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EuroShop 2017 in Düsseldorf - gelungene Geburtstagsfeier zur 50. Auflage


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EuroShop 2017 - Blick ins Atrium


Düsseldorf, 12.3.2017 - Alle drei Jahre haben Händler die Chance, sich auf der EuroShop in Düsseldorf von den neuesten Trends bei Ladengestaltung, Beleuchtung, Retail Software, Logistik u.v.a.m. inspirieren zu lassen, sich Demos anzuschauen, Hintergrundvorträge zu verfolgen und natürlich die Beratungskompetenz der Aussteller abzufragen. 

Heuer bot die 50. Ausgabe der EuroShop wieder ein regelrechtes Feuerwerk an Innovationen für den Handel. „Intelligente“ Digital Signages, die Kunden im Bekleidungshandel nicht nur vermessen können, sondern diesen per künstlicher Intelligenz auch gleich Dressing-Vorschläge unterbreiten (IBM), beeindruckende Visual Merchandising-Lösungen für die unterschiedlichen Retail-Segmente, Videoanalyse des Einkaufswagens auf „versteckte“ Waren in oder unter dem Korb (caddycheck aus Belgien) u.v.m.

Beeindruckend auch die objektiven Daten: über 113.000 Besucher (+4 Prozentim Vergleich zu 2014) aus 139 Nationen trafen auf 2.368 Aussteller aus 61 Ländern in achtzehn Messehallen mit über 127.000 Quadratmetern Netto-Ausstellungsfläche. Dabei fällt wieder einmal auf, - hier eine Parallele zu den Konsumgütermessen des Frühjahrs - dass mit 34 Prozent der Besucher ein Drittel aus dem Inland, hingegen zwei Drittel aus dem Ausland nach Düsseldorf kamen. Das schmälert natürlich nicht das positive Gesamtbild der Messe - verweist aber auf das immer düsterer werdende Bild des deutschen Einzelhandels.

Denn die sieben Dimensionen der EuroShop (den Messeunterlagen entnommen), die thematisch recht sauber auf der Fläche umgesetzt wurden, boten sicherlich für jedes Besucherinteresse etwas:

  • POP Marketing
  • Expo & Event Marketing
  • Retail Technology
  • Lighting
  • Visual Merchandising
  • Shop Fitting & Store Design
  • Food Tech & Energy Management

Drei Hauptthemen der EuroShop 2017 standen im Mittelpunkt:

  • Digitalisierung
  • Omnichannel-Lösungen
  • Emotionalisierung des Einkaufserlebnisses

Dazu ein Zitat von Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner EHI Retail Institute, aus dem Abschlussbericht der Messe Düsseldorf:

„Der Kunde erwartet beides, einerseits das Einkaufserlebnis vor Ort, andererseits die Lieferung an die eigene Haustür. Der klassische stationäre Handel baut seine Webshops immer mehr aus und die großen Onlinehändler setzen mehr und mehr auf die Eröffnung eigener Läden. Die EuroShop hat es geschafft, beide Welten zusammenzubringen (…) Ladengeschäfte und Onlinehandel wachsen immer mehr zusammen und so verschmelzen auf der EuroShop auch die Ausstellungsbereiche Ladenbau und Technologie zunehmend.“

Diese Einschätzung trifft sicherlich in mehrfacher Hinsicht zu: Geschichten (rund um Produkte) zu erzählen, war sicherlich schon immer eine Kernkompetenz des Handels und seiner Beschäftigten auf der Fläche. Nun macht sich dieses Storytelling aber auf, zusammen mit einem orchestrierten Visual Merchandising den Kunden eine gemeinsame Dramaturgie der laufenden Ereignisse, sprich ihres Einkaufserlebnisses zu präsentieren. Das mag sowohl als qualitativer Sprung wie auch als Abwehrszenario gegenüber den reinen Onlinern gewertet werden.

Aber die Notwendigkeit zum Zusammenwachsen der Absatzkanäle findet ja auch abseits der EuroShop und gerade bei jenen Händlern statt, die bislang noch wenig oder gar nicht in moderne Infrastruktur und/oder Online-Präsentationen investiert haben. Und die Situation für diese Klientel wird sicherlich nicht übersichtlicher.

Eine Lösung kann die Beteiligung an sogenannten regionalen Webkaufhäusern, (Online-) Marktplätzen oder auch App-gesteuerten Shopping-Guides sein.

Freilich bieten auch die grossen Online-Händler wie Amazon oder eBay kleineren Händlern die Möglichkeit, dort ihre Produkte zu positionieren. Viele Retailer scheuen aber vor hohen Provisionen und nicht unerheblichem Aufwand zur professionellen  Präsentation ihrer Produkte zurück.

Für den lokalen Einzelhandel können deshalb örtlich überschaubare Lösungen wie die Siegener Lokaso spannend sein, die von der Firma Billiton betrieben wird. Die Idee dahinter ist schnell skizziert: lokale bzw. regionale Händler stellen Produkte ihrer Wahl in einem gemeinsamen virtuellen Kaufhaus aus, die Kunden müssen auf ihrer Online-Shoppingtour dieses Kaufhaus idealerweise nicht mehr verlassen und können ihren Einkaufswagen-Inhalt gemeinsam bezahlen, unabhängig davon, welcher Händler die jeweilige Ware ursprünglich eingestellt hat. Die Abrechnung wie auch die Werbung erfolgen über den Dienstleister Billiton, ebenfalls die Zustellung an zwei werktäglichen Zeitfenstern. Für die Kunden bleibt dieser Service kostenfrei. Die Plattform finanziert sich durch Beiträge der Händler und Provisionen. 

Wichtig hierbei: die Webseiten der Händler lassen sich bei Lokaso individuell je nach Geschäftsfeld anpassen und können je nach Wunsch die komplette Implementierung der Logistikprozesse bis in die Händlerwarenwirtschaft hinein umfassen - falls gewünscht auch die Pflege der Angebotspalette. Bequemer für die Präsenzhändler geht’s kaum.

Die potentiellen Kunden können das Angebot per Responsive Design auf ihren mobilen Geräten oder am PC bzw. Laptop nutzen; für Sommer 2017 sind iOS- und Android-Apps geplant. Künftig lassen sich auch noch ausgefeiltere Same-Day-Delivery-Szenarien vorstellen: Kunden sitzen im Café oder Restaurant und lassen sich die gerade online bestellten Produkte dorthin liefern. Ebenso sind schnelle Ersatzabgabeorte eingetippt und intelligente Zahlfunktionen implementiert.

Siegen als Pilotprojekt für Lokaso läuft nach Darstellung des Unternehmens erfolgreich bei aktuell 42 teilnehmenden Unternehmen und arbeitet bereits rentabel.

Ähnliche Konzepte existieren nach Darstellung Alfred Krügers in der Fachzeitschrift Absatzwirtschaft auch bereits in anderen Regionen Deutschlands: so betreibt Atalanda.com vergleichbare Webkaufhäuser in Bedburg, Dortmund, Freilassing, Göppingen, Heilbronn, Wolfenbüttel und als vielleicht bekanntester „Business Case“ Wuppertal - auch das Angebot „Einkaufen in Attendorn“ ist hier angesiedelt. 

In Mönchengladbach wird hingegen eine Kooperation mit eBay verfolgt: Unter dem sinnfälligen Titel „Mönchengladbach bei eBay“ wurden laut Krüger in den ersten neun Monaten des Projektes rund 87.500 Artikel im Gesamtwert von 3,2 Millionen Euro verkauft - ob das den teilnehmenden Händlern reicht, bezweifle ich.

Eine Anmerkung sei noch gestattet: während Kunden sehr schnell vom stationären in den virtuellen Handel wechseln, scheint der umgekehrte Weg eher gut gemachtem Marketing oder dem Wunschdenken von Präsenzhändlern zu entspringen: denn vielen Kunden scheint Name und Herkunft ihrer Internet-Shoppingquelle ziemlich egal zu sein - Hauptsache, die Bequemlichkeit des Einkaufens wird unterstützt.  

Eine noch recht junge Kooperations-Plattform zum Thema, die „Local Commerce Alliance“, hat gute Chancen, sich zu einer Anlaufstelle für interessierte Händler und Anbieter zu entwickeln - viel Erfolg dabei.

Die nächste EuroShop findet vom 16.-20. Februar 2020 statt - nächstes Jahr alternativ die technologiezentrierte Handelsmesse EuroCIS (27. Februar bis 1. März 2018).

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