Update: Kaiser’s-Tengelmann - Haub droht mit Filialschliessungen und Entlassungen

Quelle Einzellogos: Edeka  / Kaiser’s Tengelmann - Montage: MB


Mülheim an der Ruhr, 20.9.2016 - UPDATE - Bevor Kaiser’s Tengelmann nach der für den 23. September geplanten ausserordentlichen Aufsichtsratssitzung wohl tatsächlich zerschlagen werden wird und damit zigtausend Arbeitsplätze verloren gehen werden, wird am Tag zuvor noch ein letzter Rettungsversuch unternommen. Eingefädelt von ver.di, sollen am Donnerstagabend die Chefs von Tengelmann, Edeka und von Rewe zu einem Spitzengespräch zusammenkommen - so berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters.

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Mülheim an der Ruhr, 19.9.2016 - Michael Kläsgen weist in seinem Artikel „Unsere Mitarbeiter wünschen sich eine Entscheidung“ in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung auf die dramatischen Folgen der schwebenden Fusions-Entscheidung bei Kaiser’s Tengelmann und Edeka hin. 

So zitiert er aus einem Schreiben des Geschäftsführers Raimund Luig an Karl-Erivan Haub, den Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzenden von Kaiser’s Tengelmann, dass es im zentralen Dienstleistungszentrum des Unternehmens „in den vergangenen zwei Jahren 100 Eigenkündigungen gegeben“ habe. 

Im Oktober müsse das Team „Nationales Qualitätsmanagement“ aufgelöst werden; der Geschäftsbetrieb insgesamt liesse sich nur noch „mit Ach und Krach aufrechterhalten“. Die gesamte IT und mit ihr die Logistik und das Kassensystem, drohe zusammenzubrechen. 

Aktuell will Haub dem Aufsichtsrat in einer ausserordentlichen Sitzung am 23. September wohl vorschlagen, die Supermarktkette zu zerschlagen - also sowohl Teile zu verkaufen, als auch Teile insolvent gehen lassen. 

Verschärft wird die Situation dadurch, „dass immer mehr Vermieter der Supermärkte abspringen.“ Raimund Luig der SZ zufolge: „In München hat die gesamte Expansionsabteilung zu unseren Wettbewerbern gewechselt und spricht nun teilweise gezielt unsere Vermieter an, um sich als Nachmieter ins Gespräch zu bringen.“

Für die Supermarktkette hat das drastische Konsequenzen: Vertrauensverlust bei Mitarbeitern, Lieferanten und Vermietern. Bis Ende 2016 wird Kaiser’s Tengelmann bundesweit auf dann lediglich noch 405 Filialen geschrumpft sein - für 2017 prophezeit Luig die Schliessung weiterer 25 Filialen - hier würden Mietverträge nicht verlängert bzw. entsprechende Optionen nicht ausgeübt. 

„Besonders dramatisch ist die Lage in der Region Nordrhein, im Umkreis von Düsseldorf und Köln, etwa im Raum Mönchengladbach und Viersen. Laut Luig ist die Anzahl der Filialen dort binnen zwei Jahren von 145 auf derzeit 95 gesunken.“ 

Das schrumpfende Filialnetz bedeutet jedoch auch schlechtere Karten bei den Preisverhandlungen mit Lieferanten. In der Folge unterbieten Wettbewerber wie Aldi mit günstigeren Preisen für Markenprodukte jene der angeschlagenen Mülheimer Supermarktkette - für die eine „Todesspirale“ - aktuell sind bereits 90 Millionen Euro Verlust für 2016 aufgelaufen; der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent  zurückgegangen. 

Schon sind in NRW weitere 80 Kaiser’s Tengelmann-Standorte bedroht, wie Kläsgen aus einem Bild am Sonntag-Bericht berichtet. Davon sollen 46 unter der Edeka-Discount-Marke Netto weitergeführt werden. 

Zur Erinnerung: „Edeka hatte 2014 einen Kaufvertrag mit Haub über damals bundesweit 451 Filialen, die Verwaltung, Fleischwerke und die Logistik abgeschlossen.“ 

„Würde es zu einer Zerschlagung und einem anschließenden Bieterverfahren kommen, wäre Edeka im Vorteil. Die Gruppe hat Einblick in die Bücher und wüsste, wie attraktiv welche Filiale ist und wie viel sie dafür bieten müsste. 

Würde ein früherer Tengelmann-Standort zu einem Edeka-Discounter Netto werden, würde dem Vernehmen nach auch Haub daran verdienen. Er soll eine Gewinnbeteiligung von zehn Prozent an Netto halten. 

Mit einem Treffen der Spitzen von Tengelmann, Edeka und Konkurrenten wie Rewe könnte eine Zerschlagung vielleicht noch in dieser Woche abgewendet werden. 

Verdi mobilisiert die Unternehmen im Hintergrund für einen solchen runden Tisch. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement stünde als Vermittler bereit.“

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