Commerzbank wird digital - Schwarmkredite und Fintechs als neues Geschäftsmodell?

Frankfurt am Main, 21.6.2016 - Die seit der Finanzkrise immer noch teilverstaatlichte Commerzbank AG sourct ab nächster Woche einen Teil der Kredite ihrer Mittelstandskunden aus. 

So berichtet die FAZ v. 22.6.2016, dass Kreditanfragen zwischen 200.000 und 10 Mio Euro, denen die Comba nicht selbst entsprechen wolle, an alternative professionelle Investoren weitergeleitet würden. Die FAZ spricht in diesem Zusammenhang von Schwarmkrediten. 

Vermittelt werden diese Kredite online über das Commerzbank-Firmenkundenportal; dazu wird die Crowdfundingplattform „Main Funders“ aufgeschaltet. Entwickelt wurde das Portal durch das indische Finanz-Startup Accelere, begleitet und verbessert durch Fintechs des Main Incubator, einer Comba-Tochter, die sich an Fintechs beteiligt und diesen räumliche und personelle Ressourcen zur Verfügung stellt.

Der Kunde hat hier sein gewünschtes Kreditvolumen und den Verwendungszweck genau zu umreissen. Die Prüfung des Antrags findet durch die Commerzbank statt; sie nimmt die Projekt- und Bonitätsprüfung vor, erstellt die Kreditkonditionen und stellt das Projekt dann auf „Main Funders“, wo die beteiligten Investoren das Projekt einschätzen und sich an dessen Finanzierung beteiligen können. 

Das Projekt, das am Dienstag durch die Commerzbank-Managerin und Direktorin von Main Incubator, Birgit Storz, der Fachöffentlichkeit vorgestellt wurde, mag auf den ersten Blick an vergleichbare Plattformen wie Funding Circle, Lending Club oder Auxmoney erinnern. „Main Funders“ sähe jedoch im Gegensatz zu diesen nur institutionelle Investoren wie Versicherungsunternehmen und Pensionskassen vor. Gedacht sei die neue Plattform denn auch ausschliesslich für bereits bestehende Firmenkundenverbindungen der Commerzbank. 

Anstösse zur Implementierung des geplanten Outsourcings über „Main Funders“ sind  u.a. 

  • die verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken zur Besicherung von Krediten
  • die Abkopplung des Comba-Mittelstandsgeschäfts vom Zinsniveau (feste Provision statt Zinsen durch Kreditnehmer und Investoren)
  • der Wunsch vieler Unternehmen, sich nicht mehr nur von einem Kreditgeber abhängig zu machen
  • die Suche institutioneller Investoren nach neuen Kapitalanlage-Alternativen

Für die Commerzbank ist dieser Neustart in die digitale Ära des Bankings mehr als spannend. Sie zeigt sich gegenüber ihren Wettbewerbern als innovativ und kreativ und schafft sich mit Main Incubator eine Innovationsschmiede, wie man sie ansonsten vielleicht nur im Silicon Valley vermuten würde. Respekt vor dieser Entwicklung - bereits aktuell hält die Bank Minderheitsbeteiligungen an sechs Fintechs - wir dürfen auf künftige Neuigkeiten aus dem Foster-Hochhaus gespannt sein.

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