Verpackungsflut bei Discounter, Supermarkt & Co. - Aktuelle Studie der DUH


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Frankfurt am Main, 25.1.2022 - Unter eingefleischten MAD-Lesern galt die Rubrik „Don Martin“ als besonders skurril, irgendwie noch verrückter als der Rest des Heftes. Leider ist nicht überliefert, ob jemals eine Folge mit dem Titel „Neulich beim Discounter“ erschien. Schade eigentlich. Denn die beiden Mitstreiter der Deutschen Umwelthilfe aus deren Bereich Kreislaufwirtschaft - Thomas Fischer und Laura Geßner - müssen vor kurzem einen ähnlichen Gedanken gefaßt haben. 

Sie unterzogen im Herbst 2021 48 Filialen zwölf deutscher Supermarktketten, Biomärkte - und eben auch Discountern einem Verpackungscheck. Und was sie da ans Tageslicht zerrten, ist mehr als bedenklich. Jeder Bundesbürger produziert demzufolge aktuell „knapp 228 Kilogramm pro Kopf und Jahr“, so die Autoren, und leider liegt die Bundesrepublik damit in Europa an der Spitze - Tendenz steigend. Neben klassischen heuristischen Erklärungsversuchen (niedrigere Frequenz der Einkaufsquellen Wochenmarkt, Bauernhof/Hofgut, Lebensmittelfachgeschäft etc. im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn) mag sich auch ein systematisches „Greenwashing“ der untersuchten Lebensmittelketten auf unser Einkaufsverhalten auswirken. Dabei werde, so die DUH-Studie, das eigene Engagement der untersuchten LEH-Ketten „systematisch überhöht“:

„Neben einem inflationären Einsatz von Siegeln werden vielversprechende Aussagen getätigt: ‚Verantwortlicher Verpackt‘ (LIDL), ‚Natürlich unverpackt‘ (REWE), ‚weniger Verpackungen, weniger CO2‘ (Bio Company).“

Für die Kunden messbar bzw. auf einen konkreten Zeithorizont bezogen sind diese Aussagen regelmässig nicht. Kein Wunder, dass die Autoren dem Gesetzgeber Handlungsbedarf bei der Eindämmung der Verpackungsflut attestieren. 

Ein Selbstversuch in der Frankfurter Filiale eines Discounters aus Südwestdeutschland zeigte, dass auf den ersten Blick nicht unbedingt häufiger verpackt wurde als in klassischen konventionellen Supermärkten. Auf den zweiten Blick fällt freilich auf, dass einige umweltfreundliche Verpackungen schlichtweg fehlen: Mehrwegbehälter aus Glas werden Sie also vergeblich suchen - stattdessen kommen Joghurt, Milch und Co. in Einweg-Kunststoffverpackung- oder Tetrapacks daher. 

Beim Bier gibt es die Auswahl zwischen Kunststoffflaschen oder Alu-Dosen. Erfrischungsgetränke und Wasser werden ebenfalls nur in (Mehrwert-)Kunststoffgebinden angeboten. Bei Obst und Gemüse stellt sich die Situation ähnlich dar wie in beliebigen klassischen Supermärkten: ein Teil des Angebots kommt verpackt (häufig in Kunststofffolie) - der andere Teil des Angebots unverpackt. 

Bis auf einen SB-Backshop fehlen die klassischen Bedienungstheken, die ihrerseits bei Käse, Fleisch/Wurst und Fisch zu einer deutlichen Reduzierung von Verpackungsmüll beitragen können. 

Mehr als wünschenswert wäre es, wenn bis zum nächsten „Don Martin“-Dé·jà-vu Gesetzgeber und/oder LEH-Ketten ihre wohlfeilen Umwelt-Versprechen wahr werden liessen.

Link zum DUH-Verpackungscheck

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