und überhaupt - Sie waren ja im Urlaub.

Die Jahre sind ins Land gegangen, der Einzelhandel in Frankreich arbeitet inzwischen ebenfalls mit extrem schmalen Margen und der Wettbewerb ist natürlich auch hier europäisch, wenn nicht global. Französische Lebensmittelketten schwächeln denn auch und schliessen kontinuierlich Filialen ihrer Hypermärkte. Wie konnte es soweit kommen?

Erinnern wir uns: europaweit kontrollieren die LEH-Konzerne, seien sie nun genossenschaftlich organisiert wie E. Leclerc oder Edeka oder zentralistisch wie Carrefour bzw. die 2017 insolvent gegangene deutsche Real-Kette, rund 70 Prozent der Lebensmittelversorgung. Schon kleinste Schwankungen kommen bei den häufig mittelständisch geprägten Lieferanten als Schockwellen an. Das haben die europäischen LEH-Filialisten längst erkannt und nutzen teilweise an Erpressung grenzende Methoden bei Verhandlungen mit ihren Lieferanten. So machte das vorübergehende Auslisten von Nestlé-Produkten bei Carrefour international Schlagzeilen.

Durch die zunehmende Online-Konkurrenz sinken jedoch auch Umsätze und Gewinne der grossen Handelsfilialisten im Nonfood-Bereich. Hier wurden jahrzehntelang die grössten Gewinne gemacht. Da im Food-Bereich eine Sonderaktion die nächste jagt und Produkte bekannter Marken als Preisindikator häufig ohne Marge angeboten werden können die zurückgehenden Erlöse des Non-Food-Segments auch hier nicht quersubventioniert werden - ein einziges Dilemma mit permanentem Preiskrieg. Dabei kaufen die einzelnen Märkte schon längst nicht mehr selbst ein - europaweit existiert eine Handvoll Einkaufsgemeinschaften wie COOPERNIC, CWT, AgeCore oder Horizon International, die wiederum den verschiedenen EH-Ketten als Zentralbeschaffer und Multidienstleister dienen.

Aber des Wahnsinns ist noch längst kein Ende: Supermärkte, die von selbständigen Kaufleuten (Franchisenehmer) geführt werden, müssen sich häufig langfristig an die konzerneigenen Einkaufszentralen binden, obwohl sie die Ware am Markt deutlich günstiger beziehen könnten.

Dennoch: Hinter den Giganten im europäischen (Lebensmittel-)Einzelhandel stehen noch ganz andere Player: Amazon mit seiner 13,7 Milliarden Dollar-Erwerbung Whole Foods aus dem Jahr 2017 sowie Walmart aus den USA; JD.com aus China - um nur einige zu nennen. Das kann nicht mehr lange gutgehen.

ARTE-Dokumentation - Auslaufmodell Supermarkt? 

STATISTA - Statistiken zum Lebensmittelhandel in Deutschland

MINTEL - Globale Verbrauchertrends 2022

Wirtschaftswoche - Das Ende der Alles-Verkäufer

ALDI Go - der Discounter startet mit kassenlosen Läden



Essen, 4.10.2021 - Sie wissen es, wir wissen es: kaum etwas ist beim Einkaufen so nervig wie das ewige Hin- und Herräumen der Artikel. Auswählen, rein in den Einkaufswagen, rauf auf’s Band, rein in den Einkaufswagen, rein in Einkaufskorb oder -tasche und/oder Kofferraum. Das muss doch einfacher gehen. Richtig - ALDI Nord startet 2021 mit einem kassenlosen Piloten à la Amazon Go - im niederländischen Utrecht. App ALDI Shop & Go installieren - und einfach losshoppen.


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