Update 4 - …und wieder grüsst die Deutsche Warenhaus AG


2018-09-06 PIXABAY Fusionsgespraeche Kaufhof-Karstadt Deal closed

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Bearbeitung: Michael Borchardt


Köln/Essen/Toronto/Wien, 27.1.2019 - “…da denk i ma doch / Es hat wohl so kumma müassn / I glaub oiwei / Du hast as so wolln, Willy“. 

Konstantin Wecker hatte im legendären musikalischen Nachruf auf seinen von einem Neo-Nazi erschlagenen Freund 1977 sicherlich anderes im Sinn, als dereinst damit in einem Intro zur Fusion zweier Warenhauskonzerne zitiert zu werden - ich bitte um Nachsicht, sehr verehrter Herr Wecker.

Aber der Gehalt der Worte trägt leider auch in unserem Kontext - nur sollte man den Namen „Willy“ durch andere ersetzen - Sie haben da sicherlich schon einige im Kopf.

Als im Herbst 2018 die Fusion von Karstadt und Kaufhof zur „Deutschen Warenhaus AG“ unter dem juristischen Dach der österreichischen Signa Retail von René Benko vollzogen wurde, waren die Befürchtungen um die Zukunft der beiden Kaufhauskonzerne gross.

Welche der bestehenden Standorte sollten abgebaut, wieviele der Mitarbeiter entlassen werden, welche Umstrukturierungen würde es geben?

Nach einem guten Vierteljahr sehen die Beteiligten klarer - und das dürfte vielen Mitarbeitern des neuen Unternehmens den Start ins Jahr 2019 gehörig vermiessen.

Die ausführliche Pressemitteilung der Karstadt Warenhaus Kommunikation vom vergangenen Freitag (25.1.) titelt „Geschäftsführung stellt umfassendes Sanierungskonzept für Galeria Kaufhof vor“ und lässt nicht nur eine Katze aus dem Sack.

Galeria Kaufhof wird demnach „in derzeitigem Zustand“ die Überlebensfähigkeit abgesprochen - es bestünde ein „kurzfristiger Finanzbedarf in dreistelliger Millionenhöhe“ - die Kosten sollten deutlich reduziert, die Unternehmenszentralen in Essen zusammengelegt und - 2.600 Vollzeit-Mitarbeiterstellen abgebaut werden (im Handel mit seinem hohen Teilzeit-Anteil summiert sich das schnell mal auf gut 4.000 - 5.000 Jobs).

Mehrere Argumente für die geplanten Einschnitte bei Kaufhof führt die Karstadt-Unternehmensführung in der PM an:

  • im November 2018 musste die SIGNA Galeria Kaufhof bereits mit einem „signifikanten“ Millionenbetrag „stabilisieren“
  • im Weihnachtsgeschäft stellte sich das Filialergebnis von Galeria Kaufhof umsatzbezogen auf minus vier Prozent; online auf minus 1 Prozent (jeweils gegenüber Vorjahreszeitraum)
  • das im Anschluss an die Fusion umgehend gestartete Sanierungsprogramm „Turn 2 Win“ zeitigt nicht die gewünschten Effekte bei der Galeria Kaufhof - im Frühjahr 2019 seien bereits „weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe“ notwendig

„Dr. Stephan Fanderl, Geschäftsführer SIGNA Retail und CEO des Warenhausunternehmens: 'In seinem derzeitigen Zustand ist Galerie Kaufhof langfristig nicht überlebensfähig. Die wirtschaftliche Gesundung von Karstadt Warenhaus zeigt aber, dass perspektivisch das Warenhausgeschäft in Deutschland insgesamt wieder erfolgreich und profitabel betrieben werden kann. Die bei Karstadt laufende Strategie des vernetzten Marktplatzes der Zukunft funktioniert. Sie kann jedoch nur auf Galeria Kaufhof ausgerollt werden, wenn dieses Unternehmen wieder auf einer stabilen Grundlage steht.‘ " 

Der aktualisierte Sanierungsplan für die Galeria Kaufhof konzentriert sich auf folgende Massnahmen:

  • zentrale Aufgaben der bisherigen Kaufhof-Verwaltung werden von Köln nach Essen zur Karstadt-Zentrale verlagert (Führung und Verwaltung) - Wegfall von ca. 1.000 Vollzeitstellen und „Einsparung von Sachkosten in Millionenhöhe“ sowie Zugewinn an „Schnelligkeit und Effizienz“
  • Abbau unnötiger Hierarchieebenen und vorhandener Doppelfunktionen
  • Köln bleibt für das gesamte Unternehmen von grosser Bedeutung - „(h)ier soll ein Kompetenz­Center für Digitalisierung und eCommerce aufgebaut werden (-) auch das Off Price­Geschäft behält hier seinen Sitz“
  • Verwaltung von „Gastronomie (Le Buffet und Dinea) und Lebensmittelgeschäft (Karstadt Feinkost und Galeria Gourmet)“ soll in Köln-Porz konzentriert werden
  • die 15 Food-Abteilungen sowie der Lebensmitteleinkauf von Galeria Kaufhof werden mit Karstadt Feinkost fusioniert
  • es sind keine weiteren Filialschliessungen geplant - die bestehenden Häuser von Galeria Kaufhof und Karstadt werden als „wertvolle innerstädtische Logistikstandorte“ betrachtet - „Doppelstandorte bieten (…) besondere Chancen zur Schwerpunktbildung und Differenzierung“
  • Neuer bei Karstadt bereits etablierter Kundenfokus wird künftig auch bei Galeria Kaufhof und deren Filialen angestrebt - "Warenservice", "Verkauf/Beratung" und "Kasse" (d.h. weitere Spezialisierung der Mitarbeiter, Umsetzen in niedrigere Gehaltsgruppen und zusätzlicher Einsatz externen Personals - auch in der Beratung durch Handelsagenten der Hersteller und Lieferanten, MB)
  • „gemeinsame Verbundstruktur“ der Galeria Kaufhof- und Karstadt-Filialen unter Leitung „des neuen Vertriebschefs Thomas Wanke“
  • zusammengenommen ist hier der Abbau weiterer 1.600 Vollzeitstellen geplant
  • die beiden „Offprice“-Segmente „Look & Viel“ sowie „Saks Off 5th (HBC)“ werden nach ihrer Zusammenlegung neu ausgerichtet - Pilotprojekte neuer inhouse-Shops sollen sowohl in Karstadt- als auch in Galeria Kaufhof-Filialen pilotiert werden - die Möglichkeiten der „cross-channel-Vermarktung“ (auch) dadurch gestärkt werden
  • Karstadt Sports als Wachstumstreiber könnte in bestehende „Saks Off 5th“-Filialen expandieren
  • Karstadt Reisen soll auch in den Galeria Kaufhof-Filialen Synergieeffekte schaffen
  • Galeria Kaufhof kündigt den aktuellen Flächentarifvertrag mit ver.di auf und strebt die Verhandlungen zu einem Sanierungstarifvertrag an - ver.di bezeichnete die vorgestellten Pläne spontan als „untragbar“

Betriebswirtschaftlich liest sich das vorgestellte Sanierungskonzept trotz aller geplanten Einschnitte auf den ersten Blick vernünftig und die Erhaltung der Standorte ist ebenfalls von immenser Bedeutung für die Zukunft des innerstädtischen Handels, wirken Kaufhausfilialen doch als Magnet zur Stabilisierung und Führung der Kundenfrequenz. Dennoch haben wir grosse Zweifel an der langfristigen Zukunft der gemeinsamen Warenhausunternehmung. In jüngeren Kundenzielgruppen ist das Konzept „Kaufhaus“ extrem „out“ - und nicht zuletzt durch die kontinuierliche Restrukturierung des Markenangebots und der Produktpalette findet sich auch die noch aktive Käuferschicht ab 35 immer seltener in den Filialen von Karstadt und Kaufhof zurecht.

Deutschlandweit warten immerhin werktäglich an 240 Standorten aktuell noch rund 32.000 Mitarbeiter auf ihre Kunden - möge das auch in der Zukunft so bleiben. 

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Köln/Essen/Toronto/Wien, 11.9.2018 - Wie mehrere Medien berichten, ist die Fusion von Karstadt und GALERIA Kaufhof jetzt endgültig vollzogen worden. Aktuell beschäftigt das neue Unternehmen Deutsche Warenhaus-Holding zusammengenommen 32.000 Mitarbeiter an 243 Standorten. Die Immobilien teilen sich die SIGNA und die kanadische HBC zur Hälfte - wobei das GALERIA Kaufhof-Haus in Köln sowie das Carsch-Haus in Düsseldorf zu 100 Prozent an René Benkos SIGNA gehen.

Neben Karstadt und GALERIA Kaufhof umfasst der Handelsriese künftig auch die niederländischen HBC-Kaufhäuser, die belgischen Galeria-Inno-Warenhäuser, Saks Off 5th, Karstadt Sports sowie die Lebensmittel- und Gastronomiesparten der beiden Ursprungsunternehmen. Dazu Karstadt.de, Kaufhof.de sowie weitere Online-Shops.

Zu den weiteren Konsequenzen der Fusion die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf ihrer Website:

Beide Seiten versprechen sich von ihrer ‚Fusion unter Gleichen‘ auch Einsparungen. In der Kaufhof-Belegschaft jedoch gibt es Ängste vor einem erheblichen Sttellenabbau. Details zu Sparplänen nannten HBC und Signa bislang nicht. Fachleute halten es allerdings für wahrscheinlich, dass sich Geld sparen lässt, indem einer der beiden Hauptsitze der bisher getrennten Ketten geschlossen wird. Zudem sind Filialschliessungen wahrscheinlich. Potential gibt es auch in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen.

Laut Angaben der Lebensmittel-Zeitung und Bild am Sonntag ist René Benkos SIGNA-Holding bereit, 250 bis 300 Millionen Euro in die Sanierung der GALERIA Kaufhof-Sparte zu stecken - Sozialpläne eingeschlossen.

Vorab werden sich nicht zuletzt die deutschen Kartellbehörden intensiv mit der Fusion beschäftigen - Markt- und Einkaufsmacht der Deutsche Warenhaus-Holding sind künftig nicht zu unterschätzen.


Spannend und ergänzend hierzu der historische Überblick von Jerome Busch (FAZ) zum Verschwinden der deutschen Kaufhäuser.

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Köln/Essen, 6.9.2018 - Wie Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de exklusiv berichtet, ist der Übernahmedeal der GALERIA Kaufhof AG durch Karstadt in trockenen Tüchern, die Banken überzeugt. Unterzeichnet werden soll der Deal in den nächsten Tagen - bis zum 15. September 2018.

Demzufolge werden die Geschäfte der beiden Warenhausriesen zu einem Joint Venture zusammengelegt; Signa Retail, Teil des Immobilienkonzerns René Benkos, wird die Mehrheit daran halten.

Der neue Warenhauskonzern wird dann nach dem spanischen Wettbewerber El Corte Inglés an zweiter Stelle in Europa rangieren. Allerdings werden solche Transaktionen ja nicht aus reiner Freude an Grösse geschlossen, sondern nicht zuletzt, um Kostenvorteile zu realisieren. Dazu wird auch im aktuellen Fall der Wegfall von rund einem Viertel der 20.000 Stellen bei der GALERIA Kaufhof führen - mutmasslich verbunden mit Lohnkürzungen bei den verbleibenden Mitarbeitern im Rahmen eines Sanierungstarifvertrags. Michael Kläsgen zufolge werden Sozialpläne erstellt werden - er erläutert zusammenfassend dazu:

„Wie die SZ aus Bankenkreisen erfuhr, soll Signa das gesamte Management des Gemeinschaftsunternehmens stellen. Geführt werden soll es vom derzeitigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der auch Chef der Einzelhandelssparte von Signa ist, sowie von Karstadt-Finanzchef Miguel Müllenbach. Von HBC soll niemand am Management beteiligt sein. Deren Vertreter sollen im Aufsichtsrat sitzen. Das sei eine Forderung der Banken gewesen sein, hiess es. 

Faktisch übernimmt Signa 50,01 Prozent am Warenhausgeschäft des Joint Ventures. Zwei Immobilienpakete, eines mit 41 Häusern, ein anderes mit 18 Gebäuden, teilen sich beide jeweils zur Hälfte. Der Kredit, den das Bankenkonsortium vor drei Jahren den Kanadiern bewilligte, um den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien zu finanzieren, läuft weitere sieben Jahre. Das beschlossen die Vorstände der beteiligten Geldhäuser unter Führung der LBBW. 

Durch die Fusion entsteht der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés. Er erwirtschaftet mit mehr als 30 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa fünf Milliarden Euro, El Corte Inglés kommt auf mehr als das Doppelte.“

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Köln/Essen/Stuttgart, 27.8.2018 - „Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt“ übertitelt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen den Eigentümern der beiden Kaufhaus-Konzerne. Grund dafür sei „eine Art Ultimatum“, das die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC), die Eigentümerin der GALERIA Kaufhof AG gestellt habe. Der Meldung zufolge bestehe die LBBW auf Einhaltung von nicht näher beschriebenen „Kreditbedingungen“ - bis Ende September.

Die Liquiditätslage des kanadischen Traditionsunternehmens ist jedoch bereits jetzt sehr angespannt - so könnte die LBBW mit ihrer Forderung den geplanten Zusammenschluss der beiden Kaufhausketten verhindern.

Allerdings zeigt sich vor diesem Hintergrund einmal mehr, dass es den Eigentümern in erster Linie um den Einfluss auf Handelsimmobilien in ersten Lagen geht und kaum um das traditionelle Warenhausgeschäft. Michael Kläsgen von der Süddeutschen Zeitung zitiert in seinem Beitrag aus einem Brief der LBBW an HBC vom 31. Juli, dass die Bank nun endlich auf die Einhaltung der 2015 getroffenen Kreditvereinbarungen per 30. September 2018 dränge, andernfalls den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen könne.

Verbrämt werden sollte dieser gravierende Umstand durch die aktuelle Ferienzeit, in deren Folge sich massgebliche Bankmitarbeiter in Urlaub befänden usw. - die klassische PR-Salamitaktik. Sähe sich HBC definitiv mit den genannten Forderungen konfrontiert, müsste die geplante Fusion zwischen Karstadt, vertreten durch dessen österreichischen Investor René Benko und der GALERIA Kaufhof platzen.

Michael Kläsgen dazu:

„Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren. 

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

HBC ist nicht zuletzt in diese Klemme im Deutschland-/Europa-Geschäft geraten, weil die GALERIA Kaufhof-Filialen von Jahr zu Jahr höhere Verluste schreiben - und sie sind im Gesamtkonstrukt die Mieter der jeweiligen Kaufhaus-Filialen. Der Return on Investment verschiebt sich demzufolge für HBC weiter nach hinten - auf unbestimmte Zeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem zum 31. Januar 2018 aufgelaufenen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 86 Millionen Euro. Hier müssten jedoch längst positive Vorzeichen zu vermerken sein, damit das vertragliche Konstrukt aufgehen könnte.

Neben der LBBW dürften weitere Banken von HBC und der GALERIA Kaufhof auf den Plan treten, um ihre Forderungen geltend zu machen - das schaut kritisch aus.

So lässt sich GALERIA Kaufhof bereits von der internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten, um nicht in juristische Strudel zu geraten. White & Case beschäftigt Anwälte, die mit Hertie bereits Erfahrung in der Beratung von Warenhäusern haben und deren aktuelles Geschäftsmodell sehr gut verstehen.

Die Süddeutsche ergänzend:

„Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof- Geschäftsführung rechtlich absichern will.“

Den Fokus auf Österreich gerichtet bedeutet die aktuelle Gemengelage, dass René Benko v.a. eine Insolvenz der GALERIA Kaufhof fürchten müsste, da er in diesem Fall mutmasslich nicht mehr wie geplant das gesamte Unternehmen übernehmen könnte, sondern sich gegebenenfalls in Bieterverfahren für Teile des Konzerns engagieren müsste. Und das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Mitarbeiter sitzen weiter auf heissen Kohlen.

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Köln/Essen, 5.7.2018 - Jetzt wird es also ernst. Die Verhandlungen zwischen René Benko von der österreichischen Signa-Holding und Kaufhof-Eigentümer HBC Hudson’s Bay Company sind in eine entscheidende Phase getreten. 

Wie neben anderen Michael Kläsgen auf Süddeutsche.de berichtet, unterzeichneten beide Seiten am Dienstag ein sog. „Wrapper Agreement“, „die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks.“ Die neue „Europäische Warenhaus AG“ mit dann rund 37.000 Beschäftigten wird neben den Karstadt- und den GALERIA Kaufhof-Häusern auch Warenhäuser von HBC in Belgien und den Niederlanden umfassen.

Als CEO ist Stephan Fanderl vorgesehen, der Vorstandschef von Karstadt und Signa Retail (Einzelhandelssparte der Signa Holding). Von Kaufhof-Seite wird dann Bernd Beetz dazu stossen - als Aufsichtsratsschef. Erst im Mai 2018 wurde er in den Aufsichtsrat der GALERIA Kaufhof GmbH berufen.

Die andauernde „Due Dilligence-Prüfung“, also die Durchsicht der Bücher der GALERIA Kaufhof GmbH, soll demzufolge bis Ende Juli abgeschlossen sein - spätestens aber im Laufe von vier bis sechs Wochen.

Zu den Details der Übernahme Michael Kläsgen in seinem Artikel „Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof“ vom 5.7.2018:

Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Befürchtungen, dass nach der Übernahme durch Karstadt eine zweistellige Zahl von Kaufhaus-Filialen in Deutschland geschlossen werden soll, werden aktuell noch dementiert. Allerdings könnten „drei bis fünf defizitäre Filialen“ ein letztes Mal zusperren.

Überkompensiert werden könnte diese Entwicklung durch die Neueröffnung von (Karstadt-)Filialen - aktuell betreibt René Benkos Signa-Holding 82 davon - dem stehen 96 GALERIA Kaufhof-Häuser entgegen.

Natürlich führte eine für den neuen Konzern sinnvolle Konzentration - bei Verwaltung, IT, und natürlich dem Einkauf - zu enormen Kosteneinsparungen.

Hersteller müssten sich „warm anziehen“ - und wie das Bundeskartellamt dazu urteilen wird, werden wir auch noch sehen müssen.

Was allerdings die Beschäftigten der jetzigen Konzerne angeht - so schnell dürften selbst gewollte Standortschliessungen nicht über die Bühne gehen - laufende Mietverträge helfen hier, ein Debakel zu vermeiden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist also sicherlich noch nicht alles wirklich gut - aber die Richtung stimmt. Karstadt könnte auch im neuen Konzern wieder für Profitabilität sorgen - weil sie verstanden haben, wie der deutsche Einzelhandel tickt.

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