Alibaba-Chef Jack Ma: Plagiate sind oft besser als Originale

Hangzhou, 15.6.2016 - Jack Ma wird seinem Ruf als Provokateur mal wieder voll und ganz gerecht: anlässlich des an seinem Firmensitz stattfindenden „Investor Day“ lobt er laut der Nachrichtenagentur Bloomberg chinesische Produktfälscher. Deren Plagiate seien häufig besser als die teuren Originale der bekannten internationalen Marken. 

Allerdings bestätigt der Chef des grössten chinesischen Online-Händlers - dessen Internet-Plattform „Taobao“ nach Schätzungen der chinesischen Aufsichtsbehörde selbst mehr als 50% Plagiate enthält - nur Befürchtungen, die westliche Produzenten schon lange hegen. 

So werden häufig auf den gleichen Produktionslinien sowohl Originale wie Fälschungen hergestellt, i.d.R. unter anderem Namen (“Copycat“) - aber in vergleichbarer oder sogar besserer Qualität. 

Allerdings wagen sich die dreistesten Fälscher auch an 1:1-Kopien heran - so sei es denn ein Leichtes, diese deutlich günstiger als die Vorbilder zu verkaufen, auch über Alibaba. Gleichzeitig werde der Kampf gegen dieses Produktpiraten aber auch immer schwieriger, wenngleich Alibaba nach wie vor die Online-Plattform sei, die am heftigsten gegen Produktpiraterie kämpfe - allein in seinem Unternehmen seien 2.000 Mitarbeiter mit diesem Problem befasst. Nur publicityträchtige Krokodilstränen Mas?

Ma legt mit seinen Äusserungen aber auch ein Grundübel der aktuellen internationalen Arbeitsteilung offen: durch die Verlagerung ihrer Kernproduktion nach China und in andere Billiglohnländer verlieren die westlichen Markenhersteller die Kontrolle über ihre Logistikkette. 

Läuft es gut, lassen sich durch diese stark ungleichgewichtigen Terms of Trade die uns allen bekannten, teils gigantischen Margen erzielen. Nur - weder die Produzenten in Fernost noch die Einzelhändler im Westen profitieren von diesem Zustand - der „Surplus“ verschwindet zum grössten Teil in den Kassen der Markenhersteller - und taucht für alle sichtbar in Form der innerstädtischen Mono-Brand-Stores wieder auf.

Also vielleicht doch ein Weckruf für internationale Markenhersteller, ihr gängiges Geschäftsmodell zu überdenken?

Auch das Wall Street Journal befasst sich umfassend mit diesem Thema...

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