Discounter mögen’s edel - Lidl eröffnet Pop-Up-Store am Hamburger Neuen Wall


20160910 Esmara gross

Quelle: Lidl


Hamburg/Neckarsulm, 10.9.2016 - Am Hamburger Neuen Wall möchten sich die Kundinnen normalerweise eher in Boutiquen internationaler Edelmarken wie Prada, Louis Vitton oder Gucci umschauen. 

Da sorgt der jüngste Coup des Neckarsulmer Discounters Lidl für eine echte Überraschung. 

Seit dem 8. September haben die Damen eine neue Shopping-Location vor Ort: den Pop-Up-Store von Lidl. 

Keine Angst, hier geht es nicht um Heringsfilets und Spaghetti. Hier präsentiert Lidl zehn Tage lang seine neue Premium-Bekleidungs-Kollektion - Esmara. 

Verrückt? Na klar, aber das soll es aus Sicht des Discounters ja auch sein. Im Vergleich zu den Nachbarn schneidet die Lidl-DOB-Linie gar nicht so schlecht ab, wie Kristina Gnirke und Christin Jahns von Spiegel Online berichten. 

Die Kundinnen seien angetan und verglichen die Produkte mit den üblichen Verdächtigen wie Zara, Mango und Cos. Auch die Präsentation der Kollektion findet in den üblichen hochwertigen Räumlichkeiten statt - kein klassisches Lidl-Logo, sondern

„nur ein schlichter schwarzer Schriftzug an der hinteren Wand. (…) Lidl hat einen Coup gelandet: Edelladen und zugleich Preise für einen Kaschmir-Pulli von 50 Euro, keine neun Euro für eine Haremshose oder Shirts. Irritiert schauen sich viele Kunden suchend um, woher diese Mode stammt. Erst beim genaueren Hinsehen erkennen sie den Discounter dahinter: ‚Ach, das ist Lidl?‘ 

Ab 19. September findet dann das Rollout der neuen DOB-Linie in den 3.200 deutschen Lidl-Filialen und weiteren Läden im restlichen Europa statt. 

Allerdings verarbeiten Lidls Zulieferer nicht nur Kashmir, sondern auch Polyester, Kunststoff und andere nicht gerade hochwertige Materialien. 

Dennoch - im Wettbewerb mit Aldi und den grossen Supermarktketten müssen auch bei Lidl neue Marketing-Methoden ausprobiert werden - und das Image eines Edel-Couturiers zu Discountpreisen hilft da schon mal weiter. 

Natürlich geht es in den zehn Tagen am Neuen Wall nicht um Mega-Umsätze. Vielmehr soll der Pop-Up-Store „Aufmerksamkeit generieren“, wie Lidl-Einkaufschef Jan Bock zitiert wird. 

Allerdings hat Lidl im Exklusiv-Textil-Bereich gegenüber Aldi eine Schippe draufzulegen. Familie Albrecht preschte nämlich schon im Frühjahr 2016 mit einer Jette Joop-Kollektion vor - alsbald folgt eine zweite. 

Dabei müssen die Discounter nur vorsichtig sein, bei ihrer kostenbewussten Stamm-Klientel keinen falschen Eindruck zu hinterlassen und hier Kunden zu verlieren. 

Das Schnäppchenimage wollen sie nämlich auf keinen Fall verlieren. Deshalb fahren die Discounter eine Doppelstrategie: Lidl vergleicht seine Eigenmarken in einer gross angelegten Out-of-Home-Kampagne mit Markenprodukten - und zwar über die Gegenüberstellung der Preise. Ähnlich geht Feinkost-Albrecht vor. 

Der Spagat scheint den Discountern zu glücken; die Nürnberger GfK Gesellschaft für Konsumforschung sieht Aldi und Lidl wieder auf der Wachstumsspur. 

Zudem werden gleichzeitig das Billigimage der Läden aufgehübscht und enorme Investitionen in den Ladenbau unternommen. Das soll nicht zuletzt junge Käufergruppen anlocken, die traditionell aufgrund ihrer Markenfixierung nicht unbedingt zur Stammkundschaft der Discounter gehören.

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